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Veröffentlicht am: Juni 19th, 2016 | durch Florian Puschke

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Festivalbericht: Rock am Ring 2016

Eigentlich sollte ich euch hier von dem Wahnsinnsevent am Wochenende berichten; ich sollte euch eigentlich davon erzählen, wie gut oder schlecht die Bands waren. Aber da dies das erste Rock am Ring war, welches frühzeitig abgebrochen wurde – ein historisches Ereignis also – möchte ich euch lieber erzählen, wie ich persönlich die zwei Tage erlebt habe.

Ich war vorher noch nie beim Rock am Ring, aber die Ikone ist mir durch Erzählungen von Freunden bekannt. Ich weiß auch, dass viele ihren Sommerurlaub nach dem Festival ausrichten und daher die Enttäuschung über das abgebrochene Festival umso größer sein muss. Dennoch finde ich einige Aussagen vollkommen unverständlich – aber dazu später mehr.

Ich kam am Freitag an – über eine Mitfahrtzentrale hatte ich mir noch einen Mitfahrer ausgesucht. Er kam aus Berlin und wollte das Festival nur mit Rucksack und Wurfzelt alleine entdecken. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir zwar alle, dass es nicht das beste Wetter werden würde, aber keiner hatte mit diesem Tagesverlauf gerechnet.

Anders als normale Besucher fuhr ich auf den Presseparkplatz – dieser war gepflastert und direkt vor einer großen Halle auf dem „Media Center“ stand. Mit Schrecken hatte ich die Bilder von überfluteten und zermatschten Campingplätzen gesehen, unser Pressecampingplatz war dagegen ein Traum.

Nur ein einziges Mal lief ich über das komplette Gelände. Ich sagte noch zu meiner Fotografin, dass man bestimmt gute Bilder vom Riesenrad aus schießen könnte; wir wollten in den Hirsch rein und das Fahrtraining mitmachen. Aber dazu kamen wir nicht.

Ich schaute kurz bei Of Mice and Men vorbei und watete dann zurück zur Crater Stage, um mir etwas von Walking on Cars anzuschauen. Überall sah man verlorene Schuhe und hinfallende Menschen. Allerdings muss ich ehrlich sagen, war ich schon etwas verwundert: Seit über einer Woche war bekannt, dass das Wetter beim Rock am Ring nicht so berauschend werden soll. Dann aber als Besucher die Entscheidung zu treffen, nur mit FlipFlops und einem Kleid bekleidet durch den Matsch zu laufen und sich dabei zu verletzen, kann man dem Veranstalter nun wirklich nicht anhängen. Aber leider habe ich ähnliche Reaktionen im Internet immer wieder gelesen. Ja, ich bin auch der Meinung, dass der Veranstalter von Anfang an hätte Platten vor der Bühne auslegen können, aber genauso hätten eine Vielzahl von Besuchern ihre Garderobe auch einfach dem Wetter anpassen können!

Nach einer kurzen Pause ging ich ein letztes Mal während diesem Festival durch den Matsch. Ich schaute mir Breaking Benjamin an und blieb für Disturbed direkt stehen. Breaking Benjamin gehören zum Soundtrack meiner Jugend. Umso begeisterter war ich, als ich sie bei ihrem ersten Auftritt in Deutschland sehen durfte. Der Sänger der Band leidet offenbar an starker Flugangst, so dass sie mit dem Schiff über den großen Teich kamen. Bei ihrem Auftritt scheiden sich die Geister: Ich fand sie gut! Sie haben zwar keine außergewöhnliche Bühnenshow abgelegt – aber sie waren, meiner Meinung nach, auch nicht schlecht. Einige waren der Meinung, dass die Band einfach nur desinteressiert war.

Disturbed hatten wie immer gute Laune in großen Mengen verteilt. Was ich etwas seltsam fand, war, dass sie zu einem großen Teil bekannte Songs von anderen Bands spielten. Da ich einen Krampf im Bein bekommen hatte, nahm ich ab da die Privilegien der Presse in Anspruch und fuhr mit dem Presseshuttel zurück zum Media Center.

Und nun kommen wir zum spannenden Teil: Wie ich das Unwetter erlebte!

