Architects live in Berlin (22.01.2026, Velodrom)

Es ist kalt in Berlin, dieser typische Januarabend, bei dem der Atem in der Luft steht. Doch vor dem Velodrom bildet sich schon früh eine lange Schlange. Drinnen wartet eine ausverkaufte Halle mit knapp 12.000 Menschen – und eine Band, die sich diesen Status über Jahre hart erarbeitet hat. Architects sind zurück und liefern ihre bislang größte Headline-Show in der Hauptstadt.

Den Auftakt machen die maskierten Newcomer President, die mit düsterem Industrial-Vibe und mysteriöser Aura sofort Aufmerksamkeit erzeugen. Kein unnötiges Gerede, nur Sound und Stroboskop. Der perfekte Opener für eine Crowd, die noch nicht weiß, ob sie headbangen oder einfach nur zuschauen soll. Mit Landmvrks wird es dann ernst. Die Franzosen haben sich in den letzten Jahren zu einer festen Größe entwickelt und zeigen auch in Berlin, warum. Frontmann Florent Salfati springt über die Bühne, fordert Circle Pits und bekommt sie. Die Energie schwappt von der Bühne direkt ins Publikum. Spätestens jetzt ist klar: Das hier wird kein entspannter Donnerstagabend.

Kurz vor 21 Uhr gehen die Lichter aus. Ein Intro läuft, das Velodrom wird dunkel. Dann explodiert der Abend. Mit „Elegy“ eröffnen Architects ihr Set und die Crowd rastet sofort aus. Von der ersten Sekunde an stimmt alles: Sound, Licht, Energie. Die Band wirkt fokussiert und gleichzeitig dankbar. Sam Carter sucht immer wieder den Kontakt zur Menge, spricht über Zusammenhalt, Szene und die Bedeutung von Live-Musik. Keine großen politischen Monologe, sondern ehrliche Momente zwischen den Songs. Die Setlist spannt den Bogen über mehrere Alben. Neben neuen Tracks wie „deep fake“ oder „Red Hypergiant“ dürfen natürlich Klassiker wie “Gravedigger” und “Animals” nicht fehlen. Als „when we were young“ erklingt, singen tausende Stimmen jede Zeile mit. Spätestens jetzt verwandelt sich das Velodrom in einen einzigen Chor.

Ein besonderer und emotionaler Moment des Abends ist „Doomsday“. Der Song wirkt live noch intensiver als auf Platte. Smartphones gehen hoch, Feuerzeuge ebenso. Für einen kurzen Augenblick steht die Zeit still. Architects schaffen es, diese Balance zwischen Melancholie und Aggression zu halten – genau das macht ihre Shows so stark. Die Band beweist, dass sie nicht nur hart, sondern auch verletzlich sein kann. Diese Mischung aus emotionaler Tiefe und massiver Soundwand zieht sich durch das gesamte Set.

Zum Abschluss gibt es noch einmal alles: Crowd-Surfer, Wall of Deaths, Circle Pits und eine Band, die sichtbar erschöpft, aber glücklich ist. Tosender Applaus beendet den Abend. Architects zeigen, dass sie in großen Hallen genauso überzeugen wie in Clubs – vielleicht sogar noch stärker. Die Kombination aus Nähe, Ehrlichkeit und brachialem Sound funktioniert auch vor tausenden Menschen.

Der 22. Januar 2026 bleibt als einer dieser Konzertabende im Gedächtnis, die zeigen, warum Live-Musik mehr ist als nur Unterhaltung. Es ist Gemeinschaft, Leidenschaft und ein Ventil für alles, was sich über Wochen aufgestaut hat. Berlin hat geliefert. Architects auch. Und das Velodrom hat gebrannt.

Nachbericht und Fotos von Elena Klenk

Dieser Artikel wurde am: 22. Februar 2026 veröffentlicht.

FOTOS von Architects, President und Landmvrks

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