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Interviews

Veröffentlicht am: Dezember 14th, 2021 | durch Florian Puschke

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„Dreck Müll Chaos“: Männi im „Niete“-Interview

MÄNNI ist wieder da. Nach „Mir tut alles weh“ hat der gute MÄNNI eine kurze Pause gemacht. Ziemlich rar war es geworden um Samuel / MÄNNI. Vielleicht hat er eine kurze Regeneration gebraucht. Dass ihm weiterhin alles weh tut glauben wir nicht, denn als vor einigen Tagen hier die neue CD „Niete“ in die Redaktion angeflattert kam, hatten einige ein breites Grinsen im Gesicht. Zu Recht. Denn das neue Album ist zwar kurz aber dafür umso knackiger. Zehn Songs. Auf den Punk(t) genau und wieder ein fantastisches Album. „Dreck Müll Chaos“ dabei einer unserer Favoriten. Wir haben mit Männi zum neuen Album ein ganz besonderes IV gemacht. Seid gespannt auf die Antworten.

Hey MÄNNI, schön dass du dir die Zeit fürs Interview nimmst. Wobei erwischen wir dich gerade?
Männi: Bin natürlich im *trommelwirbel* Proberaum! Hab mir ein Bierchen aufgemacht und sortiere gerade, was als nächstes ansteht. Irgendwas ist ja immer zu erledigen und ich habe mich dazu entschieden euer Interview jetzt anzupacken.

Nach „Mir tut alles weh“ hast du eine kleine Pause gemacht. Wie hast du die Zeit bis zur Planung des neuen Albums verwendet?
Männi: Hm also vielleicht check ich die Frage nicht so ganz, aber es war jetzt keine Wunschpause in dem Sinne, als dann im Frühjahr 2020 Corona reinballerte und klar war, dass ich erst mal nicht viel unterwegs sein werde. Ich hab mich dann auch aus den sozialen Netzwerken größtenteils zurückgezogen, weil da einfach schon so viel „anderes“ los war. So oder so war der Plan das nächste Album anzugehen und 2021 zu releasen. Also die Planung stand schon ziemlich lange. Ist dann aber doch alles ganz anders verlaufen nicht zuletzt auch durch die Pandemie.

Du hast ja auch einige Konzerte gespielt. Was war das schöne und was war das eher anstrengende an der „Mir tut alles weh“ Zeit?
Männi: Nach der Veröffentlichung von „Mir tut alles weh“ war auf einmal richtig Zug drauf. Es haben sich so viele tolle Konzerte und Gelegenheiten ergeben das Album mit möglichst vielen Menschen zu feiern, dass ich die Zeit als sehr schön in Erinnerung habe. Wir wurden dann kurz vor einem meiner persönlichen Höhepunkte – nämlich eine gemeinsame kleine Tour zusammen mit Ernte 77 – so wie alle Kulturschaffenden ausgebremst und alles ging auf Stillstand. Radio Havanna haben dann irgendwann im Sommer 2020 angefragt die Corona-Open-Airs mit ihnen zu spielen und der Zeitpunkt war gut das auch zu machen. Das war ein totaler Befreiungsschlag in dieser Zeit und ich bin sehr dankbar, dass sie uns mitgenommen haben und wir wirklich tolle Abende hatten.

Wenn du zurückblickst. Nach deinem Debüt und nach „Mir tut alles weh“. Was ist an MÄNNI gleichgeblieben. Was hat sich geändert?
Männi: Es fühlt sich an, dass sich wesentlich mehr Menschen für meine Musik und die Konzerte interessieren als noch zu Beginn. Ich hab schon immer versucht mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln alles rund um MÄNNI so gut wie möglich aufzubauen. Mit Bianca von Dackelton und ihrem Team war das ein Riesensprung zusammen jetzt weiter dran zu arbeiten. Sie ist seit dem Debüt dabei und eine dermaßen große Unterstützung, dass ich hoffe wir machen noch ein paar Alben zusammen. Auch die Art, wie ich die Songs fürs Album schreibe und aufnehme ist gleich geblieben; nämlich, dass ich quasi alles selber mache. Und für die Liveshows hat sich nach vielen Wechseln eine Art feste Band rauskristallisiert, was mich auch sehr freut. Es ist einfach alles etwas gefestigter und größer als am Anfang…auch Dank solchen Leuten, wie euch, die uns viel supporten!

