Miles Kane ist wieder unterwegs. Und irgendwie fühlt es sich jedes Mal so an, als wäre das längst überfällig. Kaum ein anderer britischer Indie-Charakter hat über die letzten anderthalb Jahrzehnte eine derart konstante Schnittmenge aus Attitüde, Songwriting und Stilbewusstsein geliefert – ohne dabei jemals im eigenen Mythos zu ersaufen. Kane bleibt dieser Kerl, der mit Nonchalance ganze Säle ans Zündholz hält, aber immer noch so wirkt, als könne man ihm im Pub eine Zigarette aus der Schachtel ziehen, ohne dass er die Augenbrauen hebt.
Mit dem jüngsten Album hat Kane erneut bewiesen, dass sein Sound nicht stehen bleibt. Wer unser Review gelesen hat, weiß: Das Ding war kein Nostalgie-Aufguss und keine Indie-Zeitreise – eher ein leicht abgeklärter, souveräner Miles-Kane-Take auf Soul, Pop, Northern-Flair und scharfe Gitarrenakzente. Genau diese Mischung eignet sich für die Bühne fast unanständig gut. Hier kollidieren swaggige Hooks mit britischem Punch, ohne dass man das Gefühl bekommt, ein Best-Of-Set abgespult zu bekommen. Kane ist noch immer neugierig genug, um die Songs atmen zu lassen und gleichzeitig selbstbewusst genug, um Hits auch Hits sein zu lassen.
Und davon hat der Mann bekanntlich einige: „Come Closer“, „Don’t Forget Who You Are“ und „Rearrange“ bleiben Rock’n’Roll-Adrenalin, das im Saal nicht diskutiert, sondern erledigt wird. Dazu kommen die neueren Nummern, die live noch einen Tick schmutziger, lebendiger und körperlicher funktionieren. Besonders spannend wird sein, wie Kane die Soul-Kante und die Pop-Ecken seines neuen Materials im Set integriert – erfahrungsgemäß hängt er sich da nicht ans Album-Template, sondern baut live echte Spannungsbögen.
So oder so: Wer Miles Kane schon einmal live gesehen hat, weiß, dass die Shows immer etwas zwischen Band-Gala und Straßenschach sind – tight gespielt, aber nie steril, charismatisch, aber nie gekünstelt. Das Publikum ist meist eine eigenartige Mischung aus Indie-Kids, Brit-Rock-Veteranen, Arctic-Monkeys-Alumni und Menschen, die aussehen, als hätten sie sich von modischen Rollkragenpullovern nach vorn tänzeln lassen. Es passt. Es knallt. Und es hat Stil, weil Miles Kane einer der letzten Musiker ist, der Stil nicht wie ein Konzept behandelt.
Egal ob man ihn wegen seiner Solowerke feiert, wegen The Last Shadow Puppets zu ihm gefunden hat oder einfach nur auf der Suche nach britischer Live-Musik ist, die mehr ist als Gitarrensport: Diese Tour dürfte liefern. Und zwar ehrlich, elegant und ohne die sonst so lästige Indie-Ironie, die alles kaputtmacht.
Miles Kane ist wieder in den Clubs – und das ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Alles Weitere entscheidet der Abend.
In Deutschland ist er an folgenden Terminen anzutreffen:
- 25.02. Technikum, München
- 11.03. Heimathafen Neukölln,Berlin
- 12.03. Mojo Club, Hamburg
- 13.03. Die Kantine, Köln
Tickets gibt es bei allen bekannten VVK-Stellen bereits ab 44,00 €.
Vorbericht von Cris Kilper
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