Die Festhalle Frankfurt verwandelte sich an diesem Abend in eine Arena aus Geschichte, Pathos und Pyrotechnik. Sabaton machten Halt auf ihrer „The Legendary Tour“ und was diese Show versprach, hielt sie auch: Sie war episch, überwältigend und auf einem Niveau inszeniert, das man selbst im Metal selten erlebt.
Doch bevor die Schweden selbst die Bühne betraten, eröffnete das Legendary Orchestra den Abend. Begleitet von Mia Asano an der Geige, Patty Gurdy an Drehleier und Nyckelharpa sowie der eindrucksvollen Dirigentin und Sängerin Noa Gruman, wurden Sabaton-Songs in orchestraler Form neu interpretiert. Jeder einzelne der Stücke wurde vom Publikum gefeiert, aber als ein kleiner einsekündiger Teaser von Swedish Pagans angespielt wurde, verdampfte die Zurückhaltung: Die Festhalle explodierte vor Begeisterung.
Ein außergewöhnlicher Abend – auch für die Presse
Schon vor Showbeginn zeigte sich, wie professionell diese Tour organisiert war. Der PR-Manager Nick Azinas nahm sich Zeit, uns Fotograf*innen ausführlich einzuführen. Jede Pyro, jeder Funkenregen, jeder Spezialeffekt wurde erklärt, sogar in der Setlist mit farbigen Markierungen gekennzeichnet. Diese Transparenz und Rücksichtnahme war außergewöhnlich und sorgte dafür, dass wir alle die bestmöglichen Bilder einfangen konnten. Es war einer dieser seltenen Abende, an denen die Pressearbeit nicht nur reibungslos, sondern nahezu herzlich wirkte.
Die Show beginnt – das theatralische Intro
Statt eines klassischen Supports eröffnete ein 20-minütiges Schauspiel das Spektakel: Napoleon Bonaparte (gespielt von Raphael Lecat) erschien auf der B-Stage mitten in der Arena, kurz darauf Genghis Khan (gespielt von Anrew Futaishi) und Gaius Julius Cäsar (gespielt von Kent Goldfinch). Letzterer wurde – dramatisch und blutig – von Khan hintergangen. Schließlich betrat der Alte Templer Jacques de Molay (gespielt von Matthew Deering) die Szene, gefolgt von Fackelträgern und mehreren Rittern.
Der Hauptteil – Sabaton arbeiten sich durch ihre epische Setlist
Song 1 – „Templars“
Schon der erste Song der Setlist verkörperte das Tour-Motto perfekt. Die Templer gehören zu den ikonischsten, mystischsten und bis heute legendenumrankten Orden des Mittelalters und Sabaton machte bereits beim Bühnenbild klar, dass dieser Abend ganz ihnen gehören würde.
Denn im Gegensatz zu früheren Touren gab es diesmal keinen Panzer, keinen Stacheldraht, keine Schützengräben. Stattdessen erhob sich eine massive Burganlage als Mainstage: mit Wehrtürmen, Zinnen, einem Burgfried – und einem Schlagzeug, das wie ein Teil der Festung in den Stein eingelassen wirkte.
Auf der B-Stage erschien zuerst der alte Templer, gefolgt von Fackelträgern und schließlich einer Gruppe schwer gepanzerter Ritter. Als diese ihre Helme abnahmen, wurde klar: Es war die Band selbst, komplett als Templer kostümiert. Ihre Instrumente wurden von Knappen herangetragen, und Templars begann. Zeitgleich senkte sich ein Steg von der Hallendecke, der B-Stage und Mainstage verband, der perfekte Übergang von dem Intro ins Hauptset und ein Beginn für diese epische Reise.
Song 2 – „The Last Stand“
Als zweiter Song des Sets blieben wir im Mittelalter, gesteigert zu Templars war nur der einsatz von Pyrotechnik!
Song 3 – „Hordes of Khan“
Wir Fotograf*innen des Teams A durften diesen Song und die beiden folgenden aus dem ersten Graben fotografieren. Doch gerade als wir uns an die Mainstage ausrichteten, erschien plötzlich hinter uns auf der B-Stage Genghis Khan und eröffnete den Song überraschend von dort aus. Der Schock, die Dynamik im Saal, die schlagartige Drehung hunderter Köpfe, dieser Moment war pure Live-Magie. Hordes of Khan wirkte dadurch noch kraftvoller, fast schon wie ein erweiterter Teil des Intros. Durch das Briefing vorher wussten wir, dass dieser Song der feurigste im ganzen Set sein wird, und es wurde nicht zu viel versprochen. Alles brannte.
