The Kooks live in München (19.02.26, Zenith)

Manchmal fühlt sich ein Konzertabend an wie ein gut geschüttelter Cocktail: erst ein bitter-süßer Auftakt, dann ein langer, warmer Nachhall. Genauso ein Abend war dieser 19. Februar 2026 im Zenith München – eingebettet in die Tour zum aktuellen Album Never/Know von The Kooks.

Punkt 20:00 Uhr betraten Girl In The Year Above die Bühne und legten los, als hätten sie etwas zu beweisen – und vielleicht hatten sie das auch. Eine halbe Stunde lang war da kein vorsichtiges Abtasten, kein schüchternes Herantasten ans Publikum, sondern direkter Zugriff: kantiger Indie-Pop mit Haltung, Druck und diesem unterschwelligen Drang, mehr zu sein als nur der Name auf dem Ticket unter dem Headliner. Der Sound war roh genug, um nicht glattgebügelt zu wirken, aber eingängig genug, um hängen zu bleiben. Ein Support, der nicht stört, sondern aufschließt – Türen, Ohren und Erwartungen.

Um 21:00 Uhr dann der Moment, auf den alle gewartet hatten. The Kooks betreten die Bühne, und mit dem ersten Akkord liegt dieses vertraute Gefühl im Raum, als würde man ein altes Fotoalbum aufschlagen, dessen Seiten nach Sommer, ersten Nächten und zu lauten Autoradios riechen. Gleichzeitig war schnell klar: Das hier ist keine reine Nostalgie-Nummer. Songs aus Never/Know fügten sich organisch ins Set, wirkten live direkter, wärmer, teilweise sogar dringlicher als auf Platte – ohne den klassischen Kooks-Charme zu verlieren.

Das Zenith war von der ersten Minute an wach, mitsingbereit, fast dankbar. Hits und neues Material flossen ineinander, nichts wirkte erzwungen oder wie ein Pflichttermin im Tourplan. Stattdessen diese lässige Selbstverständlichkeit einer Band, die genau weiß, wer sie ist – und warum sie nach all den Jahren immer noch vor vollen Hallen steht.

Die Crowd bewegte sich wie ein gemeinsamer Organismus: mal hüpfend, mal träumend, mal mit geschlossenen Augen und offenem Herzen. Die Zeit verging dabei so leise wie ein Refrain, den man schon unzählige Male gehört hat und trotzdem jedes Mal wieder mitsingt.

Besonders in Erinnerung bleibt „See Me Now“, bei dem Sänger Luke Pritchard allein am Klavier spielte. Im abgedunkelten Raum lag der Fokus ganz auf ihm. Der Song, ein Brief an seinen verstorbenen Vater, war der emotionalste Moment des Abends.

Um 22:20 Uhr war Schluss. Kein abruptes Ende, eher ein langsames Ausklingen, wie das letzte Licht nach einem langen Abend. Zurück blieb dieses wohlige Gefühl, etwas Bekanntes neu erlebt zu haben – getragen von einem Album, das live erst richtig atmet. Ein Konzert, das nicht schreien musste, um gehört zu werden. Und manchmal ist genau das die größte Kunst.

Folgende Titel standen auf der Setlist:

  1. Sofa Song
  2. Always Where I Need To Be
  3. Eddie’s Gun
  4. Stormy Weather
  5. She Moves In Her Own Way
  6. Bad Habit
  7. Westside
  8. Sweet Emotion
  9. Sunny Baby
  10. Junk Of The Heart (Happy)
  11. See Me Now
  12. Seaside
  13. Sway
  14. Shine On
  15. Down
  16. See The World
  17. Do You Wanna
  18. You Don’t Love Me

Zugabe

  1. Ooh La
  2. Naïve

Nachbericht und Fotos von Cris Kilper

Dieser Artikel wurde am: 23. Februar 2026 veröffentlicht.

FOTOS von The Kooks und Girl In The Year Above

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