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Veröffentlicht am: Januar 30th, 2015 | durch Florian Puschke

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Festivalbericht: With Full Force 2014

Zum 21. Mal trafen sich rund 28.000 Besucher zum With Full Force 2014. In kürzester Zeit wird der Segelflugplatz von Roitzschjora, einem beschaulichen Dörfchen, zu dem härtesten Acker Deutschlands. Hier ist wie ich das With Full Force 2014 erlebt habe: Es war ein lauer Sommerabend, als wir in der kleinen Ortschaft mit dem schwierigen Namen nahe Leipzig ankamen. Die erste Aufgabe die wir zu erledigten hatten, war den Container zu finden, wo wir unsere Karten bekommen sollten. Dank der netten Securities hatte sich das Problem aber schnell gelöst. Kurz darauf saßen wir schon neben unserem aufgebauten Zelt und tranken unser erstes Bierchen.

Die Stimmung auf dem Force war die selbe wie immer: Friedlich. Mit unseren Nachbarn gingen wir direkt zur Bändchenausgabe und trotz der langen Schlange ging es zügig voran. Wie lange die Nacht ging ? Ich weiß es nicht, aber trotz der Party die um uns herum stattfand, schlief ich gut.

Am nächsten Morgen wollte ich direkt die erste Band sehen: Being As An Ocean. Ich hatte schon vieles von der Band gehört und war deswegen sehr gespannt auf deren Auftritt. Die Jungs erstaunten mich! Ich hatte ihrerseits nicht mit solch einer ruhigen und normalen Ausstrahlung gerechnet. Die Musik die sie spielten, liebten sie. Ähnlich erstaunt, war ich von der darauffolgenden Band : Of Mice And Men.

Ich ließ mich am Ende der Masse nieder und beobachtete die Menschen. Ich war zum zweiten Mal auf dem With Full Force und wieder hatte ich, anders als bei anderen Festivals, das Gefühl von Ruhe in all dem Trubel. Es treffen dort so viele verschiedene Menschen aufeinander und doch waren alle friedlich. Die Freundlichkeit der Besucher ging sogar soweit, dass sich immer wieder Menschen neben mich setzten und mich fragten warum ich so alleine dort saß. Über das ganze Festival hinweg erklärte ich den Menschen, dass das meine Art war ein Festival aufzunehmen und immer wieder entwickelten sich wunderbare Gespräche daraus.

Nach Of Mice And Men hatte ich keine bestimmte Band im Auge. Ich wanderte hin und her und schaute mir für kurze Zeit Milking The Goatmachine an. Die Band wo man vor lauter Maske leider nichts vom Schreien versteht. Trotz der geringen Menschenansammlung vor der Bühne wurde das dargebotene ordentlich gefeiert. Über den Tag schaute ich bei Blessthefall und Katakalysm vorbei. Beide Bands, so unterschiedlich sie auch sein mögen, waren einfach mitreißend. Keine der Bands hatte ich je groß verfolgt, aber das wird sich nun definitiv ändern.

Um 18:00 begann dann der Showdown des Wochenendes: DAS WM-Spiel! Der Zeltplatz war auf einen Schlag Menschen leer, alle strömten zum Festivalgelände und ließen sich vor den Bildschirmen nieder. Wie gebannt verfolgten alle das Spiel und als am Ende als dann feststand, dass Deutschland weiter war, fielen sich wildfremde Menschen vor Freude in die Arme.

Ich hatte das Gefühl, dass dieses Spiel dem ganzen Tag noch einen ganz neuen Ton verliehen hatte. Denn als direkt nach dem Spiel Callejon die Bühne betrat, sah man die komplette Menschenmasse einfach nur feiern. Ob es Callejon war die sie feierten (die wie immer ohne Frage top waren) oder das Spiel, das vermag ich nicht zu beurteilen. Aber wenn ich an diesen Moment denke, bekomme ich immer noch Gänsehaut. Nach Callejon ließ ich mich mit meinem warmen Bier in meinen Campingstuhl sacken. Wir waren so nahe an dem Festivalgelände, dass ich mich von den restlichen Bands von dort aus beschallen lassen konnte.

