Es ist schon eine gewisse Zeit lang her, genauer gesagt fünf Jahre, da wurde ich durch die EP „Choir Boy“ auf die aus Fürth stammende, deutsche Band Brunhilde aufmerksam. Die 5 Songs umfassende EP mit einem Mix aus Punk, Hardrock und mitunter sogar Metal Einlagen, dazu der energiegeladene Gesang von Frontfrau Caro Loy, diese Gesamtpaket hatte mich direkt gepackt und mich in gewissen Maßen an die frühen Guano Apes erinnert.
Nun sind Brunhilde mit ihrem mittlerweile 5. Studioalbum am Start, „In Love Yours Hate“ erschien im Juli dieses Jahres auf Count & Countess, beinhaltet 12 Songs mit einer Gesamtspielzeit von 40 Minuten.
Handelte es sich beim Vorgänger „27“ noch um ein Konzeptalbum, wurde dieser Ansatz hier wieder verworfen, die Songs auf „In Love Yours Hate“ beackern typische gesellschaftliche und sozialkritische Themen.
So wird im gleichnamigen Opener mit einer oberflächlichen, auf Social-Media getrimmten Gesellschaft abgerechnet, hier ein Selfie, da eine Foto-Story, der Mensch mit seiner Persönlichkeit tritt in den Hintergrund. Musikalisch ist die Nummer eine satte, straighte Rocknummer, aufgelockert mit kurzen Breaks und eingängigem Gesang.
Kennt ihr das Gefühl oder die Tatsache, dass jeder heute alles kommentieren muss und zu allem seine ungefragte Meinung kundgeben muss? Genau dieser Umstand wird im nächsten Track „Are You Blind“ thematisiert. Der Sound ist gewohnt rockig und geht schön nach vorne, natürlich liegt auch hier der Fokus auf Caros Gesang.
„Halali“ überrascht zunächst mit einem Bläser-Intro, um dann wieder in den gewohnten Punk-Metal Mix zu driften. Hier wird eindeutig, zweideutig Jagd auf die beliebten Dating Plattformen gemacht.
„Running Away“ beschreibt einen Kampf mit sich selbst und dem Handeln der eigenen Persönlichkeit, Textpassagen wie „I broke my heart, I broke myself“ zeigen die eigene Zerbrechlichkeit und Unsicherheit, wie sie jeder wahrscheinlich schon einmal erlebt hat. Insbesondere bei dieser Nummer kann ich gesanglich starke Parallelen zur Guano Apes Sängerin Sandra Nasic erkennen…
Etwas gemäßigter im Tempo, dafür aber mit einem makellosen Gitarrensolo geht’s in „Wait“ zur Sache. Gefühlsmäßig ein sehr melancholischer Song, der so bisher auf dem Album noch nicht vertreten war.
Das abschließende „Who The Fuck“ brettert wieder, wie gewohnt, ordentlich nach vorne, eine knallharte Abrechnung an den Gegenüber, der sich nicht für etwas Besseres halten sollte.
Fazit:
Brunhilde haben sie kontinuierlich weiterentwickelt. Die Stimmung kommt etwas düsterer daher im Vergleich zu vorherigen Alben, was aber nichts Negatives bedeuten sollte. Wer auf abwechslungsreiche Songs mit kraftvoller, weiblicher Gesangsstimme steht, kann hier bedenkenlos zugreifen. Auch an Sound und Produktion gibt es nichts zu meckern, jeder Song donnert kraftvoll und mit dem notwendigen Druck aus den Boxen.
Falls euer Interesse geweckt ist, unter www.brunhilde.de könnt ihr euch mit Musikvideos selbst einen Eindruck verschaffen. Dort finden sich auch alle aktuellen Tour-Daten und Live-Termine.
Review von Florian Goergen.
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