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Interviews

Veröffentlicht am: März 30th, 2020 | durch Florian Puschke

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Der Butterwegge im ausführlichen „Super Optimiert“-Interview

Der Butterwegge hat ja schon vor ein paar Wochen einige Fragen zu seinem neuen Werk „Super Optimiert“ beantwortet. Als kleines Vorspiel sozusagen. Doch nun kommt der Hauptgang! Denn nun haben wir aber das Album hier in Dauerschleife laufen und haben daher auch mal auf die Diskografie des Barden aus NRW geschaut. Tatsächlich sind da noch einige Fragen übriggeblieben und wir freuen uns wie Bolle, dass auch diese beantwortet wurden. Freut euch auf den zweiten Teil des Interviews zum Album – Super optimiert! Ein Album, das die Krise bunter scheinen lässt.

Hey lieber Butterwegge. Schön, dass du dir Zeit fürs Tough Magazine nimmst. Wobei erwischen wir dich gerade?
Butterwegge: Um ehrlich zu sein, habe ich mir gerade einen Shot Feigenwodka gegönnt, weil mein Corona Test heute kam und ich negativ getestet wurde. Meine Holde hat soeben den Kleenen inne Pofe gebracht und ich sitze jetzt gemütlich auf der Couch.

„Super Optimiert“ ist am Start. Wie waren die ersten Rückmeldungen? Über welche hast du dich gefreut, geärgert oder auch gewundert?
Butterwegge: Ganz so viel ist ja noch nicht zurück gekommen. Das Label hat jetzt erstmal alle Fanzines und Review-Quellen versorgt und kümmert sich da an der Stelle. Ich freue mich natürlich über Eure schnelle, positive Rückmeldung und habe mir von den wenigen Leuten, denen man so ein Werk mit als Erstes vorstellt sagen lassen, dass das Teil ganz gut funzt. Ich selber finde bin total happy damit. Ich finde es bisher das reifste und möglicherweise ausdrucksstärkste Album von mir, bzw. uns.

Auch ich durfte das Album ja schon früher hören und vor allem hat mich die Vielseitigkeit des Werks erfreut. Punk, Pop, Reggae, … Welche Songs sind für dich die wichtigsten auf der Platte?
Butterwegge: Dat kann ich nicht sagen. Die Songs sind mir alle echt wichtig. Ich stehe tierisch auf die Features mit Costa, Fisch, Marco Pogo, Silke und Lana van da Vla. So viel ist mal sicher. Mir sind aber die kritischen Teile genau so wichtig, wie die Spaßnummern.

Wenn du die neuen Stücke mit „Liebe – Lyrik – Alkohol“ und „Auf Asche“ vergleichst. Was hat sich für dich geändert? Und was ist gleich geblieben?
Butterwegge: Also, gleich geblieben ist auf jeden Fall, dass ich kein Album machen kann, das einen musikalische-roten Faden hat. Gleich geblieben ist auch, dass mir das egal ist. „Super optimiert“ ist partiell etwas wütender, als die beiden ersten Alben. Das liegt vielleicht an der zunehmenden Verzweiflung, die sich manchmal in mir breit macht, wenn ich zu viel social media intus habe…:). Außerdem sind zum ersten Mal Gastsänger- und Sängerinnen für echte Features am Start. Das war total spannend und hat tierisch Bock gemacht.

Bunt Vs Braun ist ja sowohl auf dem ersten als auch dem aktuellen Album vertreten. Bei „Zu Bunt Für Braun“ gehst du sehr langsam und auch autobiografisch an das Thema ran während du auf dem neuen Album mit „Bunte Zecken“ auch autobiografisch aber deutlich rockiger das Thema aufgreifst. Welcher dieser beiden Songs bedeutet dir mehr? Oder kann man diese nicht vergleichen?
Butterwegge: Ich kann das immer nicht so richtig vergleichen. Man verbindet ja mit dem autobiographischen auch immer Stimmungen. Bei „Zu bunt für braun“ bin ich eigentlich froh, dass die Zeiten rum sind und bei „Bunte Zecken“ werde ich eher wehmütig, weil der ein oder andere, an den ich dabei denke, den Song leider nicht mehr hören kann und ich mit sau vielen guten Leuten echt richtig geile Zeiten hatte.

