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Veröffentlicht am: April 27th, 2015 | durch Florian Puschke

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SchuldSpruch: Die Oi!-Band im Interview

Mit „Im Namen des Volkes!“ hat die Band SchuldSpruch aus Berlin ihr erstes Album veröffentlicht. Wir trafen die vier Musiker zum Interview und konnten einige interessante Fragen loswerden.

Hey zusammen. Stellt euch unseren Lesern kurz vor!
Der Folterknecht: Ich bin der Folterknecht, der mit den gar scheußlichen Tönen, die er seiner Gitarre entlockt, bis jetzt noch jeden Delinquenten dazu gebracht hat, alles zu gestehen. Bevor ich beim jüngsten Gericht des „Schuldspruch“ anfing, stellte ich mein Foltertalent in den Dienst einer anderen, relativ bekannten Band (1998 bis 2011) bei der ich allerdings auch durch meine Gesangskünste zu quälen verstand.

Der Richter: Ich habe das Amt des Richters inne, verfasse die Schuldsprüche und verkünde diese standesgemäß im Schweiße meines Angesichts. Nebenbei veranstalte ich mit meiner Organisations-Crew „Do Oi! Yourself“ Skinhead-/ Punk-Konzerte im Berliner Untergrund und verfasse gelegentlich Hasstiraden für Fanzines.

Der Henker:
Ich hau auf die Trommeln und bei mir aufm Schaffott endet früher oder später jeder mieser Strolch.

Wie habt ihr euch gefunden und wie kamt ihr zum Oi!-Punk?
Der Folterknecht: Eher zufällig wurde ich vom Henker 2011 (der, der auf den Trommeln herumhackt) bei einem 9Oi!-Konzert in Berlin entdeckt und da er wusste, dass ich den Dienst bei meiner eigenen Kapelle quittiert hatte, flehte er mich an, für Schuldspruch zu foltern.

Der Richter: Mit dem Henker musizierte ich bis Dezember 2010 in einer Berliner Trümmerkapelle, deren Ende zu besagtem Zeitpunkt besiegelt wurde. Da ich jedoch noch genug lyrischen Zündstoff im Schubfach hatte, der gern instrumental vertont werden wollte, beschlossen wir, uns mit anderen Musikanten zu einer neuen Band zu formieren. Mit dem Büttel und dem Folterknecht fanden wir genau die passenden Kampfgefährten.

Wie ich zum Oi! kam? So, wie fast jeder andere auch:

  • Jemanden getroffen, der aus der Szene kommt.
  • Kassette mit entsprechender Musik bekommen und für geil befunden.
  • Haare abgeschnitten, Stiefel gekauft, auf Konzerte gerannt.
  • Sozialen Abstieg eingeläutet.

Der Henker: Wie der Richter bereits verkündete, spielten wir bereits zuvor schon in einer Trümmer-Kapelle, und aufgrund gegenseitiger Sympathie und Hass auf das System beschlossen wir weiterhin zusammen zu musizieren und Gericht zu halten. Durch glückliche Fügungen stoßen dann der Büttel und der Folterknecht dazu und eins führte zum anderen.

Wie kam der Name SchuldSpruch zustande?
Der Richter: Welcher Bandname ist treffender, um ein musikalisches Standgericht wie das unsere kurz und prägnant zu bennenen, als „SchuldSpruch“? Wir haben uns diese Frage immer und immer wieder gestellt, uns in unzähligen schlaflosen Nächten die Köpfe zermartert, kamen aber zu keinem Ergebnis. Der Name ist – um es mit den Worten Angela Merkels zu sagen – alternativlos!

Das Album „Im Namen des Volkes!“ ist im Dezember 2014 erschienen und es geht im Groben und Ganzen um Dinge, die hier im Land schief laufen bzw. Dinge, die jeden stören! Könnte man das so stehen lassen?
Der Folterknecht: Ja, könnte man.

Der Richter: Nun, dass die besungenen Themen maßgeblich Zustände beschreiben, die in die falsche Richtung laufen, kann ich unterschreiben. Da die Bürger dieses Landes ihr komplettes Leben in sozialen Netzwerken veröffentlichen, sich dabei an „Frauentausch“ und ähnlichen Perversionen im Privatfernsehen ergötzen und teilnahmslos hinnehmen, dass die Zukunft von Staat und Gesellschaft durch die notorisch wiedergewählten Marionetten vernichtet wird…wage ich zu bezweifeln, dass diese Missstände von jedem gesehen oder gar als störend empfunden werden.

