Der Club Milla in München ist so ein Ort, an dem Konzerte manchmal einfach passieren – und manchmal einschlagen wie ein Presslufthammer. Gestern war Letzteres der Fall. CAVA aus Berlin haben auf ihrer „Powertrip“-Tour in München Halt gemacht und eindrucksvoll bewiesen, dass ihr Mix aus Electro-Indie-Noise momentan mit einer der spannendsten Live-Energien im deutschen Underground ist. Das Konzert war ein Nachholtermin für ein ausgefallenes Konzert im Februar des Jahres, welches krankheitsbedingt abgesagt werden musste. Die Freude war groß, dass es endlich funktioniert hat.
Bevor CAVA die Bühne betreten, macht Uschi aus München genau das, was eine Supportband tun muss: Sie reißen die Tür ein. Treibender Bass, rotzige Attitüde, die Art von Selbstbewusstsein, die sagt: „Wir spielen heute nicht nur Vorband, wir spielen unser eigenes Ding.“
Der Sound ist roh, unpoliert, aber herzlich ehrlich – und das Münchner Publikum beißt sofort an. Der Raum wird warm, die Menschen rücken dichter, und dieser typische Milla-Vibe entsteht: familiär, leicht verschwitzter Kellercharme mit Herz.
Dann wird es dunkel – und CAVA kommen auf die Bühne wie ein Kollektiv, das weiß, dass die nächsten 60 Minuten niemanden unberührt lassen.
Sie steigen ohne Umweg in das Set von „Powertrip“ ein und lassen die Tracks so brachial wie präzise auf die Crowd los.
CAVA live bedeutet:
- Beats, die über die Brustplatte rollen
- Vocals, die zugleich fordern und umarmen
- Gitarren, die eher schneiden als begleiten
- Dazu ein ständiger Wechsel zwischen Ekstase und völliger Hingabe
Die Band baut ihre Songs so auf, dass man manchmal vergisst, dass das hier ein Kellerclub in München ist – und nicht irgendein 3-Uhr-Festivalzelt irgendwo zwischen Berlin, Kopenhagen und Reykjavik.
Gerade die neuen Songs zeigen, warum CAVA gerade überall auftauchen: Sie vereinen Härte, Melodie und dieses urbane Pulsieren, das man sonst eher aus Londoner Warehouse-Shows kennt.
Besonders stark:
- Die „Powertrip“-Singles, die live deutlich wuchtiger wirken als auf Platte
- Die ruhigen Zwischenräume, in denen die Band die Spannung bewusst stehen lässt
- Und überhaupt diese unglaubliche Bühnenchemie – niemand läuft hier nur mit, jeder ist Teil des Gesamtkunstwerks
Der Milla-Keller tanzt, schiebt, schwitzt – und manchmal hat man das Gefühl, dass die Wände selbst kurz mitschwingen.
Was am Ende bleibt, ist dieses Gefühl, gerade eine Band gesehen zu haben, die nicht lange ein Geheimtipp bleiben wird. CAVA spielen nicht einfach Musik – sie bauen Atmosphären. Und München hat gestern Abend eine davon verschluckt und jubelnd zurückgeschrien.
Uschi haben das Ding stark eröffnet.
CAVA haben es komplett abgerissen.
Und der Milla-Keller? Der hat geliefert, wie man es von ihm kennt.
Powertrip live – genau so muss das klingen.
Fotos und Nachbericht von Cris Kilper
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