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Interviews

Veröffentlicht am: Januar 29th, 2018 | durch Florian Puschke

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Riot Company: Schlagzeuger Sascha im „Drunk ’n‘ Rude“-Interview

Mit „Drunk ’n‘ Rude“ ist das aktuelle Album der Riot Company auf dem Markt – wir haben mit Drummer Sascha über die Song und viele weitere, sehr interessante Themen gesprochen!

Hey, wo erwischen wir dich gerade?
Sascha: Moin, moin! Ganz allein und einfach vor dem Rechner. Wir sind ja nie so die schnellsten, bei der Gelegenheit noch einmal Danke für deine/eure Geduld und das Interesse an uns.

Ganze sieben Jahre ist es her, als euer letztes Album „Passion Punkrock“ erschienen ist. Was war los bei euch?
Sascha: Ja, da sind wir schon ein bisschen wie Metallica aber das is ja auch nix neues bei uns. Es waren jetzt rund sechseinhalb Jahre dazwischen und sonst waren es ja auch mindesten vier oder so.

Es ist ein Hobby und wir haben in aller Ruhe erstmal die letzten drei Scheiben und EPs live gespielt und ein paar Sachen ausprobiert bis es ernsthaft an neue Songs ging. Außerdem waren wir 2014 zum zweiten Mal in Indonesien, da war dann auch keine Zeit mehr um noch ins Studio zu gehen. Das Album war allerdings schon für Anfang 2016 geplant. Ende 2015 bin ich krank geworden und ein halbes Jahr ausgefallen, wir haben Konzerte abgesagt und konnten nicht live spielen bzw. überhaupt etwas planen. Die Jungs standen da auch voll hinter mir, das war natürlich sehr cool und sehr wichtig für mich.

Jetzt steht also mit „Drunk ’n‘ Rude“ der neue Longplayer in den Startlöchern. Wie liefen die Arbeiten am Album ab?
Sascha: Wie immer bei uns. Jemand kommt mit einer Idee zur Probe, wir feilen etwas daran rum und dann ist irgendwie ein neuer Song fertig. Mal dauert es etwas länger und manchmal ist er einfach fertig, nach dem 3. oder 4. Durchgang zumindest. Es kommt auch darauf an, wie weit der Song schon im Kopf oder auf dem Papier gereift ist. Dole und ich haben schon komplett fertige Songs mit zur Probe gebracht, die der Rest nur noch verstehen musste und an denen bis auf eine Pause oder vielleicht einem anderen Ton nichts mehr geändert wurde. Wir machen das wozu wir Bock haben und quatschen nicht jeden Gedanken tot sondern machen einfach. Wenn es cool ist, wird es gemacht und wenn wir es scheiße finden, dann halt nicht.

Die Songs drehen sich um Themen wie die Skinhead-Szene, das Punkrock-Leben oder auch das Erheben der Gläser. Gibt es einen Text, der euch besonders wichtig war, unterzubringen?
Sascha: Thematische sind wir uns da schon treu geblieben, wobei immer irgendwie unsere politischen oder sozialkritischen Statements kein Gehör finden, so ist zumindest unsere und vor allem auch meine Wahrnehmung.

Uns als Band sind genau deshalb alle Songs wichtig, die auf der Scheibe sind. Das Label Dss-Records wollte uns überreden, ein oder besser zwei, drei Songs runter zu nehmen, das war aber keine Option für uns. Ich will jetzt kein Fass aufmachen, aber wer unsere Platten nicht mit dem Textblatt in der Hand, gehört, gelesen und verstanden hat, hat uns als Band nicht verstanden und kann sich auch kein Urteil erlauben. Das, was die Leute auf der Platte hören, das sind wir, unser Leben und unser Sicht der Dinge und keine Geschichten, die von verkleideten WochenendOiPunkClowns vermarktet werden, dazu kommen wir ja noch.

