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Interviews

Veröffentlicht am: Mai 3rd, 2020 | durch Florian Puschke

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„Die Krone der Erschöpfung“: Shirley Holmes im Interview

SHIRLEY HOLMES … lösen wieder neue Fälle. SHIRLEY HOLMES sind zurück. Ob sie mit dem neuen Album tatsächlich einen Fall der Musikgeschichte lösen, indem sie Punkrock, Indie und Alternative zu einer explosiven Mischung verbinden? Wir meinen: Ja! Was die 3 BerlinerInnen davon halten, verraten sie uns im Interview zu „Die Krone der Erschöpfung“.

Hey ihr lieben von SHIRLEY HOLMES. Schön, dass ihr euch Zeit fürs Tough Magazine nimmt. Wobei erwischen wir euch gerade?
Shirley Holmes: Je nachdem: auf dem Drahtseil gegenwärtiger Lebenskunst oder beim Auschecken aus der alten Welt.

Für Leute, die euch noch nicht kennen. Beschreibt kurz, wer oder was sind denn SHIRLEY HOLMES?
Shirley Holmes: SHIRLEY HOLMES sind Energie mit Melodie x 3.

Als beinahe Namensvetter von Sherlock Holmes: Welche Gemeinsamkeit habt ihr mit dem berühmten Hutträger und worin unterscheidet ihr euch von dem Meisterdetektiv?
Shirley Holmes: Gemeinsamkeit: Das große Ganze versteckt sich auch bei uns oft im Detail. Unterschied: Die Musik spielt sich bei uns nicht nur im Kopf ab.

Ihr habt bereits das dritte Album am Start. Wie verlief der Aufnahmeprozess zu „Die Krone der Erschöpfung“ und was ist bei dem neuen Album anders als bei den Vorgängern „Heavy Chansons“ und „Schnelle Nummern“?
Shirley Holmes: Wir haben dieses Mal über einen längeren Zeitraum und verteilt auf drei Etappen in drei Studios aufgenommen und dann auch noch etwas im Home Studio nachgeschossen, haben dem Album also Zeit gelassen, sich Stück für Stück zu entwickeln. Außerdem ist es das erste Album mit Chris am Schlagzeug, heißt, es war auch eine Zeit des sich in dieser Konstellation weiter aufeinander „Eingroovens“ und musikalischen Kennenlernens.

Eure Musik ist recht vielfältig. Indie, Alternative, viel Punkrock und treibende Stücke. Aber auch hier und da Ausflüge. Auf „Schnelle Nummern“ zum Beispiel ein Rap in „Total digital“. Wie entsteht diese Vielfalt in euren Songs und wie würdet ihr persönlich eure Musik-Richtung beschreiben wollen?
Shirley Holmes: Wir kommen aus sehr unterschiedlichen Ecken, decken ein sehr breites musikalisches Spektrum ab. Und dit hört man. Klar ist eigentlich immer nur, dass beim Zusammenwerfen von uns Dreien irgendetwas mit viel Energie und Melodie entsteht, alles andere ist auch für uns auch immer eine Überraschung und wir fragen uns gelegentlich, was wohl als nächstes aus der Triade Holmes rauskommt. Ein Redakteur schrieb letztens so etwas wie, dass wir einen breiten Spagat zwischen Punk und Pop wagen, der gerne auch noch alles mitnimmt, was dazwischen und drum herum liegt. Yessss. Bitte alle einsteigen.

Wenn ihr Songs schreibt, entsteht das gemeinsam im Proberaum oder kommt ihr mit fertigen Stücken an, die dann gemeinsam ausgearbeitet werden?
Shirley Holmes: Sowohl als auch, meistens jammen wir zusammen im Proberaum, schneiden das mit und entscheiden dann gemeinsam, was wir davon weiterentwickeln. Vieles davon arbeitet Mel dann zuhause aus, viel am Rechner, bringt ihre Ergebnisse dann wieder mit in den Proberaum und so wird dann immer wieder weitergefeilt, bis wir happy sind. Zum Schluss noch mal etwas Tabasco drauf und fertig!

Auf „Heavy Chansons“ haben wir mit „Popstars“ eine Nummer, die man auch „Punkstars“ taufen könnte. Könntet ihr euch denn eine Gaststimme eines Popstars auf einem eurer Alben vorstellen? Wenn ja, von wem und warum?
Shirley Holmes: Nü kloar, so einige, zum Beispiel Peaches oder Kathleen Hanna (Le Tigre, Bikini Kill), beides sind Künstlerinnen, die auf ihre Art sehr viel vorangebracht haben und uns musikalisch auch beeinflussen.

