Nachdem ich From Fall To Spring bereits beim diesjährigen Taubertal Festival vor der Kamera hatte und dort schon völlig überwältigt war, stand für mich fest: Ich muss diese Band auch auf ihrer Tour erleben. Am Donnerstag, den 13. November, war es dann so weit, die letzte Show der Tour im Löwensaal Nürnberg. Und allein der Gedanke, dass es das Tourfinale werden würde, ließ schon vorher erahnen, dass dieser Abend besonders wird.
Letters From Home – emotionaler Einstieg und starke Botschaften
Den Abend eröffneten Letters Sent Home, für die es gleichzeitig die letzte Show als Support war. Die Band wirkte spürbar emotional, aber gleichzeitig voller Energie. Besonders in Erinnerung blieb ein Song über Selbstbestimmung und Kontrolle über das eigene Leben, aus weiblicher Perspektive, überraschend feministisch.
Auffällig war die choreografierte Bühnenaction: Robin Werner (Gitarre) und Lara Ripke (Bass) sprangen über die Bühne. Weiter legte Robin sein Instrument häufiger beiseite um gesanglich mit einzustimmen. Direkt bei den ersten drei Songs: Robin ging direkt an die Barriere zum Publikum und performte von dort aus! Zum Abschluss bekam die Band noch einen besonderen Abschiedsgruß: From Fall To Spring stürmten spontan mit Cyan Kicks auf die Bühne, bewaffnet mit Schnaps, Absperrband und einer ordentlichen Portion Rickroll. Ein herrlich herzlicher Moment.
Cyan Kicks – finnische Power und erste Crowdsurfer
Als zweiter Support standen Cyan Kicks aus Finnland auf der Bühne und machten sie innerhalb von Sekunden zur eigenen Tanzfläche. Ihre Show war bunt, energiegeladen und abwechslungsreich, inklusive eigenem Drum-Solo mit dediziertem Lichthighlight und einem Outfitwechsel der Sängerin.
Hier gab es auch die ersten Crowdsurfer des Abends. Besonders bei Gasoline, bei dem der komplette Saal mitsang, kochte die Stimmung. Auch Cyan Kicks blieben nicht von der Tourabschluss-Tradition verschont: From Fall To Spring kam erneut auf die Bühne, trank mit ihnen Schnaps und ließ sie dann zum finalen Song „Hurricane“ lospreschen.
From Fall To Spring – Nu Metal im Bestzustand
Dann war es so weit: From Fall To Spring, für viele der Grund für diesen Abend, betraten die Bühne für die letzte Show der Tour in Nürnberg.
Wie schon beim Taubertal rissen sie von der ersten Sekunde an alles ab. Das Publikum war sofort komplett im Bann, als würde die Band die Menge wie eine Marionette steuern. Für mich als Fotograf war die größte Herausforderung an diesem Abend eindeutig das Plexiglas vor den Drummern, das ständige Reflexionen produzierte, aber es passte irgendwie zur intensiven Show und der Sound der Drumms war intensiver, eindringender als bei anderen Auftritten ohne die Scheiben. Beeindrucken und verständlich, warum sie zum Einsatz kamen.
Im Gegensatz zum Festival war es diesmal erstaunlich leicht, die Zwillinge Philip und Lukas auseinanderzuhalten – ob wegen des Lichts oder weil ich sie inzwischen einfach besser kenne.
Zwischen zwei Songs nahm sich die Band einen Moment Zeit für eine klare Botschaft: „Hass ist niemals die Lösung.“ Die Aussage kam überraschend politisch daher, wirkte gleichzeitig aber etwas zahnlos: eher wie ein kurzer Appell als ein echtes Statement. Trotzdem wurde sie vom Publikum positiv aufgenommen und sorgte für einen der wenigen nachdenklicheren Augenblicke des Abends, bevor die energiegeladene Show wieder Fahrt aufnahm. Für einen abrupten Stimmungswechselsorgte danach ein vollkommen unerwartetes Backstreet-Boys-Cover, das für breite Grinsen auf vielen Gesichtern sorgte. Kaum hatten die ersten harmonischen Akkorde eingesetzt, verwandelte sich der Löwensaal in ein Lichtermeer: Handytaschenlampen, Feuerzeuge und eine Menge nostalgischer Mitsing-Momente füllten den Raum und erzeugten eine beinahe ironisch-schöne Atmosphäre.
Und dann kam die Ansage, die den letzten Funken zündete: „Lasst die Affen aus dem Zoo!“ Diesmal nicht als Witz, sondern als klare Aufforderung an das Publikum, für das große Tourfinale wirklich alles rauszulassen. Die Menge verstand sofort – es war die letzte Show, die letzte Chance, noch einmal gemeinsam komplett durchzudrehen. Und genau das passierte auch: Der Saal explodierte in Bewegung, Jubel und Energie. Auch der obligatorische Crowdsurf-Song I Won’t Go Back durfte nicht fehlen. Besonders ikonisch wurde es, als die Sängerin von Cyan Kicks und einem der Zwillinge selbst in die Menge sprangen, kurz darauf folgten Fans, während der Pit längst geöffnet war.
Neben all der Action gab es auch einen kleinen Seitenhieb Richtung Zukunft: Die Band betonte erneut, dass sie endlich für Deutschland beim ESC antreten wollen. Der Jubel im Saal ließ kaum Zweifel daran, dass die Crowd dafür bereit wäre. Mit Take the Pain Away wären sie definitiv ein Kandidat gewesen. Welcher auch gleichzeitig ein Highlight für mich Live war. Denn das gesamte Publikum wurde aufgefordert den Song mit „Rise Up“ als Part des Publikums mit aufzupushen. Hat mehr als gut funktioniert und den Weg frei für Beastmode bereitet, einen ihrer heftigsten Songs. Hier verwandelten sich Bassist und Gitarrist dank Mundmasken fast in Comicfiguren, ein perfekter Abschluss einer ohnehin überdrehten Finalshow.
Am Ende wurde noch einmal deutlich, was die Sängerin von Letters Sent Home bereits zu Beginn des Abends beschrieben hatte: die besondere Herzlichkeit dieser Tour. Die Szene, in der From Fall To Spring ihren Support nach dessen Set lautstark und überschwänglich auf der Bühne verabschiedeten, war mehr als nur ein netter Abschluss. Sie zeigte, wie eng die Bands in den vergangenen Wochen zusammengewachsen sind. Diese Wärme, dieser Zusammenhalt, übertrug sich spürbar auf das Publikum und verlieh der gesamten Show eine Atmosphäre, die weit über eine gewöhnliche Tour/Finalshow hinausging. Es fühlte sich an wie ein gemeinsames Fest, getragen von Respekt, Freude und der seltenen Energie eines Abends, an dem wirklich alle noch einmal alles geben.
Setlist:
DRAW THE LINE
BLOOD
BR4INFCK
COME ALIVE
BLACK HEART
PIECES
INCOMPLETE (Backstreet Boys cover)
I WON’T BACK DOWN
DESTINY
TAKE THE PAIN AWAY
BEASTMODE
SIMULATION.EXE
Zugabe:
CHASING THE HIGH
Last Resort (Papa Roach cover)
CONTROL
Nachbericht und Fotos von Lukas Pförtsch.
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