Bonsai Kitten: Die Killbilly-Band im großen Interview
Ende März 2014 ist das neue Album „Occupy Yourself!“ der Killbilly-Band Bonsai Kitten erschienen. Das Tough Magazine traf die Band und konnte einige Fragen zu den Songs, zu ihrer Inspiration und den weiteren Plänen stellen!

Hallo, bitte stellt euch unseren Lesern kurz vor!
Tiger Lilly Marleen: Wir sind Bonsai Kitten, eine Killbilly Band aus Berlin. Mit Highko Strom an der Gitarre, Alexx Delarge am Schlagzeug und Krczycz am Kontrabass und haben unser drittes Album „Occupy Yourself!“ heraus gebracht. Unsere erste EP erschien nur in Japan bei einem japanischen Label und unsere letzen beiden Alben erschienen in Deutschland bei Wolverine Records. Wir lieben es verschiedene musikalische Stile, wie Punkrock, Psychobilly und Rockabilly in unserer Musik zu vereinen.

Am 28. März ist das dritte Album erschienen. Erzählt uns doch ein bisschen zu den Aufnahmen.
Tiger Lilly Marleen: Anfang 2012 gab es bei uns einen Line-Up Wechsel und wir haben Highko Storm als neuen Gitarristen in der Bonsai Kitten Familie aufgenommen. Dann waren wir mit unserem letzten Album „Welcome To My World“ erstmal eine Weile auf Tour. Während dessen haben wir aber alle schon neue Ideen zu weitern Songs gehabt und gesammelt. Die konnten wir dann entspannt 2013 ausarbeiten und aufnehmen. Wir sind vier unterschiedliche Individuen in der Band, die alle verschiedene Einflüsse und musikalische Vorlieben haben, was sich dann auch auf unser Songwriting auswirkt. Die Songs vereinen diese verschiedenen Einflüsse und müssen uns allen absolut gefallen, bevor sie veröffentlicht werden.

Krczycz: Die Aufnahmen zu „Occupy Yourself“ haben wir dann, wie für die letzten beiden Alben auch, mit Dirk Burke im Lakeside Studio Berlin gemacht. Dirk ist ein langjähriger Freund von uns, ein begnadeter Ton-Ingenieur, und diesmal ist er auch noch mehr als Produzent in Erscheinung getreten. Es ist ein sehr entspanntes Arbeiten mit ihm. Wir konnten ihm all unsere wirren Ideen um die Ohren knallen, und er ist trotzdem cool geblieben.

Wie würdest Ihr den Sound auf „Occupy Yourself“ beschreiben? Ich finde dass ihr im Vergleich zu den beiden Vorgänger Alben melodiöser geworden seid?
Tiger Lilly Marleen: Ich finde nicht, dass die Vorgänger Alben weniger Melodien hatten, nur waren sie vielleicht ein bisschen „rougher“.

Krczycz: Wie beschreibt man denn einen Sound?? Fett? Geil? Krachend? Natürlich entwickelt sich eine Band weiter. Das kommt unter anderem auch durch personelle Veränderungen zustande. Seit Highko in der Band ist, klingen natürlich die Gitarren-Riffs ganz anders. Und da ein Song meistens aus so einem Riff entsteht, ist auch deutlich Highkos Stil rauszuhören. Und wo wir gerade beim Sound sind – als Highko das erste Mal in den Proberaum gekommen ist, seine Gitarre angeschlossen hat und einen Akkord gespielt hat, da ist uns so ein fettes Brett um die Ohren geflogen, dass wir alle wussten: DER ist es!

Bonsai Kitten – Heartcore

Wer hatte die Idee zum Intro „Shanty“ und Opener „The Ocean“? Was für ein cooler Song, ich muss sagen, ihr hattet mich schon nach diesem Song auf eurer Seite…
Tiger Lilly Marleen: Cool, danke. Das freut uns! „The Ocean“ war tatsächlich auch einer der ersten Songs, die wir für die neue Platte fertig hatten. Er handelt metaphorisch davon, dass man einfach „aussteigt“ und bei dem ganzen Mist, der auf der Erde passiert, nicht mehr mitmacht und sich aufs Meer zurückzieht. Das steht  auch sehr gut als gesamtes Thema für „Occupy Yourself!“, weil die Songs alle davon handeln, dass man sich selbst von allen Zwängen befreien und seinen eigenen Kopf benutzen soll. Auch grundsätzlich erstmal alles in Frage zustellen und nicht alles zu glauben, was einem die Medien erzählen! Dann klappt es auch mit einer Revolution! Das Intro „Shanty“ ist eigentlich ein Prolog zum Song „The Ocean“.

