<

Interviews

Veröffentlicht am: März 14th, 2019 | durch Florian Puschke

0

„Too Little Too Late“: Shadows Of Defeat im Interview

Wer hat es erfunden? Die Schweizer!

Na, den Punkrock neu erfunden haben die fünf Jungs von Shadows of Defeat (SOD) aus der Schweiz nicht, aber sie haben es geschafft, das etwas Punkrock zu konservieren. Und zwar in 10 Songs auf dem selbst produzierten Album „Too Little Too Late“.

Wieder eine schön aufgemachte CD mit Songs, die an ihre ersten beiden Veröffentlichungen „Dead Language“ und „We’re writing our own Epitaph“ sicherlich heranreichen, ja, diese sogar ein wenig in den Schatten stellen.

Dem Tough Magazine standen Sie für ein nettes Interview zur Verfügung.


Hallo liebe Shadows of Defeat. Wobei erwischen wir euch gerade?
SOD: Beim Bier trinken und über das Tough Magazin lästern…Nein, natürlich nur beim Bier trinken und das allwöchentliche dumme Geschichten und Sprüche erzählen. Wir sind eigentlich mehr eine Selbsthilfegruppe als eine Band oder vielleicht auch schon ein „Club der nicht so ganz Anonymen Alkoholiker“.

Shadows of Defeat – Die Schatten der Niederlage. Wie kam es zu dem Bandnamen und ist Punkrock für euch nicht ein Gewinn?
SOD: Punkrock ein Gewinn? Da haben wir etwas verpasst. Wenn es das Bier zum halben Preis gibt horten wir es in unserem Proberaum und mit dem gesparten Geld kaufen wir unsere eigenen CDs auf. Aber ich denke du hast das nicht in diesem Sinn gemeint 😊. Vier von uns kennen sich schon seit über 25 Jahren und seit dieser Zeit machen wir auch schon zusammen Musik. Und die restliche Zeit fuhren wir zusammen Skateboard oder gingen an Konzerte. Emanuel ist unterdessen auch schon 15 Jahre bei uns, deshalb ist die wöchentliche Probe eher ein Herrenabend oder ein Familienabend als eine Bandprobe. Also ja, unsere Punkrockband ist definitiv ein Gewinn für uns alle und hält unsere Freundschaft zusammen. Auch wenn es für unsere persönliche Entwicklung wenig hilfreich ist…

Den Namen haben wir zu Beginn mehrfach gewechselt, weil wir mit der Entscheidung nie richtig zufrieden waren. Irgendwann kam Shadows Of Defeat in die Auswahl und da wir alle Good Riddance lieben, blieben wir diesmal auch dabei. Sicher auch, weil sich die Anzahl der Konzertauftritte langsam häuften und ein erneuter Namenwechsel nicht sehr förderlich gewesen wäre. Der Name passt aber schon zu uns, da wir oftmals sozialkritische Texte haben, wir versuchen aber das Negative immer wieder ins Positive zu kanalisieren. Viele denken aber bei unserem Namen eher an Metalcore.

Punkrock aus der Schweiz! Eine neue Scheibe, die rockt. Erzählt was zur Entstehung von „Too Little too Late“…
SOD: Im Sommer 2016 hatten wir eigentlich alle Songs für ein neues Album zusammen mussten aber auf Ende Jahr einen neuen Proberaum suchen. Ab Februar begannen wir mit den Aufnahmen und richteten nebenbei den neuen Raum ein. Unser Drummer erarbeitete einen Zeitplan mit einem best case, realistic case und einem worst case Szenario. Selbstverständlich haben wir das worst case scenario um mehr als das doppelte überspannt…Scheiss Bier Aktionen…

Andy, unser Drummer hat sich das Recording in dieser Zeit von Null auf selbst beigebracht, daher ist es immer noch eine gute Leistung. Am Anfang waren wir nicht überzeugt ob wir das wirklich selbst hinkriegen und vor allem auch zu einem Ende bringen werden. Aber Andy (A-H-audio.com) hat wirklich sehr viel Zeit geopfert und online Kurse gemacht und sich die nötigen Skills selbstbeigebracht…wie alles andere auch: Skateboarden, Gitarre spielen, Schlagzeug spielen…Scheiss Kerl… 😊

Shadows Of Defeat – Headwind

10 Songs in 30 Minuten Spielzeit. Ein sehr kurzweiliges Vergnügen. Was sind eure TOP 3 des Albums und warum?
SOD: Schwierige Frage. Wir mögen eigentlich alle Songs, das kommt aber auch immer auf die Stimmung an, wen du fragst oder ob live oder ab Platte. Grundsätzlich spielen wir aber alle Songs immer noch gerne live. Die 3 stärksten sind wahrscheinlich „Eidgenoss My Ass“ für seinen Spielfluss und die Energie, „Headwind“ für seine Eingängigkeit/Popcharakter und „Humanity Out Of Town“ für seine Abwechslung und technische Anforderung.