Ihr habt somit gleich das erste Album genutzt, um viele Dinge loszuwerden. Welche Themen werdet ihr bei neuen Songs benutzen, oder geht es so direkt und deutlich weiter?
Der Folterknecht: Vielleicht machen wir auch mal was ganz neues, noch nie Dagewesenes und singen über Ficken, Saufen, Randale und Haarkurzschneiden …

Der Richter: Mit der Tür ins Haus zu fallen, empfinde ich als Notwendigkeit, wenn man schon den Aufwand betreibt eine neue Band zu gründen und dann auch noch wertvolles Vinyl mit den akustischen Erzeugnissen besudelt. Alles andere ist in meinen Augen überflüssiges Wiederkäuen der Texte vergangener Jahrzehnte…füllt aber seltsamer Weise die Seiten der Mailorder und die Line-Ups der Festivals.

Der Henker: Hätten wir lieber bis zum x-ten Album warten sollen, um das alles anzusprechen? Ich sehe das wie der Richter, direkt mit der Tür ins Haus, Fronten geklärt, aus.

SchuldSpruch – „Im Namen des Volkes!“-Appetizer

Was hat es mit dem Song „Zur Pfettigen Pfanne“ auf sich? Gibt es so einen Imbiss wirklich?
Der Henker: Gegenfrage: Gibt es Imbissbuden, die nicht so sind? Das nächste mal, wenn du flanieren gehst in deiner Stadt, schau Dir die Imbissbuden mal an…von München bis zur Waterkant gibt es solche Buden, und mit diesem Lied huldigen wir ihnen, da sie nüchtern einem die Galle hochtreiben, aber im Suff jeder gerne in solche einfällt und auch mal darüber hinwegsehen kann, wenn die nette Gabi die Bouletten serviert, die in Fett schwimmen und direkt vor Dir schon zweimal aufn Boden gefallen ist (damit darf sich auch das „Imma uff“ in Berlin gegrüßt fühlen).
Aber kurzum, ich habe kurzzeitig in einem kleinen Imbisswagen gearbeitet, den ich auch selber noch renoviert habe..n halbes Jahr ungefähr..und irgendwann kam mal der Folterknecht mit diesem schönen Stück in den Proberaum, jeder hat n paar Zeilen dazu beigetragen und fertig war die Laube.

Um das Gesamtpaket perfekt abzurunden, nennt ihr euch „Der Richter“, „Der Henker“, „Der Folterknecht“ und „Der Büttel“; ausserdem gibt es keine Songnummern, sondern Paragraphen – wie kamt ihr auf die Idee?
Der Folterknecht: Was heißt hier „Idee“? Das sind unsere Berufsbezeichnungen, keine „Ideen“.

Der Richter: Die Betitelung auf dem LP-Cover als Paragraphen vorzunehmen, ist im Gesamtkonzept eines musikalischen Gerichts nur naheliegend.

Der Henker: Wäre etwas unsinnig, wenn wa uns „Tick, Trick, Track und Daisy“ genannt hätten, wa?

Wie geht es in naher Zukunft weiter?
Der Folterknecht: Es wird keine Zukunft geben – weder eine nahe, noch eine ferne. Die Welt geht unter und wir halten Gericht. Das mit Jesus und seinen Apokalyptischen Reitern war lediglich ein Übersetzungsfehler aus dem Aramäischen. Ursprünglich waren wir damit gemeint.

Der Henker: Wir proben, lachen über Fäkalwitze, trinken, hin und wieder werden wir mal live spielen und dann sehn wa weiter…wir haben keinen Knebelvertrag mit irgendwelchen Label-Bossen, denen wir jetzt 3 Alben schuldig sind…wir entscheiden, wann es wieder soweit ist, um unsere Hasstiraden gegen schwarz und weiß und alt und jung zu besingen. Böse Menschen kennen eben doch Lieder.

Vielen Dank, die letzten Worte gehören euch!
Der Henker: If you want to be a Hippie, then stick a flower in your pippie. Oink Oink und fette Beute!

Interview von Florian Puschke im April 2014

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