Highko Strom: Ja, Eroc hat sogar seine alte Quetschkommode vom Dachboden geholt, mit der er in den Siebzigern seinen Hit „Wolkenreise“ in der Küche einspielte. Ich rief ihn an und fragte, ob er Lust hätte, da mal was zu spielen und er war Feuer und Flamme. Der Song stand als Gitarre/Gesangsversion schon fest und er brauchte nur noch darüber spielen, was er grandios gemacht hat, finde ich. Auch die Hintergrundgeräusche hat er selber in Holland am Strand aufgenommen, er meinte dazu,  dass man dabei das Wasser im Gesicht spüren muss. Recht hat er…

Was inspiriert euch beim Songwriting?
Tiger Lilly Marleen: Mich inspiriert alles, was um mich herum und auf der Welt passiert. Es gibt so viele Themen über die ich etwas schreiben will oder zu denen ich etwas zu sagen habe. Ich denke mir keine Geschichten aus, oder singe über Horror-Movies. Ich habe die Band nicht mit der Absicht gegründet, hübsche Musik zu machen, sondern um eine Möglichkeit zu finden, mich kreativ auszudrücken. Weil ich es muss. Weil ich einen Weg brauche, das, was mich beschäftigt, raus zu lassen und zu verarbeiten.

Highko Strom: Ich lasse mich gerne von Ereignissen inspirieren. Manchmal sehe ich Geschichten, die im Alltag passieren und gehe mit einem bestimmten Gefühl nach Hause, dann schnappe ich mir oft eine Gitarre und versuche dieses Feeling fest zu halten, in Form einer Tonfolge, oder eines Riffs. Ich gebe diesen Ideen dann oft auch dementsprechende Arbeitstitel, wie z.B. : „The old lady never walks alone“ oder „The bakery is closed, but i got my bread.“

Geht ihr als Band mit einem fertigen Konzept ins Studio und nehmt die Songs nur noch auf, oder fängt für euch das eigentliche Songwriting erst im Studio an?
Krczycz: Wenn wir ins Studio gehen, sind die Songs eigentlich fertig. Bei den Vorproduktionen wird noch rumgefeilt, vieles fällt einem ja erst beim Hören auf oder ein. Die Hauptarbeit passiert im Proberaum. Im Studio wurden dann nur noch kleine Sachen geändert oder ergänzt. Man hat ja auch nicht ewig Zeit.

Highko Strom: Es gibt schon einige Gitarrenthemen, die mir erst im Studio spontan einfallen. Bei „Dancing With The Dragon“ war kein Solo vorgesehen und Dirk meinte dann „Na dann spiel doch mal“ – und ich habe einfach drauf los gespielt, bis alle ein glückliches Grinsen im Gesicht hatten. Diesen Spielraum sollte man sich auch erhalten.

Bonsai Kitten – Me, Myself & Why

Habt ihr einen Lieblingssong auf dem Album?
Krzcycz: Wenn Du eine Familie mit ein paar Kindern hast, hast Du dann ein Lieblingskind…?

Highko Strom: Ich finde jeder Song hat seinen eigenen Charme. Die Platte startet mit dem Shanty und dann geht eine Reise los, die irgendwie mal hier und mal da Halt macht, das macht die Reise spannend. Mir gefällt das Minimalistische auf der neuen Scheibe und die Power, die jeder reingelegt hat. Außerdem bin ich immer voll überrascht, wie sich die Atmosphäre verändert, wenn wir „I Can Give You Love“ live spielen. Da merkt man ein echtes Knistern, da kriege ich wirklich eine Gänsehaut.

Wie würdet ihr euren Sound beschreiben? Ist das noch Psychobilly? Man sagt der Psychoszene ja nach, dass kaum neue innovative Bands nachkommen, da die jungen Bands nur versuchen wie die alten zu klingen. Wie ist das bei euch? Orientiert ihr euch an irgendwem oder macht ihr euer ganz eigenes Ding?
Tiger Lilly Marleen: Bonsai Kitten sind keine reine Psychobilly-, Rockabilly- oder Punkband. Wir spielen unsere Songs mit Kontrabass, weshalb wir gerne in die Psychobilly Ecke gesteckt werden, aber wir haben schon immer unser eigenes Ding gemacht. Wir versuchen nicht, wie irgendeine andere Band zu klingen.

Krczycz: Wenn Du unbedingt irgend eine Schublade willst, nimm Killbilly. Und was Du über die Psychoszene sagst, stimmt genau. Da sind seit 20 Jahren die selben Headliner bei den Festivals. Und nur wenn man genauso klingt wie die, wird man als „neue“ Band richtig akzeptiert. Ich kenne (da gehe ich jetzt von meinem persönlichen Empfinden aus, ich will niemandem auf die Füße treten!) nur wenige richtig gute Psychobilly Bands. Die wiederum haben mich persönlich zum Kontrabass gebracht. Klar hab ich auch Licks meiner favorisierten Bassisten geübt. Einfach, um sie spielen zu können. Hat aber nichts mit Vorbild zu tun. Und wir als Band spielen sowieso das, was aus uns kommt. Jeder bringt das ein, was er gut findet. Das kommt aus vielen verschiedenen Richtungen, aber genau das macht’s eben aus.