Aber wie war die Frage?
…. ach ja. Also mir war „Antifascist Skinhead“ besonders wichtig, ich hatte einfach das Bedürfnis mal laut in die Szene zu schreien (in dem Fall durch Dole schrien lassen), dass Skinhead ein Lebensgefühl und keine Mode ist. Dass es keine Rolle spielt ob dem Skinhead ein „69-“, „SHARP-“, „Oi-“, „Red-“ oder „SKA-Patch“ auf der Jacke prangt oder sie/er dreier Martens oder 14er Ranger trägt, wir haben einen gemeinsamen Nenner, das ist was zählt. Es gibt überall noch Leute in der Szene, die nicht damit einverstanden sind, wenn „Skrewdriver“ oder „Endstufe“ Shirts auf den Konzerten herumlaufen.

Riot Company – Tough Magazine – Interview-Gruß 2018

Ihr habt den Ska mit eingebunden, was, gerade durch den Gesang, sehr gut zusammen passt – ihr lasst euch aber allgemein nicht gern auf Experimente ein, oder?
Sascha: Schön, dass es gefällt! Die Frage ist sicher nur ein Gag, um uns ein wenig mehr über uns schreiben zu lassen, ODER?
Wir sind der Meinung eine echt abwechslungsreich Scheibe aufgenommen zu haben und das in, nebenbei gesagt, nur fünf Tagen Recording plus zwei zum Mischen. Dazu gerne gleich noch mehr aber fangen wir vor 17 Jahren an…..

Wir haben ja schon auf der ersten Platte „Directors Cut“ mit dem „Whiskey Song“ eine Akustiknummert Akkordeon verbasstelt und das nur so aus Lust und Laune, zu einer Zeit als die Dropkick Murphys noch ein Geheimtipp und echt Punkrock waren. Auch „Whiskey in the Jar“ und unser „Medley“ zeugen da schon etwas von Experimentierfreude.
Auf der „Riot Anthems“, der wohl härtesten Scheibe, ist mit „Riot City“ und „Hildesheim“ auch zweimal Offbeat mit am Start, einmal mehr und einmal weniger. Mit „Appearences Are Deceptive“ ist wieder ne akustische Nummer mit dabei und das alles ist verpackt zwischen 11 weiteren Songs, die teilweise extrem hart mit Dobbelbass um die Ecke kommen.

Die „Passion Punkrock“ – eine Passion, von der „Szene“ mal wieder nicht so angenommen. Das Cover, welches sich an „Pulp Fiction“ orientiert wurde mal wieder genau so wenig verstanden wie der Rest auch. Die Scheibe ist zwar nicht besonders schnell oder hart aber durchgängig echter Punkrock und voller Überraschungen. „Dream of Liberty“ ist ein Cover eines indonesischen Liedermacher, dessen Sohn an Drogen starb, „Jonny“ eine Folknummer mit Akkordeon und TinWhistle (diese Flöte kommt direkt nochmal vor) und „This ain´t no lovers song“, eine völlig übertriebene Ballade über völlig übertriebene Balladen…naja, fast schon etwas langweilig.

Also im Ernst, wir sind Punkrock und machen worauf wir Bock haben aber langweilig oder vorhersehbar sind unsere Platten nicht. Die Frage wäre bei, zum Beispiel Evil Conduct, die gefühlte 15 mal das selbe Album aufgenommen haben, angebrachter. Nicht falsch verstehen, ich hör den „King of Kings“ gerne und außerdem weiß man, was man kauft.

Auf dieser „Drunk´N´Rude“ ist von allem was dabei. Hört einfach rein. Wem es dann doch zu langweilig ist, stellt es halt in die Ecke und erfreut sich an dem coolen Cover!