Euer Sound könnte von einer Fat Wreck Band stammen. Habt ihr eure alte Veröffentlichung „We’re Writing Our Own Epitaph“ denn schon an Fat Mike oder eine größere Plattenfirma gesendet? Und falls ja, wie war die Reaktion?
SOD: Ich habe „We’re Writing Our Own Epitaph” als Geschenk ohne viele zusätzliche Infos und Hintergedanken an den Fat Wreck Chords Shop in San Francisco geschickt. Wir haben aber nie erfahren ob diese CD ankam oder schon am Zoll als Nationale Bedrohung fachgerecht entsorgt wurde.

„The Color Scheme Of My Life“ nimmt gut mit. Ein starker Song. Wie viel Farbe steckt in eurem Leben als Punkband?
SOD: Wir sind alle kränklich bleich ausser unser Jamaika Hybrid Marcel. Ansonsten haben wir alle auch unsere 100 Prozent Jobs, aber die Band ermöglicht uns schon immer wieder einmalige Erlebnisse, welche unser Leben bereichern. In diesem Song geht es auch um die guten, alten Zeiten, wo man sich wöchentlich mehrfach traf und viel mehr Zeit miteinander verbrachte. Das kommt natürlich nicht mehr so oft vor, auch weil man mit dem Alter zu faul wird.

Das Cover des Albums wurde extra für euch von Luc Martin gezeichnet. Was will uns das Cover mitteilen und was bedeutet euch dieses Bild?
SOD: Wir mögen seinen Stil welchen wir von „The Shell Corporation“ kennen und wollten ein sozialkritisches Cover. Darauf ging er auch ein, ansonsten wollte er das Bild aber komplett nach seiner Vorstellung erarbeiten. Das Bild überzeugte uns alle sofort und wir sind sehr happy damit. Der gierige Business Typ, der die Welt ausbeutet und nur einen kleinen symbolischen Beitrag wieder in die Erhaltung der Welt steckt. Wir bekommen dafür auch immer wieder positive Feedbacks. Luc Martin scheint auch ein richtiger guter Typ zu sein, vielen Dank nochmals Luc!

Euer Stil ist im Großen und Ganzen über die Alben weg ähnlich geblieben. Wie urteilt ihr heute über Songs wie „Down to the Ground“, „Broken Promise“ oder auch „Sorry, there is no tea left“?
SOD: Unterdessen spielen wir keine Songs mehr vom ersten Album daher fehlt uns langsam auch ein wenig der Bezug zu diesen Songs. Aber wenn wir wieder einmal die alten Alben durchhören finden wir sie eigentlich immer noch in Ordnung.

Die „We are writing our own Epitaph“ CD war limitiert. Zudem eine schön gestaltete Aufmachung mit eingeklebtem Booklet. Was denkt ihr: Wie wichtig sind heutzutage solch Besonderheiten bei Veröffentlichungen?
SOD: Wir persönlich finden so etwas cool und haben Freude daran. Beim letzten Album haben wir aber sehr viel Zeit in dieses Popup Booklet gesteckt. Wir mussten jedes Booklet selbst von Hand kleben und finanziell war es ein komplettes Disaster, aber das war uns egal. Es gab aber auch ein paar Sammler, die alle unsere Versionen kauften, das ist ein schönes Gefühl dass dies jemand schätzt. Für grössere Bands ist es sicher enorm wichtig viele verschiedene Varianten zu veröffentlichen, um den schwindenden Abverkäufen entgegenzuwirken, ob das sinnvoll und fangerecht ist, sieht wohl jeder anders.

Auf der ersten Scheibe habt ihr mit „Empty Words“ einen Song mit einem richtig starken Text am Start. Was sind für euch denn leere Worte und was denkt ihr. In wie weit werden Songs wie diese von der Öffentlichkeit wahrgenommen?
SOD: Wir bekommen selten bis nie Feedbacks über unsere Texte ausser von meiner Mutter 😊 also los schreibt uns eure Gedanken! Daher schon einmal danke, dass du dich damit befasst hast. Ich persönliche komme eigentlich mit allen Menschen gut klar, aber Leute, die immer ihre grosse Klappe aufreissen und nichts bewegen oder einhalten oder sich über alles beklagen und an der Situation nichts ändern kann ich gar nicht ausstehen…und Andy wegen seinen unverschämten Talenten…

Wenn ihr einen großen Plattenvertrag angeboten bekommen würdet, mit der Auflage, drei Cover Songs und drei eurer alten Songs einzuspielen. Welche (Cover und eigene Songs) würdet ihr nehmen und warum?
SOD: Wir spielen meistens Cover Songs von Bands aus dem gleichen Genre, wir spielten einmal „Beds Are Burning“ von Midnight Oil welcher als schnelle Punknummer sehr gut funktionierte. Ansonsten denke ich folgende Covers welche wir auch schon oder immer noch Live spielen: Lagwagon „Violins“, Randy „They Fear Us“ und Propagandhi „The State-Lottery“.

