Als Nachfolger des 2019er Albums Valley of Death knüpft das am 09.01.2026 erschienene Valley of Death II genau dort an, wo Lionheart zuletzt aufgehört haben – mit knallharten Grooves, drückenden Riffs und einer Stimmung, die eher auf Eskalation als auf Ruhe setzt. Die Band aus Oakland will sich auch im Jahr 2026 nicht neu erfinden, sondern einfach abliefern – und das gelingt ihr über weite Strecken mit beeindruckender Wucht.
Mit dem Opener Bulletproofsetzen Lionheart ein klares Statement: Dieses Album ist nicht dafür da, zu gefallen, sondern um standzuhalten und zurückzuschlagen. Ein klassischer Lionheart-Startschuss, der die Hörerschaft direkt in den Clinch schickt.
Mit dem Song Chewing Through the Leash folgt direkt einer der härtesten Songs auf der Platte. Das Bild des angeleinten, sich losreißenden Hundes passt perfekt zum musikalischen Aufbau: Die Spannung wird langsam aufgebaut, bis der Song in brutale Breakdowns explodiert. Die Gastvocals von Kublai Khan TX geben dem Track zusätzliche Wucht und machen ihn zu einem der klaren Pit-Anthems des Albums.
BeiIce Cold dominiert wiederum ein besonders schleppender, bedrohlicher Groove. Der Track lebt weniger von Geschwindigkeit, sondern von Druck und Atmosphäre. Die Riffs wirken wie Betonplatten, die aufeinanderprallen, während die Vocals – passend zum Titel – eiskalt und unerbittlich klingen.
Der Titeltrack Valley of Death II verbindet die klassischen Lionheart-Hardcore-Riffs mit modernen Beatdown-Elementen. Inhaltlich wird das „Tal des Todes“ als Lebensrealität interpretiert – ein Ort aus Gewalt, Verrat und Überlebenskampf. Episch, ohne überladen zu wirken.
Weiter geht’s mit No Peace und dem sehr kurzen Roll Call, die musikalisch recht simpel aufgebaut sind, aber den Zuhörer mit eben dieser Einfachheit überzeugen können.
Bei Salt the Earth und Release the Dogs wird es wieder härter. Die Riffs wirken zerstörerisch, das schnelle Drumming und die aggressiven Shouts vermitteln ein durchgehendes Gefühl der Eskalation. Wie ein Moshpit zum Anhören – unkontrolliert, wild und kompromisslos.
Etwas abgekapselt reiht sich In Love with the Pain kurz vor dem Finale ein. Der Song thematisiert eine innere Abhängigkeit vom eigenen Leid und vom ständigen Kampf – als wäre der Schmerz längst zum Teil der eigenen Identität geworden. Dadurch bekommt das Album an dieser Stelle mehr Tiefe verliehen, ohne dabei seine Härte zu verlieren.
Als großes Finale dient der vorab veröffentlichte Song Death Grip. Unterstützung bekommen Lionheart dabei von A Day to Remember, was zu einer vielversprechenden Kombination aus modernen Hardcore-Elementen mit etwas zugänglicherem Songwriting führt, ohne die Aggression zu verlieren. Death Grip fühlt sich wie der letzte Schlag nach einer langen Prügelei an: erschöpft, aber siegreich.
Fazit: Valley of Death II ist kein Album, das Kompromisse kennt. Lionheart liefern hier eine Platte ab, die sich vollständig auf Druck, Aggression und rohe Energie konzentriert – und genau darin liegt ihre Stärke. Statt Trends hinterherzulaufen oder ihr Soundbild aufzuweichen, zementiert die Band ihren Status als feste Größe im modernen Hardcore-Kosmos.
Review von Felix Haberl
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