Der Tag darauf, war ein ruhiger…. zumindest was die Bands betraf …. fast. Meine Freundin und Fotografin, mit der ich das Force besuchte, war dank der prallen Sonne kurzerhand krebsrot sodass sie nicht nur vom Alkohol doppelt sah. Ich wiederum schaffte es an dem Tag bei Albereien, in einem Loch im Boden hängenzubleiben, woraufhin ich kurz darauf mal die netten Sanis besuchen konnte. Alles nur halb so wild, man muss ja alles mal getestet haben. Wenigstens schaffte ich es zu den Bands die ich unbedingt sehen wollte.

Spät angefangen mit Emil Bulls (zumindest die Hälfte bekam ich mit) und We Came As Romans, eine Band die ich nicht nur wegen ihrer Cover-Songs auf dem ‚Punk Goes Pop‘ Alben feiere. Ihnen und dem Publikum zuzuschauen entschädigte meinen ganzen Tag. Auf beide Bands habe ich mich im Vorfeld so gefreut, dass ich diese um keinen Preis verpassen wollte! Und natürlich musste ich mir Rob Zombie anschauen. Ich muss aber leider gestehen, dass ich seinen Auftritt gar nicht mal so gut fand. Man merkte den Regisseur in ihm, alles kam mir wie eine einzige Inszenierung vor, in der die Musik in den Hintergrund gedrängt wurde.

Der letzte Akt des Tages, zerstöre mein komplettes Bild. Eigentlich gehöre ich zu den Menschen, die Eskimo Callboy aufs härteste feiern und vergöttern. Ich kenne jedes Lied und habe ihre Schritte stets verfolgt. Das erste Mal habe ich sie sogar live auf dem With Full Force 2012 gesehen. Aber nun bin ich von der Band und von ihren Fans nur enttäuscht. Das war das einzige Konzert, dass ich nach 5 min direkt wieder verlassen habe. Meine Fotografin, hat dies aus einem anderen Grund ebenfalls getan. Meine Geschichte zuerst: Ich stand an meinem üblichen Platz und entschied mich etwas weiter vor zugehen. Ich wusste wie Eskimo Callboy Konzerte sind, wie ich schon sagte, war das nicht mein Erstes. Immer hatte ich höfliche Menschen erlebt, vor allem auf dem Force. Aber was ich dort erlebte, verschlag mir nachhaltig die Sprache. Sie begannen mit ihrer Show und auf einmal kam ich mir vor, als würde ich mir die Backstreet Boys in jungen Jahren anschauen. An mir vorbei rauschten kreischende Mädels, die mich rücksichtslos zur Seite schoben, junge Kerle, 10 Jahre jünger als ich, die nur um so weit wie möglich nach vorne zu kommen mir ihren Ellenbogen in den Magen rammten und auf einmal steckte ich fest. Unfähig mich selbstständig zu bewegen wurde ich von der Masse hin und her geschoben und hatte Angst gleich überrannt zu werden. In meiner Not tat ich es den anderen gleich und schubste mich zur Seite des Zeltes, wo ich Kopf schüttelnd den Platz verließ. Auf meinem Weg zurück zum Zelt traf ich auf meine Fotografin. Ich kenne sie schon seit Jahren und sie musste mir gar nicht erst erzählen, dass sie stinksauer war. Sie stand vor der Bühne um Fotos zu machen. Sushi (der kleine Hüpfer der Band) stand genau vor ihr und schüttet dumm grinsend eine Flasche Wasser über ihre Kamera. Wohl gemerkt hat diese einen nicht gerade kleinen Wert. Mit verdammt viel Glück, ist nichts kaputt gegangen. (Sollten Eskimo Callboy das lesen: eine Entschuldigung wäre angebracht!)

An dem Abend betranken wir uns einfach nur noch und vielen in unser Bett.