Aber auch andere Themen wie das Miteinander, Toleranz aber auch der Alkohol ziehen sich durch die Alben. „Liebe Lyrik Alkohol“ als Titel deines Debüts. Zu wieviel Prozent (nicht Promille) beschreiben dich diese Worte als Künstler?
Butterwegge: Ich liebe es, mal allein zu sein und genieße diese Zeiten sehr, aber im Grunde bin ich ein Herdenmensch und bin saufroh, wenn ich zu irgendwas gehöre. Zu meiner Familie vor allem, aber auch zu meinen Leuten. Ich bin gern in geselligen Runden unterwegs und kann nächtelang labern. Der erste Albumtitel, war mit „Liebe – Lyrik – Alkohol“ wohl überlegt gewählt. Das sind drei Komponenten, die Konstante in meinem Leben sind. Alle drei können großartig aber auch ganz grauenhaft sein. Am besten sind sie im Gleichgewicht..Prost (ein Feigenwodka geht noch).

Auf dem ersten Album singst du im Song „Menschmaschine“ sehr kritisch unter anderem über die Waffenproduktion. Was ist der Hintergrund zu diesem Song?
Butterwegge: Neben Faschisten, Fanato-Predigern und „Ich scheiß auf Euch“ Bonzen, verachte ich Lobbyisten und Großhändler, die mit Waffen, Menschen und Drogen Kohle machen am meisten. Ich bin kein Pazifist und muss gestehen, dass ich bei vielen Zuständen, die sich weltweit so abspielen schon auch jemand wär, der einen Stein aufheben würde. Bringt nix, weiß ich, aber ich kann mich nicht davon frei machen. Zu mir hat mal jemand gesagt „Der Mensch ist Mittel…Punkt! Da könnte ich im Strahl kotzen.

Könntest du diesen Song auch heute auf die Medizinindustrie und die Corona-Krise umschreiben oder ist das was anderes?
Butterwegge: An den Pharmaunternehmen nerven mich andere Dinge. Beispielweise Tierversuche, das lehne ich ab. Ich weiß, dass ich anders denken würde, wenn ich selbst betroffen wär, aber unschuldigen Lebewesen das anzutun, was da zum Teil gemacht wird, muss ich ablehnen. Also zumindest die nachweislich unnötigen Versuche dürften so langsam mal eingestellt werden. Was noch zum kotzen ist, ist die Tatsache, dass die Knete und der Aufwand um zu Wohlstandserkrankungen zu forschen scheinbar unendlich ist, aber keine 50 € da sind, um blinde Kinder in Afrika zu operieren, damit sie sehen können. Ist halt nicht wirtschaftlich…da kommen aber mehrere Themen zusammen.

Ein bekannteres Stück vom Debüt ist natürlich „Ein letzter Schluck“. Wem ist dieser Song gewidmet? Wo fühlst du dich denn am wohlsten, mein Freund?
Butterwegge: In dem Song geht es tatsächlich um meinen letzten Schluck. Ich bin der Meinung, dass wenn jemand sein Leben lang Tiere hatte, so ein Mensch bis zum Schluss Tiere haben sollte, auch im Altersheim, oder wo auch immer er alt wird und stirbt. Das gleiche gilt für Kiffer und eben auch für Leute, die sich gerne einen Ansaufen. Ich liebe Rausch und habe keinen Bock darauf, dass mein letzter Schluck irgendein scheiß Kamillentee aus ner Schnabeltasse ist. Ich bevorzuge da eher Whisky.

Gute Erinnerungen scheinst du an deine Jugend zu haben. Auf dem zweiten Album „Auf Asche“ singst du unter anderem über die Freizeitbeschäftigung vor ca. 30 Jahren an Sonntagnachmittagen. Wie wichtig sind die Hinterhof-Erfahrungen für deine Stücke?
Butterwegge: Anscheinend sehr wichtig, weil das auf dem neuen Album mit den Song „Inne Siedlung“ und auch mit „Zuhause“ wieder Thema ist. Ich liebe den Ruhrpott, ganz ehrlich. Ich hätte sicher auch woanders glücklich werden können, aber ich steh auf große Fresse haben, wenn man dabei auch was zu sagen hat und ich mag Ehrlichkeit und direkte Menschen. Gleichzeitig die Einfachheit und das geregelte im Pott. Wenne in Ordnung bis, hasse keine Probleme. Da weiß jeder Bescheid und gut is!