Kommen wir zum jetzt und zum neuen Album. Wie bist du dieses Mal an die Songs herangegangen. Gab es ein Konzept, wie die Songs sein sollen?
Männi: Ne es gab kein richtiges Konzept. Ich hab einfach alles so gemacht, wie „immer“. Viel mit Gitarre rumspielen. Darüber Schlagzeug ausprobieren und mit einem Grundgerüst dann ab ins Studio, das Schlagzeug einspielen. Danach mache ich dann alle Songs weitestgehend instrumental fertig und probiere die Songideen, die ich dafür hab aus. Bis hierhin alles wie immer. Dann bin ich aber ziemlich „abgerutscht“ und genau zu der Phase, wo ich alles fertig haben wollte in einem richtigen „Sumpf“ gelandet. Es wäre zu viel das hier alles zu schreiben, aber es war wirklich übel. Nachdem ich erst dachte, dass es eine Art Schreibblockade war, hab ich dann aber feststellen müssen, dass ich sauviele Texte und Zeilen geschrieben habe, aber das Problem war, dass mir das Gefühl und der Spaß an meiner Musik abhanden gekommen ist. Es gab dann irgendwann zwei Optionen: Entweder „auf lange Sicht kein Album“ oder aber „Album noch dieses Jahr“. Es ist dann auf kurze Zeit viel passiert. Leute haben sich gemeldet, ich habe mich mit den Menschen rund um MÄNNI zusammengesetzt und mit ihnen über mein Problem gesprochen und der Prozess hat dann einiges in Gang gebracht. Es war wirklich knapp aber kurz vor der absoluten Deadline kamen mir dann wieder Ideen, bei denen ich schmunzeln musste. Und einen Song hab ich auch erst in der Nacht vor dem letzten Studiotag textlich komplett neu gemacht. Es fluppte dann einfach. Wie „gut“ das Ergebnis jetzt am Ende geworden ist dürft ihr alle gerne selbst entscheiden.

Du bist bei Dackelton unter Vertrag. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Männi: Das habe ich Michael von deutschFM zu verdanken: Meine erste EP „Wille aus Beton“ kam bei ihm gut an und er hatte sich direkt gemeldet und meinte ich solle mich doch mal bei Bianca bewerben. Das habe ich gemacht und nach einem Telefonat mit ihr war dann klar, dass wir das Debütalbum zusammen angehen werden. Bin immer noch froh darüber!

Viele deiner Songs sind sehr persönlich. Erzählen auch Geschichten über dich selbst. Wie lebt MÄNNI eigentlich, wenn er nicht auf der Bühne steht, oder im Studio Songs aufnimmt?
Männi: Die Erzählungen und persönlichen Erlebnisse/Ansichten stammen ja alle abseits der Bühne oder des Studios; von daher findest du viele Antworten in den Songs. Ein paar Geschichten liegen schon etwas zurück, aber gerade beim neuen Album ist viel Aktuelles dabei. Es gibt noch viele Dinge in meinem Leben über die ich bisher noch nichts geschrieben habe; einige ungenutzte Anekdoten und es kommt ja hoffentlich noch viel Neues dazu.

Du hast im Song „Dreck Müll Chaos“ deinen Proberaum beschrieben. Das du zu vielen Sachen, die dort rumliegen eine Geschichte erzählen kannst. Zeig uns drei Sachen und beschreib deine Lieblingsgeschichte.
Männi:
Foto A (kaputte Kiste)

Foto B (Dreck auf dem Boden)

Foto C (meine erste Gitarre); dazu gerne folgende Geschichte: Angefangen habe ich mit Schlagzeug und finde es auch nach wie vor das beste Instrument. Irgendwann hab ich dann auf der Wandergitarre meiner Mutter und „Peter Burschs Gitarrenbuch“ mir erste Akkorde angeeignet und „Wir müssen hier raus“ von Ton Steine Scherben war der erst Song, den ich darauf spielen konnte. Bis hierhin alles schön und gut, aber Gitarre hat mich nur wenig gekickt. Bei einer meiner ersten Bands hatte dann der Gitarrist auf einmal eine neue Gitarre und seine Alte wollte er loswerden. Die hab ich dann genommen und mir einen billigen Verstärker gekauft. Und dann passierte so einer dieser „magischen Moment“ – nämlich als ich in meinem alten Jugendzimmer alles aufgebaut hatte und das erste Mal eine elektrische Gitarre in der Hand, alles voll aufgedreht und dann einen E-Moll-Akkord angespielt habe. Ich weiß das noch so genau, weil der Moment so heftig war und ich dann gemerkt habe: Gitarre ist schon ganz geil! Bis heute ist E-Moll das erste, was ich auf einer Gitarre anspiele, wenn ich sie in der Hand habe. Mit genau dieser E-Gitarre habe ich dann die ersten Shows als Gitarrist gespielt und auch die ersten eigenen Punk/Rock-Songs geschrieben. Ich liebe dieses Teil und es hängt viel Erinnerung dran.

