München, 12.02.2026 – Es gibt Konzerte, die sind gut. Und es gibt Konzerte, die einen mit heiserer Stimme, verschwitztem Shirt und diesem breiten Grinsen nach Hause schicken, weil sie genau da treffen, wo Erinnerung und Gegenwart ineinanderlaufen. Der 12. Februar 2026 in der TonHalle München war genau so ein Abend.
Mit Taylor Acorn, Mayday Parade und All Time Low stand da nicht einfach nur ein starkes Tourpaket auf dem Plan. Das war ein Line-up, das Pop-Punk-Fans nicht sanft an die Hand nimmt, sondern sie mit voller Wucht zurück in dieses alte Jugendgefühl katapultiert. Taylor Acorn eröffnete um 19:00 Uhr, Mayday Parade folgten um 19:45 Uhr und All Time Low übernahmen ab 21:00 Uhr den Abend.
Für uns begann der Abend allerdings schon deutlich früher und genau das hat ihn am Ende noch besonderer gemacht. Mit dem Acoustic Set und Q&A VIP Package hatten wir die Chance, All Time Low noch vor der eigentlichen Show zu treffen. Persönliches Foto mit der Band, akustische Songs und ein Q&A ohne diese übliche sterile Distanz. Es fühlte sich nicht nach einem typischen VIP-Programm an, bei dem man am Ende nur eine Nummer ist. Es hatte Nähe, Charme und vor allem dieses seltene Gefühl, dass die Band nicht nur anwesend ist, sondern wirklich da. Noch bevor in der Halle der erste reguläre Ton gespielt wurde, hatte der Abend schon etwas geliefert, das hängen bleibt
Als Taylor Acorn auf die Bühne kam, war sofort klar, dass sie hier nicht einfach nur den Opener spielt. Schon mit „Poster Child“ war Druck drauf und spätestens bei „I Think I’m in Love“ hatte ihr Set genau die richtige Mischung aus Melodie, Kante und Emotion. Mit „Shapeshifting“ und „Psycho“ legte sie zum Ende noch einmal nach und gab dem Auftritt zusätzlichen Schub. Das war kein Support-Set, das man nebenbei mitnimmt, sondern ein Auftakt mit genug Biss, um sich seinen Platz im Abend zu verdienen.
Mayday Parade zogen die Stimmung danach bewusst in eine andere Richtung. Emotionaler, größer und näher an dem kollektiven Herzschmerz, für den diese Band seit Jahren steht. Mit „Oh Well, Oh Well“ und vor allem „Jamie All Over“ wurde aus der TonHalle endgültig ein einziger lauter Chor. Genau da liegt ihre Stärke. Sie schaffen es immer noch, dieses melodramatische, verletzliche und gleichzeitig überlebensgroße Gefühl so auf die Bühne zu bringen, dass es nicht kippt, sondern einfach funktioniert. Für ein paar Momente war der Raum voll von dieser alten Pop-Punk-Magie. Ein bisschen Weltschmerz, ein bisschen Faust in die Luft und sehr viel Mitsingen.
Und dann kamen All Time Low und mit ihnen genau dieser Moment, in dem die Energie im Raum spürbar kippt. Der Einstieg mit „SUCKERPUNCH“ war dabei fast sinnbildlich für den Abend. In der Studio-Version vielleicht kein Song, der sofort alles abreißt, live aber überraschend effektiv und genau richtig, um die Halle in Bewegung zu bringen.
Danach war die Band voll da. Mit Klassikern wie „Weightless“ und „Damned If I Do Ya (Damned If I Don’t)“, mit diesem vertrauten Mix aus Chaos, Charme und punktgenauem Timing, den All Time Low seit Jahren so mühelos beherrschen. Und dann kam mit „Time-Bomb“ einer dieser Momente, die einen völlig unvorbereitet erwischen. Eine echte Überraschung und für mich persönlich eines der Highlights des Abends. Genau solche Songs holen einen für ein paar Minuten wieder dort ab, wo man früher schon einmal war. Irgendwo zwischen Jugendzimmer, Kopfhörern und dem Gefühl, dass diese Band einen schon verdammt lange begleitet.
Besonders stark war die Band aber nicht nur in den lauten Momenten. Mit „Missing You“ in der akustischen Version wurde es kurz ruhiger, aber kein bisschen weniger intensiv. Die ganze Halle hat den Song getragen und genau dadurch entstand einer dieser seltenen Konzertmomente, in denen plötzlich alles zusammenpasst. Man hatte das Gefühl, dass wirklich jeder im Raum in diesem Lied drin war. Dass Alex danach sogar meinte, das sei an diesem Abend vermutlich das intensivste „Missing You“ der ganzen Tour gewesen, hat diesen Eindruck nur noch verstärkt.
Bevor es mit „Remembering Sunday“, gemeinsam mit Taylor Acorn, noch einmal emotional wurde, war das einer dieser Augenblicke, in denen eine große Halle für ein paar Minuten erstaunlich nah wirkte. Und natürlich durfte es zum Schluss noch einmal komplett eskalieren. „Dear Maria, Count Me In“ war nicht einfach nur das erwartbare Finale, sondern dieser letzte gemeinsame Kontrollverlust, bei dem wirklich jeder in der Halle noch einmal alles rausgehauen hat.
Was diesen Abend insgesamt so stark gemacht hat, war die Balance. Taylor Acorn brachte frische Energie und moderne Kante mit, Mayday Parade lieferten das emotionale Zentrum und All Time Low haben gezeigt, warum sie auch 2026 noch genau wissen, wie man eine Halle im Griff hat, ohne geschniegelt oder routiniert zu wirken. Dazu kam für uns dieses VIP-Erlebnis vor der Show, das dem Ganzen noch eine persönlichere Ebene gegeben hat.
Fazit: Der 12. Februar in der TonHalle München war kein bloßer Nostalgie-Abend für ehemalige Szene-Kids, sondern ein verdammt lebendiger Beweis dafür, dass Pop-Punk auch 2026 noch Herz, Wucht und Haltung haben kann. Drei Bands, drei unterschiedliche Farben und ein Abend, der zwischen Mitsing-Chor, Gänsehaut und kontrolliertem Chaos genau die richtigen Knöpfe gedrückt hat.
Und All Time Low haben einmal mehr gezeigt, dass sie diese Mischung aus Spaß, Hits und ehrlichen Momenten immer noch besser beherrschen als viele andere.
Nachbericht und Fotos von Elena Klenk
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