Brigade S.: Die Punkrock-Band im Interview
Mit „Kleine Lichter – Großer Sport“ ist das neue Album der Punkrock-Band aus Wanne-Eickel erschienen. Tough Magazine sprach mit der Band über die neuen Songs, weitere Pläne und aktuelle Themen!
 
Hallo zusammen! Alles gut bei euch? Habt ihr die Show im Panic Room Essen gut überstanden?
Patrick: Ja, das war mal ein „Heimspiel in Essen“. Der beste Gig seit wir 2009 im Zwischenfall waren… obwohl… das denke ich, glaub ich immer, wenns richtig geil war.
Malte: Ja, es war für uns ein unglaublich geiler Abend! Es waren sehr viele Freunde und alte Wegbegleiter da und auch viele, die uns gar nicht kannten. Der Panic Room ist echt der ideale Laden für so ein Fest (und damit ein ehrenhafter Ersatz für den Zwischenfalls, in dem wir unsere letzten CD-Release Partys gefeiert haben – Danke Norbert!!). Und ich glaube, nach guten 90 Minuten Wanne-Eickel Punkrock waren nicht nur wir fertig und glücklich, sondern auch alle Anwesenden.
Christian: In der Tat ein denkwürdiger Abend in einem vollen Laden. Ein ziemlich ziemlich wilder Abriss war das!
 
Mit „Kleine Lichter-Großer Sport“ ist euer neues Album erschienen. Wieso mussten die Hörer vier Jahre warten?
Christian: Unser ehemaliger Bassist Bernd hatte direkt nach der „Turbobuben“ CD um eine Art Babypause gebeten – er hatte den Kopf nicht mehr frei und wollte sich mehr um Kind , Familie und sein Plattenlabel Mad Drunken Monkey Records kümmern. In der Pause haben wir restlichen drei dann eine HC Cover Band gegründet (Settle Old Scores), einen vierten Mitstreiter (Marco) gesucht und untereinander die Instrumente getauscht – ganz pragmatisch : „Wer kann was am besten?“ und los gings. Nach knapp nem Jahr hat Bernd uns dann gesagt, dass er nicht wiederkommen wird, also haben wir mit der „Settle Old Scores“ Zusammensetzung die Brigade S. wieder ins Leben geholt – der Gesang ist ja geblieben, der Drummer ist neu, der Ex-Gitarrist spielt jetzt Bass und der Ex Drummer spielt jetzt Gitarre, musikalisch haben wir ein paar schnellere Elemente aus der Coverbandzeit mit übernommen und haben dann ca. eineinhalb Jahre an den Songs fürs neue Album gebastelt, dann noch ein Jahr Planungen, Aufnahmen usw. und schwupps, waren vier Jahre herum. Zwischendurch gabs dann immer wieder ein paar Konzerte, aber jetzt geht’s eigentlich erst wieder richtig los.
 
Wie liefen die Arbeiten im Studio?
Patrick: Es lief alles ganz gut. Was soll man sonst sagen? Man hört ja das Ergebnis! Wir sind total zufrieden mit der Arbeitsweise von „Herrn Burn“. Alles hat gut zusammen gepaßt und wir konnten alles nach unseren detailierten, komplizierten, höhsten Vorstellungen umsetzen. Das heißt wir haben „Burn“ einfach machen lassen. (lacht) Nein im Ernst: Wir haben schon klar gemacht, wo die Reise etwa hingeht… also alles Analog aufzunehmen, möglichst „Live“ zu klingen, kein „digitales Geschiebe“ und reindroppen usw., es sollte keine „Hochglanz Produktion“ sein, also schon rau bleiben, Aber dennoch muß es voll knallen. Wir sind jedenfalls sehr zufrieden und dankbar, daß „Burn“ sich richtig reingehangen hat. Ein echter Glücksgriff eben. Die ersten beiden Alben haben wir bei Reinert Baierle auf genommen und da sollte es Soundmäßig auch bischen wieder hin. Und genau diese Erwartung hat Burn sogar übertroffen.
Malte: Wie geschmiert. Mit Burn vom Heizraum Studio Essen hatten wir den richtigen Bekloppten an der Hand. Burn hat solange rumgetüftelt und in seiner Asservatenkammer gesucht, bis alles so klang wie wir uns das gemeinsam vorgestellt haben.
Christian: Nach den Aufnahmen kam dann noch Ralf vom MasterblasterAudio Studioaus Frankfurt  mit dazu, ebenfalls ein Verrückter, der seine Arbeit lebt und liebt. Erhat auch noch mal richtig Vollgas gegeben und dem Werk einen fantastischen Schliff verpasst.
 
