Mit rauem Charme, ordentlich Tour-Storys im Gepäck und einer frischen Platte im Rücken melden sich Flick Knives zurück. Zwischen Pannen auf der Autobahn, legendären Shows und jeder Menge DIY-Spirit nimmt uns die Band mit in ihren aktuellen Touralltag, erzählt von ihrer bewegten Geschichte und gibt Einblicke in die Entstehung ihrer neuen EP „Burn Down Start Again“. Ein Gespräch über Neustarts, Zusammenhalt und warum Touring niemals langweilig wird.
1. Moin. Wo erwischen wir euch gerade?
Schorni: Hey Ho! Zurzeit sind wir auf Tour mit unserer neuen Platte „Burn Down Start Again“. Die bisherigen Shows waren echt sehr cool. Wir haben eine Menge neue und alte Freundinnen und Freunde wieder getroffen und auch gut gefeiert. Letzte Woche kam dann der zwischenzeitliche Endgegner… Aus Kannentime wurde Pannentime. Des Bandvans Dieselpumpe hat den letzten Schluck abgegeben. So kam es, dass wir bei Offenbach, auf dem Weg nach Bamberg, eine Stunde auf dem Seitenstreifen der vollbefahrenen Autobahn im strömenden Regen verbracht haben und von den gelben Engeln in eine filmreife Hinterhofwerkstatt geschleppt wurden. Dort ging es dann mit zwei Mietwagen weiter, die glücklicherweise gerade so die Backline packten. Die Show und die Party in Bamberg waren legendär. Jetzt geht’s nächstes Wochenende nach Österreich und Tschechien. Sind noch auf der Suche nach ner passenden Kutsche… Ansonsten läuft’s super. Touring is never boring.
2. Ihr seid eine relativ „neue“ Band – würdet ihr euch kurz vorstellen?
Maniac Markus: bereichert die Band seit Anfang 2025 mit dreckigem Hammond Orgel Sound und unerschütterlich guter Laune
TJ: stieß Ende ’24 als Lead-Sänger und zusätzlicher Gitarrist zur Band und ist sozusagen Archis offizieller Nachfolger (hasst es Texte auswendig lernen zu müssen!)
JB: seit Sommer ’23 dabei, Hauptverantwortlichkeitsbereich: (Lead-)Gitarre und Bus fahren, Nebentätigkeit: Backing Vocals und gelegentlicher Lead-Gesang
Schorni Walker: Gründungsmitglied am Bass, Besitzer des Proberaums und des Tourbusses, „Hindriver“, stark am Glas un‘ mit der Schnüss
Dom Aqua: Gründungsmitglied am Schlagzeug, Gang-Leader und Mädchen für alles
Archi Appleyard: Gründungsmitglied an Gesang und Gitarre, leider kein aktives Mitglied mehr, aber nach wie vor Teil der Gang und im Hintergrund involviert (kümmert sich z.B. mit seinem Label RIOT KIDS RECORDS um unsere digitalen Releases)
3. Wie habt ihr euch gefunden und habt ihr vorher bereits (in anderen Bands) Musik gemacht?
JB: Ja, alle von uns haben schon mehrere Bands gehabt und waren/sind damit mehr oder weniger erfolgreich unterwegs gewesen. Am bekanntesten sind da klar THE SEWER RATS mit denen Aqua und Schorni mega viel getourt sind. Japan, China, USA usw. TJ und ich haben noch ne Band namens CAT FANCY, die z.Z. aber nicht wirklich aktiv ist und Markus spielt bei der Boss Reggae Band MASONS ARMS. Schorni hat mich vor ein paar Jahren in Köln vorm Sonic Ballroom einfach gefragt, ob ich nicht Bock hätte auf Gitarre und Gesang bei FLICK KNIVES, da Archi zu der Zeit gesundheitlich leider schon nicht mehr in der Lage war zu spielen. Der Plan war, dass ich übergangsweise die Lead-Vocals übernehme, bis Archi wieder mitmachen kann. Womit ich auch cool und auch froh drüber war. Singen is einfach nur scheiße anstrengend. Soll ma ruhig wer anders machen! Am Ende kam es dann so, dass Archi leider nicht zurückkommen konnte. Da habe ich, naheliegend, TJ gefragt. Da wir eh zusammen bei CF spielten, ich mir sicher war, dass er Bock hat und wir ne raue Stimme brauchten, war es für mich klar, dass das ne gute Idee ist. Menschlich natürlich unterste Schublade – aber da treffen wir uns dann auch alle ;) Ja und zuletzt dann noch Markus. Dat is schnell erzählt: Er hatte Bock, wir wollten ne Orgel, der is cool… Warum lange drüber nachdenken? Einfach machen!