Highko Strom: Ich merke es jedes Mal, wenn ich bei den Psychobilly-Festivals die Flying V auspacke. Da gucken erstmal alle schräg, weil jeder in der Regel eine Gretsch-Gitarre spielt. Ich finde eine Gretsch auch geil, aber alle haben einen ziemlich ähnlichen Gitarrensound, das versuche ich bewusst zu durchbrechen. Was eh die Wenigsten wissen ist, dass die Flying V bereits in den 50ern erfunden wurde, genauso wie der Rock`nRoll. Und darauf basiert alles was wir machen und was die anderen Bands machen. Irgendwie geht es doch nur um das Eine, wir wollen alle die Leute mit unserer Musik begeistern und zum Tanzen bringen. Warum nicht mal szeneübergreifend? Punks gehen doch auch gerne mal mit Psychos in die Kneipe, einen heben und haben riesen Spaß dabei.

Was ist euch an Musik, egal ob an eurer eigenen oder an der, die ihr hört, wichtig?
Highko: Musik ist mein Leben und mein Leben ist mir wichtig.

Krczycz: Bei Musik ist wichtig, dass sie mich trifft. Egal wo, ob im Kopf, im Herzen, im Bauch, in den Beinen… Hauptsache, sie berührt mich!

Tiger Lilly Marleen:  Ja, da gebe ich Krczycz Recht. Musik muss authentisch sein, in dem was sie vermitteln soll.

bonsai-kitten-album-interview

 

Wo spielt ihr lieber? Kleine Shows oder auf den größeren Festivals?
Tiger Lilly Marleen:  Ich habe wirklich gerne etwas Platz auf der Bühne, weil ich mich viel bewegen will. Wenn der Club eine kleine Bühne hat, engt mich das immer etwas ein. Andererseits ist es schön, in keinen Clubs „mit dem Publikum zusammen“ die Show zu machen.

Krczycz: Das hat beides seinen speziellen Reiz. Große Festivals sind toll, weil wir da viele Leute erreichen, die uns noch nicht kennen. Und wenn wir dann merken, dass wir die auf unsere Seite kriegen, ist das ein Hammer. Außerdem kann man sich auf großen Bühnen besser bewegen. Auch wenn ich Kontrabass spiele, ich lauf gerne rum. Und da brauch ich nicht aufzupassen, daß ich mit dem Bass nicht an irgendwelche Wände, Decken oder Säulen knalle. Kleine Clubs wiederum haben sowas persönliches. Da sind die Leute nur wegen uns gekommen, und das merkt man. Viele singen die Songs mit, oder wenigstens die Refrains. Die kriegen schonmal ein paar Tropfen Schweiß von uns ab, oder wir von ihnen. Es gibt viele Blickkontakte, und wir spüren ganz nah die Begeisterung der Leute. Das kribbelt im Bauch…

Highko Strom: Am liebsten würden wir überall auf der Welt spielen!

Wo wollt ihr mit Bonsai Kitten noch hin? Mit wem wollt ihr noch unbedingt zusammen spielen?
Tiger Lilly Marleen:  Wir wollen spielen. Das macht uns am meisten Spaß und das wollen wir noch möglichst viel tun. Gerne auf vielen Festivals und mit möglichst vielen Bands zusammen.

Wie sieht euer Leben aus wenn ihr gerade nicht mit der Band auf Tour seit, probt oder im Studio seid?
Krczycz: „Gibt es noch was Anderes…?

Tiger Lilly Marleen:  Mein Leben dreht sich eigentlich nur um die Musik und die Band. Entweder plane ich unsere nächsten Schritte, generiere Geld für die Band oder schreibe Songs und Texte. Wir sammeln auch schon Ideen für die nächste Platte.

Highko Strom: Ich spiele jeden Tag Gitarre und es wird mir nie langweilig. Ich habe zu Hause so kleine Büchsen, da stöpsele ich die Gitarre ein und spiele. Manchmal lasse ich dabei Ideen fliegen, oder ich versuche, meine Parts, für die Konzerte zu verfeinern. Oder ich klimpere vor mich hin, während ich telefoniere, oder so…

Das letzte Wort gehört wie immer den Künstlern/ der Künstlerin…
Highko Strom: Occupy Yourself!!!

Krczycz: Kommt zu unseren Konzerten, kauft unsere Platten, egal ob CD oder Vinyl, und wenn’s Euch gefällt, sagt’s weiter…!

Interview von Florian Stoffelen im März 2014

Foto: Petrov Ahner

Bonsai Kitten Live:
16.08.2014 – Bike’n Roll Festival – Hohenfelde
05.09.2014 – Club ZwölfZehn – Stuttgart
06.09.2014 – ExHouse Outdoor Fest – Trier
26.09.2014 – Club Charlotte – Potsdam
27.09.2014 – Angler II – Schwerin
31.10.2014 – Theater Bad – Hannover
01.11.2014 – Tattoo Convention – Eindhoven (NL)
02.11.2014 – Tattoo Convention – Eindhoven (NL)

Dieser Artikel wurde am: 18. Juni 2014 veröffentlicht.

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