Mit feinstem italienischen Ska-Punk lockten Talco am 07.03.2026 die Nürnberger Punk-Rock-Gemeinde in den Löwensaal. Anlass war ein ganz besonderer Die Band aus Italien ist aktuell auf 20th Anniversary Tour unterwegs und feiert damit ihr zwanzigjähriges Bestehen. Zwei Jahrzehnte voller politischem Ska-Punk, energiegeladener Shows und einer treuen Fanbase – Grund genug also für eine ordentliche Jubiläumsparty. Mit dabei waren Rat Boy aus England, die den Abend als Support eröffneten.
Wie es sich gehört, sprechen wir zuerst über den Support – wobei „Support Acts“ hier eigentlich nicht ganz passt. An diesem Abend gab es nämlich nur einen. Das reichte aber auch völlig, denn Rat Boy verstanden es meisterlich, die Stimmung im frisch sanierten Löwensaal anzuheizen.
Mit ihrer Mischung aus Hip-Hop und Ska lieferten die Briten ordentlich ab. Die Show war roh, handgemacht und ehrlich – eben genau so, wie man sich Punk vorstellt. Sound und Energie erinnerten mich stellenweise an frühe Green-Day-Alben. Auf jeden Fall schafften es die Jungs problemlos, Bewegung in die Menge zu bringen und den Löwensaal – trotz neuer Klimaanlage – ordentlich auf Temperatur zu bringen.
Damit war die perfekte Grundlage für den restlichen Abend gelegt. Die Stimmung im Saal war bereits auf einem hohen Level, als Rat Boy ihr Set beendeten und sich die Fans langsam auf das vorbereiteten, worauf die meisten gewartet hatten.
Ohne große Umbaupause übernahmen schließlich auch schon Talco die Bühne. Zu sagen, sie hätten einfach nur Stimmung gemacht, wäre allerdings die Untertreibung des Jahrzehnts. Schon mit dem ersten Song verwandelte sich das Publikum in eine wild tanzende Menge.
Dank eher begrenzter Englischkenntnisse verzichteten Talco größtenteils auf lange Ansagen. Die brauchte es aber auch gar nicht. Die Menge organisierte sich selbst und startete immer wieder gewaltige Moshpits und beeindruckende Walls of Death – alles springend im Takt und wild tanzend.
Auffällig war dabei auch das Publikum selbst Von ganz jung bis ganz alt war alles vertreten, und auch das Verhältnis von Männern und Frauen war erstaunlich ausgeglichen – selbst mitten im Pogo. Man hatte durchgehend das Gefühl, dass hier ganz unterschiedliche Leute zusammengekommen sind, um einfach gemeinsam einen guten Konzertabend zu erleben.
Besonders beeindruckt hat mich außerdem ein Moment, als sich das Publikum geschlossen mit „Alerta Antifascista“ gegen den wachsenden Faschismus positionierte. Leider habe ich die Ansage von Frontmann Dema (alias Tomaso De Mattia) nicht ganz verstanden und kann deshalb nicht sagen, ob er das Publikum direkt dazu aufgerufen hat. So wie ich es erlebt habe, entstand das Ganze aber einfach organisch aus der Menge heraus. Egal wie – für mich war das definitiv ein Gänsehautmoment.
Talcos einmaliger, bläserlastiger Ska-Punk verbindet mühelos ernste Themen mit purer Lebensfreude und schafft damit vielleicht die beste Gute-Laune-Musik, die der Punk-Rock zu bieten hat. Auch im Löwensaal wurde schnell klar, warum die Italiener seit mittlerweile zwanzig Jahren eine so treue Fanbase hinter sich versammeln.
Die Show hatte von Anfang bis Ende alles, was man sich von einem solchen Abend erhofft großartige Musik, jede Menge Energie aus dem Publikum und durchgehend gute Vibes im Saal. Moshpits, tanzende Fans und eine Band, die sichtbar Spaß auf der Bühne hatte – mehr braucht ein gelungener Punk-Abend eigentlich nicht.
Mit Rat Boy hatten Talco außerdem einen Support im Gepäck, der den Abend perfekt eröffnete und die Menge früh auf Betriebstemperatur brachte. Am Ende bleibt vor allem eines hängen ein ausgelassener Konzertabend, der einmal mehr gezeigt hat, wie gut Ska-Punk live funktionieren kann.
Nachbericht und Fotos von Johannes Scharf
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