In den heutigen Zeiten kann man natürlich Stücke wie „Erstmal eine rauchen“ mehr als gut vertragen. Bei welchen Themen musst du „Erstmal eine rauchen“?
Butterwegge: Bei keinem mehr, ich hab aufgehört zu rauchen ;) Früher habe ich für jede Scheiße geraucht. Beim Ankommen, vorm Abhauen und massig zwischendurch. Rauchen ist geil, aber eben auch gefährlich. Ich hatte 2018 einen Herzfinfarkt, seitdem is bei mir um mit schmoken…sonst macht mich meine Prinzessin auch nen Kopp kürzer.

Kommen wir zum neuen Album. Extrem vielfältig und voller Hits. Gibt es Songs, die nach dem Release gerne anders oder neu aufnehmen würdest oder bist du rundum zufrieden?
Butterwegge: Irgendwas fällt einem ja immer auf, wenn man mit Abstand nochmal alles durchhört. Das kann noch kommen, für den Moment bin ich aber sau happy. Geil, dass Du sagst, dass das voller Hits ist…finde ich auch irgendwie :)

„Gönn ich mir“ ist natürlich ein Stück, was ich persönlich über das Albums schreiben könnte, da ich mir diese CD gerne reinziehe. Beschreib mal den Hintergrund von „Gönn ich mir“. Wie autobiografisch ist das Stück?
Butterwegge: Da steckt schon ne schöne Portion Erlebtes drin. Ich hatte ja mal für 5 Jahre ne Kneipe und fand die Abende, wo die Theke sowohl mit Mädels als auch Jungs voll war immer am besten. Ich hab mir natürlich mein Leben lang anhören müssen, ob dat schon wieder nötig war, so spät nach hause zu kommen und ob es in der Kneipe schöner ist als zuhause…oft war dat einfach auch so…über solche Szenarien wollte ich unbedingt was schreiben und Silke von den Porters war meine absolute Traumbesetzung für das Duo. Ich steh tierisch auf den Song.

Sehr besinnlich und mit Augenzwinkern präsentierst du „Inne Siedlung“. Was ist die Geschichte hinter diesem Song?
Butterwegge: Ich hab da echt Gesichter vor mir, wenn ich sowas schreibe…der Andi hieß anders, aber die Bude gehörte echt der Gertrude. Ich hab auch jemand vor mir, der auf die Frage ob dat ein oder andere damals illegal war, immer gesagt hat, „wenne mich frags, is dat ersma ok“…der Typ war sowas wie der inoffizielle Sherriff bei uns inne Ecke. An solche Leute muss ich oft denken, weil das echte Typen waren. Sowas baue ich dann in meine Themen ein.

Ein Lied für europäische Verständigung ist sicherlich „Wenn wir saufen“. Wie wichtig sind solche Songs für ein vereintes Europa?
Butterwegge: Ich glaube, das sollte man nicht unterschätzen. Wenn Leute, die in Österreich auf Turbobier stehen mitkriegen, dass der Marco Pogo was mit dem dicken Deutschen gemacht hat, hilft das sicher bei der nächsten Party, auf der sich sowohl Ösis als auch Bio-Kartoffeln befinden. Ich will sowas in Zukunft öfter machen. Hat auch sau viel Bock gemacht. Der Herr Pogo ist ne echte Marke. Der vertreibt mit Turbobier sogar seinen eigenen Gerstensaft. Und die Plörre schmeckt auch noch richtig gut.

Neben Österreich gibt es sicher andere Völker, mit denen du mal gerne „Wenn wir saufen“ darbieten möchtest. Welcher Gast ist denn dein Wunsch für eine Neuauflage dieses Stückes?
Butterwegge: Auf jeden Fall irgendein Skandinavier und ich würde super gern mal was mit Saz (türkische Gitarre) machen.

„Wurzel allen Übels“ ist eine gute Punkrocknummer. Braucht man für solche Texte eher eine Vollgas-Nummer um die Aussage besser zu platzieren?
Butterwegge: Nicht unbedingt. Das kann man sicher sogar als Ballade machen. Für mich war Druck wichtig und da habe ich mich für Punkrock entschieden. Da komme ich ja auch hauptsächlich her.

Mit „Zuhause“ beendest du das Album mit einer Nummer, die eigentlich mehr als eine Liebe beschreibt. „Zuhause ist wo du lebst“ singst du. Was beschreibst du denn als dein wahres „Zuhause“?
Butterwegge: Ganz klar ist das da, wo meine Familie ist. Ich liebe den Ruhrpott, würde aber überall mit hingehen, wo das Leben uns als Bande hintreibt. Wir sind ne richtig coole Gang.