Viele deiner Songs haben dieses Mal Hymnen Charakter. Erzähl was über „Ich bin perfekt“?
Männi: Viele haben Hymnen-Charakter? Das ist doch eine Frechheit! ALLE haben jawohl Hymnen-Charakter…zumindest ist das IMMER mein Ansatz. „Ich bin perfekt“ kommt so aus dem ganzen Selbstoptimierungs- und Perfektionswahn. Da wurden mir immer viele Videos angezeigt mit Leuten, die es laut deren Ansicht „geschafft“ haben und dir dann – natürlich nicht ganz unentgeltlich – „zeigen“ wollen, wie du es auch schaffen kannst. Völlig absurd, aber andererseits liebe ich diese Werbevideos auch, weil es so schön unterhaltsam ist. Bei dem Song kam mir dann der Gedanke, weil es ja immer heißt „Schwächen optimieren“, dass du ja einfach das best- bzw. schlechtmöglichste aus deinen Schwächen machen kannst. Hinzu kam dann noch, dass ich mich an einem Punkt befand, wo die Selbstzweifel überhandnahmen und ich mich da wieder zurechtfinden musste. Der Refrain ist dann ein Mix aus allem.

Irgendwie scheint „Alles egal“ sowas, wie das Ergebnis davon zu sein, dass du ja (in dem beschriebenen Song) „perfekt“ bist. Welche Sachen sind dir tatsächlich egal und welche halt nicht?
Männi: Noch kurz zum Song. Der stellte eine Art Befreiungsschlag für die weitere Albumproduktion dar. Wenn du dauernd dich oder was du machst/gemacht hast oder was andere über dich denken bewertest wird es sehr ätzend. Bisschen Selbstreflexion würde ich schon befürworten, aber irgendwo hört es dann auf. Wenn ich „alles egal“ anhöre ist das für mich die Erinnerung an genau diese Zeit und das Loch und erst, als ich wirklich davon überzeugt war, dass es egal ist, was ich da an Songs auf die Kette kriege, klappte das auch.
Es ist immer Situations- oder Tagesformabhänig aber wenn ich ziemlich genau weiß, warum ich was wie mache oder wie bin, dann ist es mir wirklich egal, wenn andere mich missverstehen oder anders wahr nehmen als ich das vielleicht gerne hätte. Viel zu oft denke ich aber schon noch darüber nach. Ich liebe die Situationen – die meist eher im Privaten sind – wo ich wirklich so sein kann wie ich bin, weil mich die Leute drumherum so gut kennen und das alles einordnen können.

Ein absolutes Highlight der Platte ist natürlich der Song „So viele Fragen“. Was würdest du neben der beschriebenen Frage von der Welt noch gerne wissen?
Männi: In dem Song geht es ja um Fragen „ans Leben“, was super schwammig gehalten ist, aber vermutlich sind die anderen Fragen auch die Klassiker nach dem Sinn. Ich glaube/hoffe, da schon einige Fragezeichen für mich geklärt zu haben – aber solche Gespräche lieber bei einem Bierchen. Aber was ich immer noch nicht check ist, wie sich bestimmte Situationen dann manchmal „ergeben“ ohne, dass ich es mir zu esoterisch erklären will. An dieser Stelle komme ich mal mit dem „Sams“ um die Ecke. Grob: es geht ja darum, dass das Sams Wünsche erfüllen kann, aber nie so exakt, wie man sich das vorstellt. Darin liegt ja auch der Witz der Geschichten. Aber für mich die Erkenntnis, man kann sich noch so sehr etwas vorstellen und wünschen: am Ende passiert es vielleicht, aber halt nie so, wie man sich das vorgestellt hat. Andere Sachen, die mich vielleicht viel mehr erfüllen, als bestimmte Wünsche, passieren scheinbar wie aus dem Nichts oder zumindest hab ich oft das Gefühl dafür nicht wirklich viel getan zu haben, die aber einfach total geil sind am Ende. Kann mir wer folgen?

Und was würdest du ihr gerne anraten?
Männi: Tipps an die Welt? Da würd ich ja nie fertig werden + wer bin ich denn, dass ich da allen meine Vorstellungen anraten sollte.

Mit „Freche Kids“ beendest du ein starkes Alum. Was ist der Hintergrund zu diesem Song?
Männi: Diese ganze Diskreditierung der jungen Menschen, die wirklich eine dringend notwendige Veränderung antreiben und sich dann auch noch mit Hatern rumschlagen müssen. Es sollte aber keine Platte Lobeshymne sein, sondern ich habe in der Strophe super dumme Zitate aus irgendwelchen Kommentarspalten im Internet verwurstelt, um dann im Refrain alles aufzulösen.