Was hat sich eurer Meinung nach, in der Zeit zwischen den beiden Veröffentlichungen, gerade in der Szene verändert?
Sascha: Das beantwortet unter anderem schon diese ominöse Veröffentlichung, von der wir hier sprechen. Die Rede ist vom aktuellem Longplayer „Drunk´N´Rude“. Der Song „Punk Sellout“ greift da eine immer krassere Entwicklung auf. Viele wissen doch gar nicht mehr was Punkrock oder Oi überhaupt mal bedeutet hat. Heute bestellst du bei Amazon das „Punk“, „Hardcore“, „Oi“ oder „Rock´n´Roll“ Starterset und du bekommst noch eine Empfehlung wie “…andere Idioten wie du bestellten auch…“ das ist doch keine Szene, das ist Bild-Zeitung!

Überhaupt Szene…. wo fängt die eigentlich an und wo hört sie auf? Wir sind so lang dabei und wissen es auch nicht mehr, das ist es wohl, was sich verändert hat.

Es gibt zwar Aktivist-en/-innen (ich hoffe ich habe es richtig abgekürzt und viele Grüße an die größte Werbewebsite für Deutschrock, OireSzene), die glauben bestimmte Grenzen definieren zu dürfen aber ich habe da jetzt keine konkrete Antwort, höchstens einen Wunsch.

Diese Entwicklung geht ja schon länger aber die letzten Jahre mit diesem Deutschrockboom… Deutschrock ist nicht unsere Szene, Deutschrock ist eine eigene Szene. Das sind Discogänger, Pauschaltouristen und Bierkönigfans, die deutsche Rockmusik hören, weil sie ja auch mal Okelnz gut fanden oder dir in der Kneipe ein Ohr ab kauen, dass sie ja auch mal Martens hatten aber mit weiSSen Schnürsenkeln und wie krass das alles war.

Das verstehen ja nicht einmal manche Leute aus der Szene, die jetzt lieber für 25 Eure eine CD bei Saturn kaufen, statt für 15 auf einem Oi!Konzert…. was für eine Frage… und wo sind meine Tabletten? Ich brauch erstmal einen Kaffee um runter zu fahren und wo ist meine Kotztüte?!!!
Was für eine Scheiße!!! Punk und Deutschrock überhaupt von mir in einem Absatz, ach was, in einer Zeile! Ich muss wirklich kotzen!
WAAAAAS? Ich soll die Frage beantworten? OK! Alles ist überkay!

Es hat sich geändert, sich über jede Konzertanfrage Gedanken zu machen. Aber nicht nur wegen den Leuten, denen das vielleicht nicht PC genug ist, nein auch wegen Leuten, denen es egal ist, dass Faschos auf ihre Shows kommen. Das war irgendwie mal anders. Es gibt gefühlt nur noch „dagegen“ oder „scheißegal“. Bands wie wir hängen irgendwie dazwischen. Wir haben mal mit Bands gespielt, die dann irgendwann Penner wurden, na und(?), das haben „The Police“ auch schon aber vor „MySpace“ oder jetzt „Facebook und Co“ hat man das zum Teil ja nicht einmal mitbekommen. Heute ist man da einfach der Gefickte obwohl man nichts dafür kann. Oder man hat das Glück im Moment voll angesagt zu sein, da ist es dann erstmal Nebensache, solange bestimmte Leute damit Geld verdienen. Dazu kommen wir ja in der nächsten Frage.

Riot Company – Rude ’n‘ Pride – Albumteaser

Wie steht ihr den Bands gegenüber, bei denen man ganz deutlich merkt, dass es ihnen nicht um den Kult, sondern den Kommerz geht?
Sascha: Es gibt Bands, denen wünschen wir alles Gute! Geil von der Mucke, die man liebt, leben zu können, das ist doch Punkrock… oder jetzt doch nicht? Aber da steht der Kult ja wenigstens noch als Teil der Bandgeschichte. Alles cool aber beantwortet ja nicht die Frage.

Es gibt Bands, die sind so unehrlich und unauthentisch, da lachen wir uns krumm! Das Schlimme ist nur, dass solche Bands die Plätze auf den Festivals und in den Plattenregale besetzen, wo eigentlich coole Leute stehen könnten.

