Es muss so um die 2000er gewesen sein, regelmäßige Feiern bei Kumpeln im Keller und ständige Begleiter waren selbst zusammengestellte Punkrock-Sampler, wo ich zum ersten Mal den Song „Unbekanntes Pferd“, einer für mich damals neuen Band namens Rantanplan, gehört habe. Eine gewisse Zeit habe ich ihr Schaffen noch verfolgt, sie dann aber mehr oder weniger aus den Augen oder besser gesagt Ohren verloren.
Als vor wenigen Tagen mit „Geschwedet“ der neuste Output der Hamburger Ska-Punker auf meinem Plattenteller landete, war das alte Gefühl von damals direkt wieder da. Ska-Hymnen im typischen Offbeat-Rhythmus, mit ordentlich Bläser-Einsatz in Form von Posaune und Trompete.
Aber schon die ersten Takte des Opener haben mich irgendwie stutzig gemacht, den Song kennst du doch irgendwie, wo hast du den schonmal gehört? Ein kurzer Blick auf die Trackliste und da hat es Klick gemacht. „All You Fascists bound to lose“ von Woody Guthrie, eine alte Country-Folk Nummer aus den 40er Jahren, in einer typischen Rantanplan Neuinterpretation, schrammelnde Gitarren, dröhnende Trompeten und auch die Stellschraube Tempo wurde ordentlich angezogen. So haben wir eine flotte, tanzbare Nummer, die jedoch nichts vom ursprünglichen Country-Flair eingebüßt hat.
Weiter geht’s mit „Wildberry Lillet“, und beim Einsetzen der Lyrics wurde klar, eine weitere Coverversion. Über das Original von Nina Chuba möchte ich mich jetzt hier nicht äußern, wie sagt man so schön, alles Geschmacksache, auf jeden Fall sagt mir die Rantanplan Version deutlich mehr zu, eine flotte Punk-Nummer, die beweist Rantanplan haben keine Scheu sich absolut Genre-fremden Songs anzunehmen und diesen ihren eigenen Stempel aufzudrücken.
Spätestens jetzt sollte auch klar sein, bei „Geschwedet“ handelt es sich um ein reines Cover-Album der Jungs, 15 Tracks finden sich darauf, mit Songs unterschiedlicher Genres und Jahrzehnten von Musikepochen.
Sei es Udo Lindenbergs „Durch die schwere Zeiten“, Joachim Witt mit „Goldene Reiter“ oder „Schwere See“ von Element of Crime, jeder Song präsentiert sich mal im schnellen oder auch mal im lässigen, ruhigen Ska-Gewand, gespickt mit einprägsamen Melodien im bekannten Rantanplan-Stil.
Auch die rein akustische Interpretation von James Last „Biscaya“ mit ihrer von den Bläsern getragenen Melodie weiß zu gefallen, im Unterschied zu den vorherigen Tracks wurde das Tempo hier etwas reduziert, eine Einladung zum Entspannen und Relaxen.
Lediglich das von Daft Punk gecoverte „Robot Rock“ trifft so gar nicht mein Geschmack, über 3 Minuten das mehr oder weniger gleiche Riff in Dauerschleife…hat für mich schon im Original genervt und nervt jetzt immer noch.
Fazit:
Lückenfüller aufgrund mangelnder Alternativen oder kreative Neuerfindung, diese Frage ist bei reinen Coveralben oftmals legitim. Rantanplan zeigen mit diesem Projekt, hier liegt deutlich mehr vor als ein unmotiviertes, hingerotztes Album fürs schnelle Geld. Macht man sich allein die Tatsache bewusst, welche Spannweite unterschiedlicher Genres sich hier angenommen wurde und wie die Jungs es schaffen, diese mit ihrem eigenen Stil zu mixen, kann ich nur meinen Respekt zeigen. Natürlich wird mancher Nörgler sagen, ein „echtes“ neues Album wäre mir lieber gewesen, aber auch dieses kommt bestimmt und so lange kann man sich mit dieser wirklich gelungenen Hommage die Zeit vertreiben.
Tracklist
1. WOODY GUTHRIE – All You Fascists Bound to Lose
2. NINA CHUBA – Wildberry Lillet
3. FUNNY VAN DANNEN – Alles Verkauft
4. UDO LINDENBERG – Durch Die Schweren Zeiten
5. ELEMENT OF CRIME – Schwere See
6. JAN DELAY – St. Pauli
7. BOB MARLEY – Turn Your Lights Down Low
8. JAMES LAST – Biscaya
9. JOHN HOLT – Police In Helicopter
10. JOACHIM WITT – Goldener Reiter
11. DIE HOECHSTE EISENBAHN – Raus Aufs Land
12. MGMT – Kids
13. DAFT PUNK – Robot Rock
14. FALCO – Vienna Calling
15. URLAUB IN ITALIEN – Erobique
Review von Florian Goergen.
0 Kommentare