Song 4 – „I, Emperor“
Napoleon erschien erneut, diesmal noch eindringlicher und mit einer Gestik, die perfekt zum martialischen Charakter des Songs passte. Auf Effekte wurde auch hier wieder nicht verzichtet. Es wurde zwar hier auf Pyro verzichtet, jedoch feuerten die Kanonen auf der Bühne und es gab dem Feldherren seine Größe.
Song 5 – „Crossing the Rubicon“
Und natürlich durfte der zuvor „ermordete“ Cäsar nicht fehlen. Blutend, sichtbar angeschlagen und mit theatralischer Hingabe betrat er die Mainstage. Das Publikum reagierte begeistert auf diese Form des Live-Storytellings. Hier wurde aber wieder mit Pyrotechnik aufgefahren und auch geschossen und geknallt, im vergleich zu I, Emperor.
Song 6 – „Carolus Rex“ (Schwedisch)
Der wohl patriotischste Moment des Abends, handelnd von Karl XII. von Schweden und seinem Königreich. Die Fans sangen die schwedischen Zeilen so laut mit, dass es klang, als hätte sich die Festhalle für ein paar Minuten nach Falun verlegt. Die Burgbühne erstrahlte in Blau und Gelb, während Joakims Stimme durch die Halle rollte.
Song 7 – „The Red Baron“
Dieser Song trat überraschend schlicht auf, kein Propellerkeyboard, keine Pyro. Einfach nur die gesungene Geschichte von dem deutschen Jagdflieger Manfred von Richthofen, dem berühmtesten Kampfpiloten des Ersten Weltkriegs.
Song 8 – „Stormtroopers“
Nach diesem Song wechselte das Setup spürbar: Ein massiver Funkenregen eröffnete das Stück, die Bühne mutete wie ein Kriegsgraben an. Die Fans rissen die Arme hoch, Circle Pits bildeten sich. Im Anschluss folgte das große Drum-Solo, das die Halle erbeben ließ.
Drum Solo
Die Türme der Burgbühne leuchteten im schnellen Stroboskoplicht, während das Drumkit in den Mittelpunkt rückte. Das Solo war nicht nur technisch beeindruckend, sondern auch atmosphärisch perfekt in die Show eingebettet. Viel mehr hat es sich abgehoben vom Rest, und zwar Wort wörtlich. Der Burgfried samt Schlagzeug und Hannes van Dahl wurden angehoben und blieben an der Position für die restliche Show
Song 9 – „A Tiger Among Dragons“
Für diesen Song griffen Sabaton die Legende des chinesischen Kriegers Lü Bu auf, eines der berühmtesten historischen Kampfgenies Asiens. Der „fliegende General“ gilt als so übermächtig undcharismatisch, dass er längst selbst zur Legende geworden ist, was ihn perfekt in das Konzept der „Legendary Tour“ einfügt. Optisch unterstrich die Band diesen Ausflug in fernöstliche Mythologie mit asiatisch inspirierten Gewändern, während die beiden Gitarristen auf Trommeln wechselten und Joakim selbst zur Gitarre griff.
Song 10 – „Christmas Truce“
Die Burg verwandelte sich in ein frostiges Winterfeld. Schnee-Effekte durch Handytaschenlampen, ruhiges Licht, langsame Kamerafahrten: Der Song war einer der emotionalsten des Abends, getragen von starken visuellen Elementen der Zuschauenden, welche mit Handytaschenlampen die gesamte Halle erleuchteten.
Song 11 – „Soldier of Heaven“
Als weiterer ruhigerer Song trat dieser auf. An dieser Stelle hätte ich mir lieber Inmate 4859 oder 40:1 gewünscht. Gerade weil beide mehr mit Legenden oder dem größeren Ganzen bzw. dem aussichtslosem Kampf beschäftigten gegen das Dritte Reich.