Wir wurden zu Tenacios D. vorgebracht und das erste was jedem von uns auffiel waren die dunklen Wolken in der Ferne. Ich ging vor die Bühne und innerhalb von 3 Minuten wurde es stockdüster. Wäre ich normaler Gast gewesen, hätte ich mir an diesem Punkt wahrscheinlich überlegt, ob ich nicht irgendwo Unterschlupf suche. Dann setzte die Eröffnungsmelodie ein und gleich darauf hörte man das erste grummeln am Himmel. Dann ging alles ganz schnell: Als erstes hörte ich die Durchsage, dass man von allen metallischen Gegenständen wegtreten solle und die ganze Masse bewegte sich. Als nächstes sah ich, wie die Fotografen aus dem Graben vor der Bühne getrieben wurden und ich begab mich zum Notausgang an der Bühne, um mit den Shutteln zurück zum Media Center zu kommen. Als ich hinter der Bühne war, hörte ich von unseren Fahrern nur: „Schnell ins Auto! Los!“ und in wenigen Minuten waren wir alle in die Autos gequetscht. Parallel dazu konnte ich im Hintergrund eine weitere Durchsage erahnen, die wohl die Leute dazu aufforderte das Gelände zu verlassen. Sobald die Türen geschlossen waren, begann der Platzregen und am Media Center angekommen, wurden wir durch den Notausgang in die Halle gebracht. Mittlerweile donnerte und blitzte es. Wir standen alle fassungslos in der Halle, denn wir konnten über einen Bildschirm beobachten, dass immer noch Menschen vor der Bühne standen. Irgendwann brach die Übertragung dann ab. Als sich der Sturm legte, hörten wir die Krankenwagen fahren und uns allen wurde sehr mulmig.

Die ganze Zeit hatte ich an meinen Mitfahrer denken müssen und hoffte stark, dass es ihm gut ging! Zu den restlichen Bands an diesem Abend schauten wir nur kurz vorbei, da wir damit rechneten, dass ein neues Unwetter aufkommen könne.

Tenacious D. hatten trotz der Unannehmlichkeiten eine gute, verkürzte Show gespielt. Allerdings, muss ich gestehen, traf es meinen persönlichen Geschmack nicht. Aber für alle Fans der Band und der Filme war der Auftritt bestimmt ein Highlight.

Panic! At the Disco konnte ich mir auch nicht entgehen lassen, da auch Sie einen großen Teil des Soundtracks meiner Jugend ausmachten. Ich fand die Jungs klasse, da sie eine der wenigen Bands waren, die wirklich Stimmung von der Bühne aus verbreitet haben.

Volbeat hatte ich schon einige Male gesehen und da ich von dem Tag und den Ereignissen so geschlaucht war, hörte ich mir die Band von meinem Feldbett aus an.

Am nächsten Tag setzten wir uns schon früh mit unseren Pressenachbarn zusammen und diskutierten über den vergangenen Tag und was der Kommende bringen würde. Dies war das erste Mal, dass ich von 42 Verletzten hörte. Als wir dann das Media Center betraten sahen wir auf den Tischen die Ankündigung zur Pressekonferenz. Noch etwas irritiert, dass diese parallel mit Bands lag, erfuhren wir erst nach und nach, dass fürs erste keine Bands spielen würden.

Die Pressekonferenz war für 14:30 angekündigt – um 16;00 betrat dann ein erschütterter Marek Lieberberg und seine Berater die Halle. Hier erfuhren wir zum ersten Mal wie viele Verletzte es wirklich gab – es waren 82 Menschen, von denen 2 reanimiert werden mussten.

Auch wenn es Andere nicht tun, aber ich kaufte Lieberberg seine Entrüstung ab! Er wiederholte mehrmals, dass die Entscheidungen die zu treffen seien, als erstes zum Wohle der Besucher sein müssen. Daher behielt er sich vor, dass Festival bis 20:00 auszusetzen. Denn zwischen 17:00 und 20:00 sollte eine neue Wetterfront auf Mendig treffen. Man versprach uns, dass wir stündlich informiert werden sollen – ein Versprechen, welches leider nicht eingehalten wurde.

Pünktlich um 16:30 wurden wir zurück in die Halle gebeten. Gegen 17.30 hörten wir Donner und sahen einige kurze Blitze. Offenbar war das Gewitter ganz knapp an uns vorbei gezogen.

Um 20:00 erfuhren wir dann über Facebook, dass die Headliner um 21:00 wieder spielen sollten. Die versprochene stündlichen Informationen hatte es, wie eben erwähnt, nicht gegeben. Wir saßen nun fast 10 Stunden in der Halle und warteten auf eine klare Aussage, bis auf die Pressekonferenz war nichts großes passiert.