Alte Songs nochmals aufnehmen ist nicht unser Ziel, obwohl Reto und ich sicher „Second Of September“ von unserer Demo CD in einer besseren Aufnahme verewigt hätten. Für mich hatte es immer einen faden Nachgeschmack wenn ein Song nach einem Wechsel zu einem grossen Label nochmals veröffentlicht wurde (Face To Face „Disconnected“(die Band hörbar ja auch selbst), Green Day „Welcome To Paradise“ oder Bad Religion „21st Century Digital Boy).

Tough Tipp: CD-Review „Shadows Of Defeat – Too Little Too Late“

Bitte entscheidet euch zwischen:
Melodic Punkrock vs. Pop-Punk
SOD: Melodic Punkrock, mehr Energie, Tempo und Rhythmik.

NOFX vs. Millencolin
SOD: NoFX auch wenn beide grossen Einfluss auf uns hatten.

Schatten der Niederlage vs. Niemals aufgeben
SOD: Immer „Niemals aufgeben“.

Ottmar Hitzfeld vs. Uli Hoeneß
SOD: Keine Ahnung, müssen wir als Punkband Uli wählen weil er den Staat beschissen hat? Nein, müssen wir nicht 😊

Bitte vervollständigt die folgenden Sätze.
Shadows of Defeat starten mit der neuen Scheibe durch, da …
SOD: …wir jung und wunderschön sind und die Menschheit wohl taub geworden ist

DIY ist …
SOD: …eine wichtige Einstellung für das ganze Leben und uns sehr wichtig, wir kennen es auch nicht anders.

Der größte Punk-Song aller Zeiten ist …
SOD: …von uns! Nein das Schöne an Punkrock ist doch auch die Vielfältigkeit. Es gibt so viele verschiedene Bands die (für uns wenigstens) alle anders klingen und ihren eigenen Platz mit ihren eigenen Hits haben. Es gibt keine Hierarchie. Und ansonsten wäre es im Melodic Punk Bereich wahrscheinlich ein Song einer grossen Band aus den 90er wie NoFX, Bad Religion, Lagwagon oder No Use For A Name.

Wer hat den Punk erfunden? Na klar, …
SOD: …Melodic Punk wohl Bad Religion mit „Suffer“.

Was bedeuten euch die folgenden Begriffe?
Headwind
SOD: Nie aufgeben, wenn du Gegenwind spürst Kopf hoch und weitergehen.

Club Konzerte
SOD: Heiss, verschwitzt, glücklich.

Punk Idole
SOD: Idole ist ein wenig übertrieben, aber wir bewundern zum Beispiel No Use For A Name für ihre melancholische Melodien, Strung Out oder Mute für ihre technische Fähigkeiten, allgemein viele 90er Bands aber auch neue Helden wie Adrenalized oder The Human Project.

Wal Hoffnung
SOD: Alle die sich für Tierrechte und für die Erhaltung der Umwelt einsetzen haben unseren grössten Respekt. Jede Hilfe und auch kleine Geste ist sehr wichtig und kann etwas bewirken.

Tough Magazine
SOD: Kannten wir bis anhin leider noch nicht, macht aber einen sehr guten Eindruck. Ich lese unterdessen auch gerne bei euch Berichte und Reviews. Vielen Dank, dass es noch Leute wie euch gibt, die viel Zeit in diese Sache stecken und auch kleinen Bands eine Plattform bieten.

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören euch!
SOD: Danke Dir, das hat Spass gemacht, schreibt uns an, bucht uns für Shows, hört nur noch unsere Alben und werdet mit uns alt 😊 …Wir spielen übrigens am 18.10. im Sabot in Wiesbaden, falls jemand in der Nähe ist, unbedingt mit uns ein Bier oder Schnaps trinken. Gruss aus der Schweiz!

Review von Thorsten im Februar 2019

Tags: , , , , , , ,



Über den Redakteur

Florian Puschke



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Aufwärts ↑
  • Letzte Posts

  • Newsletter

  • Archiv

  • Tough präsentiert:

  • Google Anzeige


  • Werben bei Tough Magazine