4. Wie seid ihr auf den Bandnamen Flick Knives gekommen?
Dom: Generell find ich’s sau schwer, coole Bandnamen zu finden, die noch nicht vergeben sind. Daher führe ich seit Jahren eine Liste, in der ich Kandidaten für potentielle neue Projekte sammle. Zum Glück hatte ich Jahre vor der tatsächlichen Bandgründung vorsichtshalber sogar schon ein Facebook-Profil erstellt, um den Namen zu sichern, für den Fall, dass ich irgendwann mal ein entsprechendes Projekt starten wollen würde. Vielleicht bisschen weird, aber es hat sich ausgezahlt! Denn tatsächlich schrieb uns, nachdem wir FLICK KNIVES offiziell im Internet vorgestellt hatten, jemand aus UK, der behauptete, seine Band hätte den Namen schon vorher irgendwo „registrieren“ lassen. Archi hat ihm dann einen Screenshot von der Facebook-Seite samt Erstellungsdatum (welches eindeutig vor dem von ihm angegeben „Registrierungszeitpunkt“ lag) zukommen lassen, worauf er uns wiederum mit einem Anwalt drohte. Ich wünschte ihm dann in einer letzten Nachricht viel Spaß dabei und ein beleidigter Kommentar unter unserem ersten auf YouTube veröffentlichten Musikvideo offenbarte wenig später, dass er bzw. seine Band es wohl eingesehen und ihren Namen geändert haben.
5. Wie beschreibt ihr euern Stil und war schon immer klar, dass eure Musik genau so klingen wird?
Dom: Unser gemeinsamer Nenner und der „Blueprint“ für FK waren von Anfang an Bands wie RANCID und THE CLASH, die melodischen Street Punk mit dem gelegentlichen Einsatz von Elementen aus Ska, Reggae und anderen Genres verbinden.
Als Power Trio gestartet, klangen wir anfangs noch etwas rauer. Durch die zusätzliche Stimme, die zweite Gitarre und natürlich die Orgel hat sich unser Sound inzwischen weiterentwickelt und verfeinert. Den Unterschied kann man auf den beiden Seiten unserer aktuellen Platte bzw. der älteren und der neueren EP, die darauf vereint wurden, glaube ich, relativ deutlich hören. Was aber nicht heißt, dass wir in Zukunft keine „roughen“ Songs mehr raushauen werden…
6. Bevor eure neue EP „Burn Down Start Again“ erschienen ist, ist einiges passiert. Zum Beispiel hat Archi die Band verlassen (Gute Besserung von uns) und gleich drei neue Mitglieder füllten auf – könnt ihr kurz erklären, wie das alles abgelaufen ist?
Dom: Die Anfangszeit der Band war tatsächlich recht turbulent… Das is ne crazy Story, die im Inlay der Vinyl-Edition ausführlich beschrieben wird. Daher versuche ich mich hier möglichst kurz zu fassen: Schorni, Archi und ich gründeten FK im Jahr 2020, weil unsere gemeinsame Band THE SEWER RATS coronabedingt auf Eis lag und wir zu der Zeit quite literally nix besseres zu tun hatten. Drei vor Langeweile frustrierte Freunde, die ein Ventil brauchten und mega Bock auf frischen DIY Punk hatten. Eh wir uns versahen, lagen zwei Angebote von befreundeten Labels auf dem Tisch. Wir brachten eine 7″ Single auf GET STOMPED RECORDS raus, während wir bereits an den Aufnahmen für eine Full-Length LP arbeiteten, die auf MAD DRUNKEN MONKEY in Kooperation mit RING OF FIRE RECORDS erscheinen sollte. Zudem wurde eine Record Release Tour mit JUKEBOX ROMANTICS, einer befreundeten Band aus New York, gebucht. Leider wurde dieser rasante und vielversprechende Beginn harsch ausgebremst, als Archi eine Angst-/Panikstörung diagnostiziert wurde.
Nach zweijähriger Zwangspause ermutigte uns Archi jedoch dazu, ein viertes Bandmitglied zu rekrutieren, welches ihn bis zu seiner erhofften Rückkehr vertreten sollte. Glücklicherweise wurden wir irgendwann fündig und konnten, dank unserem neuen Übergangsfrontmann JB, ab Ende 2023 endlich live spielen.