Gebt uns einen kleinen Einblick in die Songs!
„Postparkrebellen“: ein Song über den Säufer – und Junkietreffpunkt im heimischen Postpark  der, wie das widerspenstige Dorf in Gallien ,  jeder Stadterneuerungsmaßnahme getrotzt hat, mit Willi Wucher als Gastsänger.
„Morgens um 5“: der meiner Meinung nach ganz gut gelungene Versuch, die Stimmung und den Pöbel in Worte zu fassen, der sich in den Innenstädten Sonntag morgens um 5 auf den Strassen versammelt, wenn ein Großteil der Kneipen und Diskothen die Türen schließt – eine ganz besondere Form von einem „United“ Gefühl unter wirklich ganz verschieden Leuten diverser Szenen. Die schrägsten Stories sind uns in dem Umfeld passiert.
„Nein, Nein, Nein“: eine Abgrenzung von den Leuten, die trotz lauter Musik, Tattoos und Piercings nie zu uns gehören werden – viele äußerliche Gemeinsamkeiten bedeuten noch lange nicht, dass man auf einer Wellenlänge liegt
„Ich such ne Nutte“: Die Vertonung der  absurden Vorstellung, sich jemanden zu suchen, der alles Unangenehme von einem fernhält, mit Zwakkelmann als Gastsänger und einer derben Wortwahl – insgesamt ein mehr oder weniges schräges Gedankenspiel
 
Wer kam denn auf die Idee, einen Luftballon mit dem Slogan „Hackfleisch, Bier und Titten“ zu bedrucken? (Liegt der Digipack-CD bei)
Patrick: Also ich schonmal nicht. Der Übeltäter wird nicht verraten, oder Christian?
Malte: Christian. Aber wie und warum, das weiß nur Gott und seine Omma. Zu „Hackfleisch, Bier und Titten“ – das sind drei Attribute, bei denen die meisten selbsternannten politsch Korrekten und Sittenerhalter die Schotten dicht machen. Wir fordern damit zu mehr Toleranz auf und dazu, auch mal die unbequemen und dennoch notwendigen Dinge im Leben anzusprechen, die aufgrund von überzogener Etikette vielleicht mal unausgesprochen bleiben. Wir fordern mit dem Spruch jedoch nicht zum Hackfleichkonsum auf!
 
Die Vinyl-Verrückten können sich auch eine Platte vom aktuellen Album zulegen. Seid ihr selbst auch Schallplatten-Sammler?
Patrick: Also, Sammler nicht direkt, aber wenn´s eine schöne LP einer guten Band gibt, kauf ich gelegentlich schon LP´s. Hab letztens was von Mr.Irish Bastard aufm Teller gehabt.
Christian: Ich würde mich selbst als Plattensammler bezeichnen – gibt es was auf LP und CD, dann kaufe ich die LP Version. Ich finde auch die Variante LP mit Downloadcode fantastisch, aber irgendwie hat sich das nicht so richtig durchgesetzt. Ich habe auch irgendwie den Eindruck, dass bei jeder meiner LPs irgendeine Stimmung oder Erinnerung anhaftet – bei CDs ist das nicht so ausgeprägt.
 
Was sind eure weiteren Pläne? Wird es vielleicht eine Tour geben?
Patrick: Klar eine Tour, wäre super, aber aber aber, nur wenn Samstage sind.
Malte: Im Grunde sind wir ja seit 14 Jahren auf einer langen Ruhrpott Tour – angefangen mit dem Kirmesumzug nach Crange im Jahre 1999 – und werden auch in der nächsten Zeit wieder die Städte nah und fern rund um Wanne-Eickel beehren.
Christian: Wir haben ein, zwei neue Songideen, ein paar coole Konzerte 2015 und sind gerade in den Anfangsplanungen, so was wie ein Musikvideo zu  drehen, genug, um keine Langeweile aufkommen zu lassen.
 
Vielen Dank, die letzten Worte gehören euch!
Malte: Danke und viel Spaß mit dem Album. Vielleicht sehen wir uns ja mal auf einem Brigade S. Konzert.
Christian: Auch noch mal Danke fürs Interview – und riskiert mal einen Blick auf unsere neue Platte- Back tot he roots, wag ich mal zu behaupten. Im neuen Plasticbomb wird auch ein Song auf der beiliegenden CD davon zu hören sein – zum Antesten optimal!
 
Interview von Florian Puschke im November 2013
 
Dieser Artikel wurde am: 22. November 2013 veröffentlicht.

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