Natürlich sollte man solch ein Album auch live feiern dürfen. Durch Corona ist einiges ausgefallen oder am Wackeln. Wie sehr trifft dich als Musiker diese Krise?
Butterwegge: Das trifft mich in zweierlei Hinsicht. Zunächst mal habe ich derzeit kein oder nur ein sehr geringes Einkommen, weil mir sau viele Jobs wegfallen und das auf unbestimmte Zeit. Das ist schon heftig. Ich checke da gerade Möglichkeiten. Außerdem fehlt mir das Auftreten schon jetzt. Kurz vor dem Release ausgebremst zu werden ist kacke. Es muss aber sein und ich habe dafür natürlich vollstes Verständnis. Der Rock`n Roll wird nicht sterben!

Gibt es schon neue Termine? Das Jahr ist ja eigentlich schon durchgeplant.
Butterwegge: Ich habe jetzt einiges noch nicht veröffentlicht, weil wir gar nicht wissen, wann es wieder losgehen kann. Ich kann verraten, dass wir am 02.05. in Düsseldorf geplant sind und aktuell hoffen wir, dass das stattfinden kann.

Was ändert sich durch die Krise in deiner Planung?
Butterwegge: Es kann sein, dass ich vorübergehend irgendeinen Job annehmen werde, bis ich wieder Knete mit der Mucke heimbringen kann. Ich schreibe schon wieder, weil ja gerade Zeit dafür ist. Außerdem übe ich aktuell den Moonwalk. Das will ich hinkriegen.

Was erwartet uns denn, wenn du hoffentlich bald deine Songs live präsentieren kannst? Auf was freust du dich am meisten?
Butterwegge: Auf die Gigs mit der Band und die ganzen Leute vor der Bühne. Ich hab sehr gern Kontakt zum Publikum und viele Leute kennt man ja mittlerweile. Da freue ich mich immer, wenn ich deren Visagen vor der Bühne sehe. Ich hab aber auch echt Bock auf die Solo Geschichten, weil die sich in Zukunft etwas verändern werden. Mehr verrate ich aber noch nicht. Außerdem gibt es mich ab sofort auch als Trio. Das wird fett.

Bitte vervollständige die folgenden Schlagzeilen.
„Der Butterwegge bringt mit…
Butterwegge: …47 Jahren ne Vinylscheibe raus“

„Frau Merkel kauft…
Butterwegge: …die dann nicht“

„Der Abführmittelangriff…
Butterwegge: …könnte irgendwann stattfinden, wer weiß das schon, DAS IST KEIN AUFRUF, aber, es kann ja passieren, muss nicht, aber kann“

„Bier und Pommes sind…
Butterwegge: …sind Grundnahrungsmittel, sollten unverzüglich von der MwSt. befreit werden und Schulfach sein.“

Was bedeuten dir die folgenden Begriffe?
Alkopops?
Butterwegge: Haben nie geschmeckt und waren ein bösartiger Versuch Jugendliche zum Saufen zu animieren.

Alko Popper?
Butterwegge: Sind die besten Popper.

Startnext?
Butterwegge: Hat mir als Plattform sehr geholfen und bietet vielen guten Leuten eine echt ok-je Möglichkeit Träume zu verwirklichen und echt gute Sachen zu machen.

All Killer?
Butterwegge: Sagt mir nix

Tough Magazine
Butterwegge: War mir sofort sympathisch, als ich von „Wal Hoffnung“ erfahren habe. Ich bin Euch auch dankbar, dass ich Teil dieser großartigen Aktion sein durfte. Seitdem ist das Tough Magazin feste Quelle bei der Suche nach Mucke, Infos zu bestimmten Hörbüchern und dem ganzen anderen Kram, mit dem Ihr Euch so beschäftigt. Ich will jetzt auch nicht zu schleimg klingen, aber ihr seid zudem auch noch nette Leute…;) Gut so? :)

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir!
Butterwegge: Letzte Worte dann, wenn der Fährmann anklopft…und gebt mir dann Whisky und keinen Tee!

Wir vom Tough Magazine möchten uns an dieser Stelle bei dem Butterwegge erneut für die Zeit bedanken. Aber nicht nur für die Zeit, sondern auch für ein tolles Album, das sicher noch einige Monate ganz oft und ganz laut auf vielen Anlagen laufen wird. Super optimiert! Danke dafür! Wer mehr von dem Butterwegge wissen möchte, der schaut auf der Homepage nach.

Interview vopn Thorsten im März 2020

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