Meint ihr bestimmte Bands, die sich Tradition auf die Fahne schreiben und sich auf den eigenen Konzerten verkleiden um Szene zu sein?

Oder diese ganz normalen Typen, die da plötzlich als schlechte Onkelzkopie auf allen Festivals und Playlisten auftauchen und denken mit New Balance ist man jetzt im Club? Tattoos sind doch nicht mehr Szene, wenn ich das immer höre: „JA, aber die sind ja auch so krass zugehackt!“ Na und?

„Ja Sorry?? Alter, was hast Du gesagt? Hier auf’m Kiez is nix mit Sorry. Paar auf die Fontanelle, Messer in Bauch, Kugel in‘ Kopp. Das is ’ne angemessene Reaktion! Du musst Dich ma‘ grade machen!“ .

Leute echt mal! Hauptsache es steht London, Schwede oder so mit dabei, Hildesheim is da nicht so geil, versteh´ ich ja. Na dann macht mal auf fetten, internationalen Rockstar bis ihr platzt!

Fickt Euch! Das trifft es da wohl am ehesten. Fickt Euch und verpisst Euch!

Wichtig war und ist euch immer noch das Vinyl – wie steht ihr allgemein dazu? Freut ihr euch auch so wie ich, dass die Platte gerade eine Re-Union feiert?
Sascha: Sehr geil und längst überfällig. CD oder MP3 läuft im Hintergrund, eine Platte legt man aber auf um sie zu hören! Leider machen aber auch wieder Bands Vinyl, denen das keine Herzensangelegenheit ist, sonder wieder nur Trend.

Seid ihr schon gespannt, wie die Songs live ankommen und was können die Fans erwarten?
Sascha: Es scheint zu klappen …wir spielen ja relativ wenig live aber ein bisschen was ist geplant für dieses Jahr. Es darf 177% Punkrock mit ein paar versteckten Songs erwartet werden, voll auf die 12 ohne langes, unnötiges Gequatsche, Bierpausen ausgenommen. Wenn wir auf die Bühne gehen, haben wir bis zu zwei Stunden im Gepäck, wie lange wir spielen liegt dann an dem Veranstalter und an den Leuten.

Jetzt noch ein paar kurze Fragen abseits des thematischen Mittelpunkts. Welche Musik läuft derzeit bei dir privat?
Sascha: Zu 98% nix deutschsprachiges. Von Cash über Ramones und Motörhead bis Slayer.

TV oder Serie? Was packt euch gerade?
Sascha: Ich glaube Serien, sitz´ ja hier allein am Rechner aber das bekomme ich am Rande so mit.

Was war dein letzter Kinofilm?
Sascha: …keine Ahnung. „Herr der Ringe“ bei mir, glaub ich…

Angegrillen…wann und wie? Klassisch oder mit irgendwelchen Besonderheiten?
Sascha: Bald, wir haben ja schon fast Februar, dann aber Oldschool mit Bier, Wurst und Fleisch!

Was sind deine Lieblings-Superhelden und warum?
Sascha: „Darkwing Duck“, mit Anlauf ganz naiv in die Scheiße treten, trotzdem weiter machen und sich treu bleiben, das passt irgendwie zu uns.

Schauen wir mal etwas zurück – gibt es Idole aus eurer Kindheit, die ihr nie vergessen könnt?
Sascha: „Colt Seavers“ und „Guns´N´Motherfuckin´Roses“!

Vielen Dank für eure Zeit, die letzten Worte gehören euch!
Sascha: Dank für das Interview und macht so weiter, hier ist ja echt noch eine Plattform für alle die handgemachte Musik hören und/oder machen, cool! Danke an alle, die unsere Scheiben schon mal gekauft haben und/oder werden und uns unterstützen, ob nun live, im Netz oder wie auch immer…see you at the bar!

Interview von Florian im Januar 2018

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Florian Puschke



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