Als Archi dann ca. ein Jahr später schweren Herzens verkündete, dass wir vorerst nicht mehr mit ihm planen können, und uns bat, einen permanenten Ersatz für ihn zu verpflichten, kam TJ dazu, der einen ähnlichen Gesangsstil mitbrachte und der, wie auch JB, bereits zu unserem erweiterten Freundeskreis zählte. Wenig später folgte Markus, den wir eigentlich nur um ein Feature gebeten hatten, der uns aber schnell überzeugte, dass er im Stande ist, die Band auf ein neues Level zu heben.
Damit war die Gang komplett, was auch anderen Orts zur Kenntnis genommen wurde. Denn der gute Bernd, seines Zeichens Label-Boss von MAD DRUNKEN MONKEY RECORDS und goldherziger Punkrock-Idealist, hatte uns tatsächlich über all die Jahre nie aus den Augen verloren und meldete sich plötzlich aus dem Nichts mit dem erneuten Angebot, eine FLICK KNIVES Platte rauszubringen – mehr als vier Jahre, nachdem wir den ursprünglichen Plan begraben mussten. Das hat uns wirklich stark gerührt und wir waren natürlich sofort an Bord.
7. Mit „Burn Down Start Again“ ist, wie bereits eben erwähnt, eure neue EP erschienen. Wie sah die Entstehungsphase der Songs aus und wie liefen die Aufnahmen ab?
Dom: Ein paar der Songs gab es bereits lange vor der Bandgründung. „True“, „Falling Down“ und „High Street Girl“ hatte ich z.B. schon ca. 7 Jahre vorher für ein anderes Projekt geschrieben, welches aber im Sande verlief. „Young ‚Til We Die“ und „In Circles“ („Knife-By“-EP/Vinyl-B-Seite) waren die ersten beiden, die ich speziell für FK geschrieben habe. Archi holte das Instrumental, aus dem anschließend „Knife-By“ entstand, aus seiner Schatztruhe und schrieb später noch das zu „Chin Up“. Die Riffs, aus denen wir im Proberaum gemeinsam „For The Crew“ bastelten, stammen aus Schornis Feder. Ursprünglich klangen die eher nach Skatepunk, allerdings waren Archi und ich zu dumm, das entsprechend umzusetzen. Darum ist dann die stumpf-charmante Oi! Nummer draus geworden, die nun auf der „Knife-By“-EP bzw. der B-Seite der „Burn Down Start Again“-Vinyl zu hören ist. Als riesen COCK SPARRER Fan und sehr auf Harmonie bedachter Typ, konnte sich Schorni letztlich damit abfinden ;)
Die Aufnahmen begannen, wie oben schon erwähnt, bereits im Jahre 2021, in unserem von Schorn selbstgebastelten DIY-Studio (aka Proberaum). Vollendet werden konnten sie jedoch erst im vergangenen Jahr. Das meiste davon haben wir, mit der neuen Besetzung in einem professionell(er)en Studio, nochmal neu eingespielt.
8. Was bedeutet der Titel der EP für euch?
Dom: Vermutlich ist es niemandem aufgefallen, aber der Titel ist einer Zeile aus dem Text zum Song „Molotov“ entlehnt, von unserer Debut-7″ aus den Anfangstagen der Band. Die ersten FLICK KNIVES Songs hab ich damals quasi (so gut wie) fertig mitgebracht. Das Grundgerüst von „Molotov“ kam von Archi. Schorni und ich haben dann unsere Ideen beigesteuert und so ist zum ersten Mal ein Song im Kollektiv entstanden. Das war ein geiles Gefühl und ein sehr schöner Prozess, weil es sich nochmal mehr wie „unser“ Song, unser gemeinsames Werk angefühlt hat. War übrigens auch einer der Gründe, warum wir ihn seinerzeit als Debut-Single auserkoren haben. Das und, dass es ein verdammter Hit ist, natürlich! Haha
Schon das ursprünglich geplante Debut-Album sollte den Titel „Burn Down Start Again“ tragen. Fand ich sehr passend, weil FLICK KNIVES für uns drei einen Neustart darstellte. COVID hatte THE SEWER RATS (jene Band, mit der wir pre-Corona jahrelang extrem aktiv waren) zum ungünstigsten Zeitpunkt erwischt – nämlich genau zum Release unseres neuen Longplayers, auf den wir zwei Jahre hingearbeitet und in den wir Unmengen Arbeit, Kohle und Herzblut investiert hatten. Da wegen der Pandemie ja bekanntlich auf unbestimmte Zeit keine Shows gespielt werden konnten und es für uns, auf Grund der frischen VÖ, auch keinen Sinn gemacht hätte, direkt nochmal was aufzunehmen, sahen wir keine Alternative als SR vorerst ruhen zu lassen. Und weil diese Band bis dahin, ohne zu übertreiben, unser Leben bestimmt und quasi unsere komplette Freizeit eingenommen hat, war das neben dem Schock auch eine krasse Umstellung und nicht zuletzt ganz schön frustrierend.