Song 12 – „The Attack of the Dead Men“
Der Song beschreibt die russischen Soldaten der Festung Osowiec, die 1915 einen Gasangriff überlebten und im halbverwesten Zustand zum Gegenangriff übergingen. Ein Setlist-Höhepunkt, der wegen der extremen visuellen Umsetzung und der düsteren Thematik perfekt für die Mitte/zweite Hälfte der Show ist. Umgesetzt wurde es so, dass die Band von der Mainstage auf die B-Stage wieder über die Brücke ging und von da aus sich den Weg zur Mainstage durch die Menge zurückerarbeitete. Gekleidet waren alle mit blutverschmiertem Mundschutz und Joakim trug einen Flammen-/ oder Gaswerfer. Das Setting war sehr giftig durch die grüne Beleuchtung.
Song 13 – „Night Witches“
Handelt von den sowjetischen Pilotinnen des 588. Nachtschlachtfliegerregiments, die im Zweiten Weltkrieg Angst und Schrecken verbreiteten. Der Song brachte Tempo zurück, öffnet die Bühne wieder und ist ein absoluter Live-Klassiker. Gleichzeitig beginnt mit diesem Song der Nostalgische Part der Show. Ab jetzt nur noch Klassiker.
Song 14 – „Primo Victoria“
Ab hier wurde die Festhalle endgültig zur Armee. Thematisiert die Landung der Alliierten in der Normandie 1944. Der gesamte Saal sang. Joakim und Chris lieferten sich ihr traditionelles Bier-Ex-Duell – diesmal gewann Chris, und er trank triumphierend zur Feier des Moments.
Song 15 – „Steel Commanders“
Dieser Song, als doch relativ neuer, passte für mich auch nicht so richtig. Zwar haben Panzerkommandanten im Zweiten Weltkrieg hohes ansehen genossen, aber als Legenden, über welche unkritische Bücher geschrieben werden, würde ich sie nicht sehen. Umso passender fand ich den nächsten Song.
Song 16 – „The Art of War“
Ein Song bzw. ein militärisches Werk von Sun Tzu, welches Jahrtausende lang Strategiegeschichte prägte. Mehr als Legendenwürdig.Song 17 – „To Hell and Back“ Als letzter militärbezogene Song lud dieser Song mehr als zum springen ein. Er handelt vom US- Soldaten Audie Murphy, einen der höchstdekorierten Soldaten des Zweiten Weltkriegs.
Song 18 – „Masters of the World“
Zum Finale wurde ein letztes mal die B-Stage betreten, Konfetti feuerte und Pyrotechnik loderte. Als weniger Legendenbezogene Song hatte dieser aber als Legendärer Sabaton Song trotzdem platz auf dieser Tour. Ein gebürtiger Abschluss
Fazit: Diese Tour war mehr als ein Konzert. Es war ein historisches Theaterstück, ein Live-Film, ein Metal-Epos. Das Orchester verlieh der Eröffnung emotionale Tiefe, die Burgbühne bot unzählige visuelle Möglichkeiten und die Schauspieler hauchten den Songs zusätzliche Bedeutung ein. Für uns als Presse war es eines der professionellsten, respektvollsten und eindrucksvollsten Erlebnisse seit Langem. Sabaton zeigten an diesem Abend, warum sie nicht einfach eine Metalband, sondern eine Institution geworden sind. Professioneller den je.
Setlist The Legendary Orchestra
Ghost Division
Bismarck
Maid of Steel
Hearts of Iron
The Final Solution
Sarajevo
Angels Calling
The Unkillable Soldier
Resist and Bite
A Lifetime of War
Sparta
Winged Hussars
Swedish Pagans
Setlist Sabaton
Templars
The Last Stand
Hordes of Khan
I, Emperor
Crossing the Rubicon
Carolus Rex (schwedisch)
The Red Baron
Stormtroopers
A Tiger Among Dragons
Schlagzeug Solo
Christmas Truce
Soldier of Heaven
The Attack of the Dead MenNight Witches
Primo Victoria
Steel Commanders
The Art of War
To Hell and Back
Masters of the World
Nachbericht und Fotos von Lukas Pförtsch.
Noch offene Tourtermine:
05.12.2025 Manchester, UK – Co-op Live
06.12.2025 Nottingham, UK – Motorpoint Arena
08.12.2025 Hannover, DE – ZAG Arena
09.12.2025 Kopenhagen, DK – Royal Arena
11.12.2025 Fornebu / Oslo, NO – Unity Arena
12.12.2025 Göteborg, SE – Scandinavium
13.12.2025 Stockholm, SE – 3Arena
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