Das Release steht bevor. Was erwartest du von der Platte?
Männi: Von der Platte erwarte ich nix mehr, ich kenne sie ja sehr gut. Aber von allen Leuten da draußen erwarte ich verdammt noch mal, dass sie die Platte kaufen, allen Bescheid geben, die damit etwas anfangen können und wir uns dann alle zusammen auf einem Konzert treffen!!!11!!1!

Ist die dritte Platte tatsächlich immer die schwerste?
Männi: Das ist meine erste, dritte Platte von daher keine Ahnung. Aber was die Probleme, die ich mit dem Album bei der Entstehung hatte angeht würde ich sagen ist das Klischee hier komplett erfüllt. Hab aber auch schon Schiss vor der vierten Platte. Danach kann ich dir mehr sagen.

Nach der Platte ist vor… Was sind die Pläne von MÄNNI?
Männi: Endlich wieder Proben, noch ein/zwei Videos drehen, erste Konzerte (wenn alles gut läuft als Support für Betontod am 18.12.) und ansonsten eigene Tour Jan/Feb und hoffentlich viele Festivals im Sommer. Parallel dann vielleicht schon wieder neues Material ansammeln. Ich habe jedenfalls wieder eine Notiz im Handy mit „neue Ideen“ angelegt, was ein gutes Zeichen ist. Da sammel ich alles an Zeilen, die mir einfallen. Moment ich hau mal ein Beispiel raus: „ich bin ein Frechdachs, der immer recht hat“ – naja vielleicht nicht die beste Line, die ich hatte, aber hey wer weiß was noch draus wird.

Kommen wir zum Schluss des Interviews zu Gedankenblitzen. Was bedeuten dir die folgenden Begriffe?
Aachen?
Männi: Musikbunker mit Proberaum als Basis + Aachen = kalter und warmer Regen

Fahndungsplakate?
Männi: Ja halt die ganzen unseriösen Gesichter, die alle paar Jahre mal im Straßenbild auftauchen

MÄNNI himself
Männi: Weiß nicht, vielleicht lieber andere fragen

Jetzt erst recht
Männi: Da offiziell zu wenig (gar nix) gemacht wird ist weiterhin starker Zusammenhalt gefragt.

Melancholie
Männi: Lieb ich und hass ich manchmal, weil unberechenbar.

Niete
Männi: Nieten aller Länder verbindet euch!

Tough Magazine
Männi: Treuer Support und Quelle neuer Musik; Danke dafür!

Bitte entscheide dich mit Begründung.
Punkrock 2000 Vs. Punkrock 2020
Männi: Puh, kann ich leider nicht beantworten. Mein Herz hängt sicherlich mehr an den „älteren Sachen“, aber es gibt immer wieder so viel gutes neues Zeug, was ich dann auch täglich höre. Ich nehm Punkrock 2010!

“Mir tut alles weh” Vs. „Niete“
Männi: Ein etwas entspannteres Verhältnis hab ich zu „Mir tut alles weh“, aber „Niete“ hat jetzt auch erst mal Welpenschutz und muss noch richtig laufen lernen.

Brieftauben Vs. Wizo
Männi: Sorry Tauben, aber Wizo; erste Liebe gewinnt da. Bis heute so tief in meinem Herzen, weil fantastisch.

YPS Vs Mickey Mouse
Männi: Mickey Mouse…so viele tolle Stunden in Entenhausen verbracht.

Wegbier Vs. Pausenbrot
Männi: Immer und zu jederzeit Wegbier wegen Bier und wegen Band Wegbier.

Dackel Vs. Dogge
Männi: Hunde, die so groß wie Katzen sind mag ich am liebsten – von daher Dackel.

Wir bedanken uns bei dir für die Zeit, die du dir genommen hast? Natürlich gehören die letzten Worte dir. Also los :)…
Männi: Puh, letzte Worte kann ich so schlecht. Ich bin besser im Hallo-Sagen und dann rein in den Dialog. Deswegen kommt doch auf Konzerte vorbei, sagt Hallo. Die „Dreck Müll Chaos-Tour“ steht im Frühjahr 2022 an und alle Infos findet ihr auf www.mnni.de. DANKE an euch für den wirklich schon sehr lang bestehenden Support und eurer Interesse!

Tatsächlich haben wir uns sehr gefreut, dass MÄNNI sich die Zeit genommen haben. MÄNNI startet wieder durch. Und mit „Niete“ ein Album am Start, das dieses Jahr auf vielen Playern noch heiß rotieren wird. Wir freuen uns, dass wir reinhören durften und erinnern gerne an die Bestellung des Albums. Viel Spaß mit Männi! Es lohnt sich.

Interview von Thorsten im November 2021

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