Als Marek Lieberberg dann um 21:30 vor den Deftones die Bühne betrat, war er den Tränen sehr nahe. Er berichtete, dass er für den Sonntag, auf Grund der Wetterlage, keine Spielgenehmigung mehr hatte. Da stand für mich fest, dass wir nach Billy Talent abreisen würden.

Aber noch einige Worte zu den Bands, bevor ich abschließend einige Worte zum Festival sage: Die Show der Deftones war ein großer Erfolg und wahrscheinlich die beste Eröffnung, die man sich nach so einem Tag wünschen konnte. Der Sänger Chino animierte das Publikum und ließ sie so die Strapazen des Tages fürs Erste vergessen.

Danach ging es weiter mit den Red Hot Chilli Peppers. Von ihrer Show war ich nicht sonderlich überrascht, sie spielten ihre bekanntesten Songs runter und das Publikum sang mit. Ich würde nur dem Sänger der Band dringend raten, sich das mit dem Schnauzer noch einmal zu überlegen.

Als vorletzte Band für diesen Abend schaute ich mir Bullet for my Valentine an. Die Jungs habe ich auch einige Zeit lang gehört und es war auch das erste Mal, dass ich diese live sah. Ich fand sie großartig! Für mich gehörte die Jungs zu den besten Bands des Festivals, vielleicht war sie sogar die Beste! Obwohl auch sie schon einige Jahre Bühnenerfahrung haben, hatte ich nicht das Gefühl, dass sie nur wieder eine Show spielten, so wie es bei manchen anderen Bands der Fall war.

Zum Abschluss blieb noch Billy Talent. Ich musste erstaunt feststellen, dass die Zeit auch vor den Mitgliedern dieser Band nicht halt gemacht hatte. Dennoch legten sie eine super Leistung ab und Sänger Benjamin glänzt natürlich mit seiner einzigartigen Stimme. Für mich war das ein guter Abschluss, des doch eher ungewöhnlichen Rock am Ring.

Wie schon zwischen durch erwähnt, finde ich, dass der Veranstalter durchaus Macken im Konzept zugelassen hat. Ich fand es zum Beispiel äußerst fragwürdig, dass über den ohnehin schon zermatschten Boden des Geländes noch schwere Bagger fuhren. Dies hätte man vielleicht vermeiden sollen.
Allerdings muss ich den Veranstalter auch in Schutz nehmen. Ich verstehe die Enttäuschung der Besucher. Man hat 200 Euro plus Nebenkosten für ein tolles Wochenende ausgegeben und bekommt nur einen Bruchteil vom Erhofften geliefert. Aber alle tollen Vorschläge, die die Leute im Internet so bieten sind leider Käse.

Was hätte der Veranstalter gegen das Wetter ausrichten sollen? Keiner konnte im Vorfeld ahnen, dass die Unwetter am Samstag und Sonntag weitaus harmloser ausgefallen sind. Aber überlegt euch mal eins: Man hat am ersten Tag, durch das Unwetter 82 Menschen in Krankenhäuser bringen müssen. Eine enorme Zahl, die man nicht auch noch steigern wollte.

Was wäre gewesen, wenn man weiter gemacht hätte und der Blitz diesmal jemanden getötet hätte?
Dann hätten alle die Verantwortung dem Rock am Ring zugeschoben. Egal wie man es macht – einer motzt immer.

Ähnlich ist es mit dem Geld. Dass die Bands nicht spielen konnten macht MLK auch nicht reicher – im Gegenteil: Auch sie müssen die Unkosten weiterhin tragen.
Der Vergleich mit der Loveparade hinkt extrem nach. Bei der Loveparade haben nachweislich die Veranstalter Mist gebaut. Hier hat der Veranstalter versucht zum Wohle der Besucher zu handeln. Dass die Leute ihren tollen Platz vor der Bühne trotz Gewitter nicht aufgeben wollen ist mit Verlaub dumm. Ich weiß, dass nicht alle 82 Verletzte vor der Bühne standen und das Wetter ignoriert haben, aber leider haben viele genau das getan.

Abschließend kann ich nur sagen, man hat aus einer doofen Situation versucht das Beste zu machen und jeder der meckert, hat noch nie eine Veranstaltung oder ein Festival mitorganisiert und weiß demnach nicht, was da noch alles dran hängt!

Festivalbericht von Hannah

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