Am letzten Tag ging es uns wirklich nicht gut. Es war so unglaublich heiß, die Nacht vorher hatte uns geschlaucht und wir waren einfach nur faul. Leider ging es wohl vielen so wie uns, denn das Gelände war im Vergleich zu den vorherigen Tagen recht leer. Die meisten Menschen drängten sich unter das Zelt, wo es Schatten gab. Trotzdem rangen wir uns dazu durch, zu Memphis May Fire und His Statue Falls zu gehen. Dank Impericon besitze ich nun auch ein Shirt von Memphis May Fire, was mich im übrigen sehr gefreut hat. Denn nachdem ich diese Band gehört hatte, war ich begeistert. Auf dem Album fand ich sie recht lasch aber live gab es nichts auszusetzen. His Statue Falls war auch solide, aber aus irgendeinem Grund konnten sie mich nicht vom Hocker hauen.

Da es weder unter dem Zelt, noch in der prallen Sonne auszuhalten war ( vor allem für meine Krebs-farbende Freundin) gingen wir zurück, setzten uns in unser Auto, fuhren zur Wasserstelle und befüllten  alles was wir an Behältern hatten. Kaum hatten wir uns einen Eimer Wasser über geschüttet, schon waren wir wieder trocken. Wir hatten schon am Vormittag unser Auto zusammen gepackt und entschieden uns noch Bring Me The Horizon anzuschauen und abzuwarten ob Lemmy von Motörhead seine Stimmung im Vergleich zum vorherigen Festival gebessert hatte.

Bring Me The Horizon war wie immer der Hit! Das Album Sempiternal ist bei uns dieses Jahr das Fahrtenalbum gewesen, daher können wir heute alle Lieder mitsingen. Für mich war die Band mein Abschluss und Abschied vom With Full Force 2014. Wir warteten auf Motörhead, tranken noch ein Bier und sahen, dass Lemmy immer noch total abgefuckt von allem war. Immer wieder fielen ihm seine Bandkollegen ins Wort und versuchten, dass was er sagte irgendwie zu retten. Aber genau wie uns, gefiel seine Einstellung den wenigsten und so sah man wie mit uns einige andere Besucher das Gelände verließen und sich auf den Heimweg machten.

Das With Full Force hat einen gewissen Charme, es ist kein riesen Metalfest, auf dem man das Gefühl hat als Besucher unter zugehen. Fabelhaft finde ich am With Full Force die kurzen Laufwege. Wir hatten, wie schon erwähnt, das Glück recht nah an den Bühnen gewesen zu sein. Aber selbst von den äußersten Gebieten läuft man nicht länger als 20 min.

Was ich auch toll finde, ist das 5 Euro Überraschungsshirt von Impericon. Mir ist bewusst, dass es das auch auf anderen Festivals gibt und man das auch etwas teurer im Internet bestellen kann, aber ich assoziiere dieses Shirt einfach mit dem With Full Force.

Die Preise von den Essensständen sind durchschnittlich bis sehr human. Ich bin zwar bekennender Anti-Veganer, aber der Stand namens „Alles-Vegetarisch“ ist für mich mit Abstand der beste Stand dort. Das Essen was man bekommt ist frisch und super lecker und das Beste: Man wird davon wirklich langfristig satt! Ich hoffe sehr, dass der Stand auch nächstes Jahr noch da ist und wenn ihr das Full Force besucht- egal ob Veganer, Vegetarier oder halt nicht- meine Empfehlung: besucht den Stand !

Das beste Getränk (neben Bier natürlich) ist für mich die Erdbeerbowle mit gefrorenen Erdbeeren! Die gibt es als normalen Becher oder als 1 Liter Pitcher. Wenn es richtig warm ist, gibt es nichts besseres. Aber Vorsicht! Das Zeug knallt.

An dieser Stelle muss ich mich auch mal bei den netten Menschen des Bierstandes rechts von der Mainstage bedanken, besonders eine rothaarige Dame, die unsere Kamera ab und zu in Obhut genommen hat, wenn wir uns mal in die Masse stürzen wollten.

Generell gehen die Angestellten dort so nett mit einem um, so was erlebt man wirklich sehr sehr selten!

Das sind meine Gründe warum sich ein Besuch auf dem With Full Force wirklich lohnt.

Festivalbericht von Hannah

 

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