Als wir dann irgendwann anfingen, uns die ungewohnte freie Zeit damit zu vertreiben, ein bisschen ziellos zu „jammen“, wie die Kids es nennen, stellte sich sehr schnell heraus, dass das, was wir da aus dem Nichts begannen aufzubauen, Potential hatte, uns richtig glücklich zu machen und uns das zurück brachte, was wir zu der Zeit so sehr vermisst haben. Mich persönlich zog es aus einem tiefen, finsteren Lockdown Loch und entfachte ein Feuer, das bis heute in mir brennt.
Archis Erkrankung traf uns, wie gesagt, mitten im Aufnahmeprozess des damals geplanten Debut-Albums. Die Vorabsingle war bereits im Presswerk und die Promo für die anschließende Tour lief auch schon auf Hochtouren. Die dann folgende zweijährige Zwangspause, verbunden mit der ins Wasser gefallenen Release-Tour und dem dadurch verpufften Single-Release warfen uns auf einen Schlag zurück in besagtes Loch, aus dem uns unser neues gemeinsames Projekt gerade erst raus gezogen hatte.
Nachdem die Band durch JBs Einstieg wieder handlungsfähig wurde, veröffentlichten wir den Teil der Songs, den wir zwei Jahre zuvor als Trio schon fertig eingespielt hatten, als digitale EP unter dem Titel „Knife-By“. Als eine Art Lebenszeichen und um unsere ersten Shows zu promoten. Diese landete nun als Bonus auf der B-Seite der im Februar ’26 veröffentlichten 12″. Bei den Songs auf der A-Seite handelt es sich dagegen um den Teil der Aufnahmen, der auf Grund der o.g. Erkrankungsgeschichte damals unvollendet blieb. Das konnten wir, wie bereits erwähnt, letztes Jahr endlich nachholen. Die Vinyl-Variante von „Burn Down Start Again“ enthält nun also im Prinzip das ganze Album, aufgeteilt auf zwei EPs und zwei Besetzungen aus verschiedenen Epochen der Bandgeschichte und fühlt sich ebenfalls wie eine Art Neustart, eher sogar wie eine Wiedergeburt an. Daher war der Titel in meinen Augen eine logische Wahl.
9. War es klar, dass so viel wie möglich von euch direkt auch als Vinyl erscheint?
Dom: Wäre in unserer Anfangszeit alles glatt gelaufen, hätten wir wahrscheinlich schon 1-2 Jahre nach der Bandgründung alles was wir damals hatten direkt auf Vinyl rausgebracht. Heute bin ich froh, dass es nur 10 Songs davon (+ ein Cover und eine Neuaufnahme) „geschafft“ haben – teilweise enorm aufgewertet, durch Orgel-Parts und „cut the crap“-Action. Nochmal vielen Dank an dieser Stelle an unseren kritisch-ehrlichen Produzenten Hanno im Kaninchenbau! (:
10. Wie sehen eure weiteren Pläne aus?
JB: Mindestens weiter wie bisher, aber nach oben hin offen! Wir sind ja jetzt in der ersten Jahreshälfte gut unterwegs und die zweite füllt sich auch zunehmend. Für nächstes Jahr sollte es schon so weitergehen. Noch mehr im Ausland spielen wär natürlich geil. Die ein oder andere Tour auf jeden Fall auch.
Zurzeit gehen wir die Pre-Production für neue Aufnahmen an. Der Plan steht schon grob und neue Songs sollten wir bis zum Sommer auch genug haben. Ich denke, dass wir in naher Zukunft Studio-Termine buchen werden. Wie’s dann damit weitergeht, wann was rauskommt, kann man jetzt noch nicht sagen. Aber wir haben Bock auf die nächste Platte.
11. Vielen Dank für eure Zeit und eine tolle Zeit weiterhin – die letzten Worte gehören natürlich euch!
Schorni: Vielen Dank für das nette Interview! Darüber freuen wir uns immer sehr. Wir freuen uns auch auf die weiteren Shows und die nächste Recording Session, die, wenn alles nach Plan läuft, schon im Sommer ansteht. Wir freuen uns auf die Leute und die Partys. Kommt alle vorbei, unterstützt die Veranstaltungen und kauft Karten im Vorverkauf – das ist heute wichtiger denn je. Und noch wichtiger: Seid lieb zueinander! Die Welt ist schlecht genug da draußen. Kannentime!
Foto Credit: Stephan Schorn
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