Irish Folk trifft Pop/Rock
Lumpenpack
schluss mit reden
zwei mal im graben, auch zur zugabe
noch nicht so viele leute und viele lücken bei Lumpenpack vor Fiddlers Green, aber einen Pit gab es trotzdem und nach aufforderung waren sehr viele Crowdsurfer unterwegs
35 Jahre Fiddlers
Zwei Bands, ein Abend, aber keine klare Rollenverteilung: Schon im Vorfeld war nicht ganz ersichtlich, wer an diesem lauen Sommerabend eigentlich als Hauptact geplant war – Das Lumpenpack oder Fiddler’s Green? Und ehrlich gesagt: Nach dem Auftritt von dem Lumpenpack war das auch fast egal.
Mit eigenem Bühnenbild, einer ordentlichen Portion Wortwitz und spürbarer Spielfreude betraten Jonas Frömming, Max Kennel und ihre Band bestehend aus Alexandra Eckert, Jason Bartsch und Lola Schrode die Bühne und legten eine Show hin, die den Schlosshof vom ersten Moment an in Bewegung brachte. Dabei war nicht jeder im Publikum wegen des Lumpenpacks da, das war spürbar. Aber: Ein großer Teil ließ sich schnell von ihrer charmant-verschrobenen Mischung aus Humor, Pop, Punk und Leichtigkeit mitreißen und spätestens nach dem dritten Song waren auch die Skeptiker überzeugt.
Trotz stellenweisen luftigen Reihens ließ sich das Publikum auf die Energie der Band ein. Auf Einladung von der Bühne wurde tatsächlich gecrowdsurft. Kein seltener, aber immer aufs Neue ein dankbares Motiv und ein schöner Moment für ein Konzert. Sogar ein kleiner Pit entwickelte sich.
Auch musikalisch zeigte sich Das Lumpenpack frisch und aktuell: Mit „Schluss mit Reden“ spielten sie unter anderem ihre erst vor wenigen Wochen veröffentlichte neue Single
Besonders angenehm fiel auf, dass Das Lumpenpack nicht wie ein klassischer Support auftrat. Ihr eigenes Bühnenbild hob sie optisch klar hervor, ihre Performance wirkte durch und durch eigenständig. Dass wir als Presse zur Zugabe erneut in den Graben durften, nachdem die üblichen drei Songs durch waren, war ein seltener Bonus und unterstrich die besondere Atmosphäre des Abends.
Minifazit: Ob nun Vorband, Co-Headliner oder einfach nur mitreißender Stimmungsmacher, Das Lumpenpack hat den Abend nicht nur eröffnet, sondern geprägt. Wer vorher nicht sicher war, ob er etwas mit ihnen anfangen kann, hatte nach der Show zumindest ein breites Grinsen im Gesicht.
Nach dem energiegeladenen Auftritt von dem Lumpenpack übernahm Fiddler’s Green die Bühne und setzte dem Abend in Eyrichshof noch eine gehörige Portion Feierstimmung obendrauf. Die Folk-Punk-Veteranen feierten an diesem Abend nicht nur ihre Musik, sondern auch ihr beeindruckendes 35-jähriges Bandbestehen und das spürte man in jeder Note, jedem Sprung, jeder Geige.
Patrick „Pat“ Prziwara stand trotz Verletzung auf der Bühne, diesmal ohne Instrument, dafür mit voller Stimme. An der Gitarre sprang Lorenzo von Saint City Orchestra ein und sorgte dafür, dass esmusikalisch an nichts fehlte. Die Besetzung mag etwas anders gewesen sein als gewohnt, doch die Energie stimmte und der Funke sprang sofort über.
Visuell wie musikalisch setzten Fiddler’s Green Akzente. Besonders eindrucksvoll: Der Moment, als der Schlagzeuger in der Mitte der Bühne auf einem mit Wasser benetzten Trommelfell spielte. Die herausspritzenden Tropfen leuchteten im Bühnenlicht und sorgten für ein ebenso kraftvolles Bild.
Der Akkordeonspieler und der Geiger trieben sich gegenseitig zu Höchstleistungen, mal im verspielten Duell, mal im synchronen Tanz, bei dem die Grenze zwischen Show und Party endgültig verschwamm. Und dann kam DER Moment: Der Geiger bestieg mitten im Publikum eine Leiter, spielte dort oben weiter, während sich ein Circlepit wie eine menschliche Karussellfahrt um ihn herum drehte. Ein Bild, das man so schnell nicht vergisst.
Das Publikum tat sein Übriges: geschunkelt wurde ohnehin, aber auch gesungen, gesprungen, getanzt und kurz: gefeiert, als gäbe es kein Morgen. Wer befürchtet hatte, dass nach dem starken Auftritt von Das Lumpenpack die Luft raus sein könnte, wurde schnell eines Besseren belehrt.
Und spätestens da war mir klar: Fiddler’s Green waren der verdiente Mainact dieses Abends. Was sie auf die Bühne brachten, musikalisch wie atmosphärisch, war kraftvoll, mitreißend und durch und durch souverän. Sie zeigten eindrucksvoll, dass sie auch nach 35 Jahren Bandgeschichte nichts von ihrer Live-Präsenz verloren haben.
Nachbericht und Fotos von Lukas Pförtsch.
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