M’era Luna 2026 – Zwei Tage zwischen Musik und Wahnsinn!

Ich glaube, das Schönste an Festivals ist, dass man vorher nie ganz weiß, was am Ende wirklich hängen bleibt. Man fährt mit einer Liste von Bands hin. Man plant. Man schaut sich die Running Order an. Man überlegt, wo man wann sein muss.

Und am Ende erinnert man sich trotzdem an völlig andere Dinge. Das M’era Luna war für mich dieses Jahr wieder genau so.

Natürlich gab es Bands, auf die ich mich gefreut hatte. Natürlich gab es Shows, bei denen ich wusste, dass ich sie unbedingt fotografieren möchte.
Aber dazwischen waren diese kleinen Momente, die sich irgendwie festgesetzt haben.

Der Samstag begann für mich eher ruhig.
Hocico haben dann ziemlich schnell dafür gesorgt, dass sich das ändert. Die Inszenierung mit den Trommlern hatte etwas Ritualistisches und hat sofort eine ganz eigene Atmosphäre geschaffen. Und dann einfach diese Musik. Dreckig, laut, treibend.
Oder auch einfach: genau richtig.

Megaherz hatten anschließend zu Beginn ziemlich mit technischen Problemen zu kämpfen. Und irgendwie gehört das für mich inzwischen fast genauso zu einem Festival wie die großen Produktionen. Soundprobleme sind natürlich scheiße. Aber ich finde es immer spannend zu sehen, wie Künstler damit umgehen. Megaherz haben sich nicht lange damit aufgehalten.

Weiter.

Diorama waren danach für mich einer dieser ruhigeren Momente des Tages. Und ich mochte diese Mischung aus emotionaler Musik und trockenem Humor auf der Bühne sehr. Manchmal braucht es eben keine riesige Inszenierung. Manchmal reicht eine gute Band und ein Publikum, das zuhört. Und die Fans vor der Bühne waren absolut begeistert!

Combichrist waren dann wieder eine komplett andere Hausnummer. Ich wollte sie schon länger einmal live sehen, bislang gelang mir das nie mit ihrem klassischen Set, und ich wurde nicht enttäuscht. Die Musik funktioniert live einfach unglaublich körperlich. Irgendwann hört man nicht mehr nur zu, sondern spürt sie. Auch aus fotografischer Sicht natürlich optisch ein absoluter Hingucker in den Outfits!

The Birthday Massacre waren danach fast schon ein kleiner Ruhepol. Und ich fand es wirklich schön, wie sie die Geburtstagskinder eingebunden haben. Solche kleinen Gesten machen einen Auftritt für mich oft persönlicher als irgendeine riesige Bühnenproduktion.

Agonoize waren dann wieder das komplette Gegenteil. Dämonische Tänzer, Aggrotech und eine Merch-Kanone.
Ich muss ehrlich sagen: Optisch war genug da. Aber mich hat es dieses Mal nicht ganz erwischt.
Das passiert. Nicht jeder Auftritt muss mich abholen.

Und dann gab es noch Spätzle für 10,90 Euro. Das ist keine Meinung. Das ist eine historische Tatsache. Die ich vorerst einmal unkommentiert so stehen lasse.

In Extremo haben mich dafür wieder komplett zurück ins Festivalgefühl gezogen. Feuer hat da vermutlich einen unfairen Vorteil. Auch wenn wir hierbei von so viel Feuer sprechen, dass keine Fotografen erlaubt waren. Trotzdem, wenn die Flammen über der Bühne hochschlagen, der Himmel langsam dunkel wird und vor dir tausende Menschen stehen, dann funktioniert das einfach.

Within Temptation waren anschließend musikalisch genau das, was ich erwartet hatte - und mich persönlich extrem darauf gefreut. Bei den Screens hingegen war ich teilweise raus.Mir war die visuelle Gestaltung stellenweise einfach zu voll.
Und gerade weil die Bühne selbst so viel zu bieten hatte, hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Ruhe gewünscht. Ach und natürlich ein bisschen mehr Licht auf der Band selbst. Sharon und Co waren in erster Linie in rot gehüllt, was besonders bei der Nachbearbeitung im Anschluss natürlich etwas… spezieller war. 

Der schönste visuelle Moment kam für mich deshalb ausgerechnet aus dem Publikum.
Die Lichter.
Der Hangar.
Das Lächeln.
Diese Momente, in denen Abertausende Menschen einfach gemeinsam die Musik genießen. Wunderschön!

Sonntag ging es weiter.

Bei Sotiria merkte man wieder, wie stark Musik mit Erinnerungen verbunden ist.
Eisblume.
Dieses kollektive Erkennen.
Der Platz füllte sich mehr und mehr und das Publikum wurde einfach mitgerissen. 

Und dann kam SKYND. Als alt eingesessener Fan bin ich da vielleicht etwas voreingenommen, aber SKYND hat mich mal wieder erwischt.
Diese ganze Atmosphäre. Die Musik. Die Geschichten. Die Optik.

Diese Mischung aus Faszination und einem leichten Gefühl von „Ich weiß nicht, ob ich das gerade angenehm finde“. Genau das hat funktioniert.

SKYND war für mich das Highlight des Wochenendes.

Aesthetic Perfection hatten ebenfalls technische Schwierigkeiten, haben aber weitergemacht, ohne diese großartig zu thematisieren. Für mich war es auch das erste Mal, dass ich sie live erleben durfte.

Und dann Floor Jansen. Ich glaube, spätestens bei ihr hat man gesehen, wie ein Festivalmoment entsteht. Der Platz wurde voller. Immer voller. Und dann kam „Nemo“.

Und plötzlich sangen alle. Das war einer dieser Momente, die einfach unter die Haut gehen! 

Lacrimosa haben mich danach auf eine ganz andere Art abgeholt. Der Gesang wirkte auf mich nicht geschniegelt. Nicht perfekt poliert. Sondern echt.
Und vielleicht schätze ich genau das inzwischen besonders.
Auf einem Festival sieht man so viele riesige Produktionen, dass es fast schon auffällt, wenn jemand einfach nur auf einer Bühne steht und singt.

Saltatio Mortis beendeten das Festival mit einer Show, die ihres Gleichen sucht. Ähnlich wie bei In Extremo wurde hier viel auf Feuer und Effekte gebaut und damit eine Atmosphäre geschaffen, die einfach umhaut. In Verbindung mit der Mischung aus den altbekannten Klassikern und ihrer mehr rockigen, neuen Musik, wurde ein nettes Gesamtpaket geschaffen, das einen wundervollen Abschluss bot. 

Am Ende glaube ich, sind es für mich die Gegensätze, die das M’era Luna so besonders machen.

Dämonen und Lichter.
Feuer und Stille.
Riesige Produktionen und kleine, menschliche Momente.
Soundprobleme und trotzdem gute Shows.
Bands, die einen komplett erwischen.
Und Bands, bei denen man nachher einfach denkt: War heute nicht mein Tag.
Dazu Menschen, die sich seit Jahren auf dieses Wochenende freuen.

Und ich mittendrin.
Mit Kamera.
Mit viel zu vielen Eindrücken.
Und irgendwann ziemlich müde.
Aber glücklich.

Und ja. Mit der Erkenntnis, dass Spätzle für 10,90 Euro offenbar inzwischen leider einfach zum Festivalerlebnis dazugehören.

Nachbericht und Fotos von Anne Goethe und David Santilian

Dieser Artikel wurde am: 19. September 2026 veröffentlicht.

Autor: Nessa Deleto

FOTOS von M’era Luna

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