Euer neues Album heißt „Die Krone der Erschöpfung“ und kann wärmstens empfohlen werden. Ein Titel, den die Fans vielleicht nennen nach einem Konzert mit euch oder wie ist der Albumtitel entstanden?
Shirley Holmes: Aaaah – diese Interpretation ist auch gut! Eigentlich ist es ein Wortspiel mit dem Inhalt des Songs „Auszeit“. Eine Art sehr kurze Geschichte der Menschheit aka die Krone der Schöpfung, die ihren Lebensraum mehr oder weniger schulterzuckend aussaugt, erschöpft. Und wir fanden, dass der Titel in jeder Hinsicht gut passt zu dieser Zeit, in der wir leben.

Mit „BinIchBinIch“ startet ihr das Album mit einem sicher für viele Menschen alltäglichen Tagesablauf. Wem ist dieser Song gewidmet?
Shirley Holmes: Dem kleinen süßen Hamster im Rad.

Und wie kam es zum Offspring Zitat?
Shirley Holmes: Das war keine überlegte Tat, das kam beim Zocken im Proberaum aus uns raus und passte einfach genau so genau da. Und hat schöne Erinnerungen geweckt.

Welche Band außer Offspring würdet ihr noch gerne in diesem oder einem anderen Stück zitieren?
Shirley Holmes: Diese Frage geben wir weiter ans Unterbewusstsein. Mit dem absichtlich Zitieren haben wir es gar nicht so, das passiert, wie oben gesagt, einfach so, also mal schauen, wen unser Unterbewusstsein in Zukunft noch so alles zitieren möchte.

Ein echter Anspieltipp auf dem Album ist „Das Licht“. Beschreibt den Hintergrund zu diesem Stück.
Shirley Holmes: Das war einer dieser Momente, wie man ihn sich als Band immer wünscht – man geht in den Proberaum, irgendjemand fängt an, zu spielen, alle steigen ein und ZACK – ist der Song einfach da und alle sind atemlos und haben ein euphorisches Grinsen im Gesicht. Da ist die Summe dann eben wieder so viel mehr als die einzelnen Teile.

Mir gefällt auch der langsamere Song „Der alte Krieg“ über die „hohen Herren im Dunkeln“. Welchen hohen Herren würdet ihr den Song ans Herz legen wollen und warum?
Shirley Holmes: Tatsächlich uns Allen, hohen wie nicht so hohen Damen und Herren. Viele Menschen – hier schreibende (=wir) nicht immer ausgenommen – halten Demokratie und Frieden für zu selbstverständlich.

In „Schallfront, Baby“ singt ihr über ein Poesiealbum. Was würdet ihr unserer Regierung denn gerne in ihr Poesiealbum schreiben?
Shirley Holmes: Mit „Schallfront“ im Hinterkopf diesen: „Erst, wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“ Poesiealbum-Klassiker der 80er!

Und von welchem Star würdet ihr gerne ein Poesiealbum zum Reinschreiben bekommen?
Shirley Holmes: Rudi Völler.

Das Ende der CD ist natürlich was zum Runterfahren. Wie kam es zu diesem Song?
Shirley Holmes: Er ist das Ergebnis einer krassen Detox-Meditation-Transformation-Extreme-Experience. Einatmen, ausatmen, Handy checken… ;)

Nach der CD ist vor der Tour. Dies fällt in Corona Zeiten aber derzeit flach. Was plant ihr für die nahe Zukunft?
Shirley Holmes: Wir planen gerade nicht so wirklich viel, sondern leben von Woche zu Woche, beobachten und sind sehr gespannt (neutral gemeint), was passiert. Aber klar wollen wir die ganzen ausgefallenen Konzerte irgendwann nachholen. Und ansonsten mal schauen, wonach wir uns in den nächsten Wochen so fühlen, wenn nach der Release Action etwas mehr Ruhe einkehrt.

Bitte vervollständigt die folgenden Schlagzeilen.
„Shirley Holmes lösen das Verbrechen von…
Shirley Holmes: …nebenan “

„Der Berliner Bär kann…
Shirley Holmes: …auch Kanzlerin“

„Die Krone der Erschöpfung…
Shirley Holmes: …lacht sich in die Ecke“

„Schnelle Nummern gibt es…
Shirley Holmes: …nie genug“

„Wenn schon…
Shirley Holmes: …heute, dann auch morgen“

Was bedeuten euch die folgenden Begriffe?
Sherlock
Shirley Holmes: Scharfer Verstand.

Watson
Shirley Holmes: Fährt den Wagen – nee, das war ja Harry.

Shirley
Shirley Holmes: Live in Motion (normalerweise).

Corona Krise
Shirley Holmes: Unwirkliche Zeit.

Tough Magazine
Shirley Holmes: Keine schlechten Fragen ;)

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören euch!
Shirley Holmes: #LeaveNoOneBehind

Interview von Thorsten im Mai 2020

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