Knorkator live in Nürnberg (17.01.2026, Löwensaal)

Eine lange Schlange vor dem Löwensaal am Nürnberger Tiergarten ließ es schon erahnen: Knorkator sind wieder in der Stadt. „Aller guten Dinge sind 30!“ heißt die Jubiläumstour zum 30-jährigen Bandbestehen und das wurde hier vor ausverkauftem Haus mehr als amtlich gefeiert.

Normalerweise beginne ich meine Konzertberichte mit den Tourgästen und Supports, doch sowas brauchen Knorkator scheinbar nicht. Stattdessen gab es zur Einstimmung eine Leinwand auf der Bühne, auf der Coverversionen bekannter Rocksongs inklusive passender Videos liefen – eine simple Idee, die beim Publikum viel Anklang fand und wirklich sehr unterhaltsam war.

Pünktlich um 20 Uhr erlosch dann das Hauslicht und Knorkator betraten zu „Jede Zelle meines Körpers ist Glücklich“ die Bühne. Eröffnet wurde der Abend überraschend ruhig, aber sehr atmosphärisch mit „Das Unheil“ von der aktuellen Platte „Weltherrschaft für alle!“. Die Ruhe hielt allerdings nicht lange: Mit zwei Songs aus der Anfangszeit der Band, „Buchstabe“ und „Es kotzt mich an“, ging es direkt zurück zu den Wurzeln.

Bei Letzterem folgte auch gleich eine der ersten völlig absurden Showeinlagen des Abends. Kurzerhand zitierte Sänger Stumpen die anwesende Presse – mich eingeschlossen – auf die Bühne. Nach ein paar schnellen Fotos wurden wir von der Band mit Poolnudeln verdroschen und anschließend unsanft, aber äußerst unterhaltsam, mit einem „Verpisst euch!“ wieder von der Bühne vertrieben. Wir Fotografen nahmen es mit Humor und spielten brav mit. Für mich war das jetzt auf jeden Fall schon eines der absoluten Konzert-Highlights des noch jungen Jahres 2026. Es kommt ja nicht oft vor, dass man als Fotograf mal auf die Bühne darf.

Über die nächsten gut zwei Stunden spielten Knorkator eine bunte Mischung aus Songs der letzten 30 Jahre Bandgeschichte. Immer wieder gespickt mit Stücken vom aktuellen Album, aber natürlich auch mit Publikumslieblingen wie „Alter Mann“ oder „Du nicht“. Dazwischen: viel Klamauk, Selbstironie und ungewöhnliche Showeinlagen. Während „Extrawurst“ gab es zum Beispiel eine Show-Cooking-Einlage, bei der Frontmann Stumpen zwischen Singen und Tanzen drei Spiegeleier zubereitete – beidseitig gebraten, wie bestellt – und diese einem jungen Fan in der ersten Reihe servierte.

Wie mittlerweile üblich durfte auch der Knorkator-Nachwuchs ran. Stumpens Tochter Nethi und Ators Sohn Tim Tom übernahmen immer wieder Gesangspassagen und performten mit „Ich verachte Jugendliche“ sogar einen kompletten Song im Duett. Auch bei den restlichen Stücken waren beide eingebunden: Nethi als Backgroundsängerin, Tim Tom an der E-Gitarre sowie mit Harsh Vocals bei „Böse“.

Ganz restlos überzeugen konnte mich die Setlist persönlich allerdings nicht. Für meinen Geschmack gab es zu viele ruhige Nummern, die immer wieder etwas Tempo aus der Show nahmen. Zudem waren – gerade aus meiner persönlichen Hörgewohnheit heraus – viele sehr alte Songs vertreten, während mir neuere Stücke etwas fehlten. Diesen Eindruck hatte ich nicht allein: Auch im Publikum wurde spürbar weniger mitgesungen, als man es bei einem ausverkauften Jubiläumsgig erwarten würde. Wirklich textsicher war der Löwensaal vor allem bei den großen Evergreens, während es bei vielen anderen Songs ruhiger blieb.

Nach Hause geschickt wurden die Nürnberger Fans schließlich mit ordentlichen Ohrwürmern aus dem Knorkator-Hitfundus: „Wir werden alle sterben“ und „Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett“. Ein wirklich sehr passender Abschluss für diesen Abend.

Abschließend lässt sich sagen, dass „Deutschlands meiste Band der Welt“ im Löwensaal eine rundum starke Show abgeliefert hat: mit einer abwechslungsreichen Setlist, jeder Menge knorkator-typischem Klamauk und genau der richtigen Portion Ironie.

Und dann wäre da noch eine offene Rechnung zu begleichen: Völlig ahnungs- und wehrlos wurde ich Opfer einer hinterhältigen Poolnudel-Attacke durch die Band. Das kann so natürlich nicht stehen bleiben. Hiermit fordere ich Knorkator offiziell zur Revanche: Poolnudel-Duell, gleiche Waffen, keine Überraschungsangriffe, ein fairer Kampf, Mann gegen Mann. Ich bin bereit und warte auf eure Antwort.

Nachbericht und Fotos von Johannes Scharf

Dieser Artikel wurde am: 22. Januar 2026 veröffentlicht.

FOTOS von Knorkator

Ähnliche Beiträge

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert