<

Interviews

Veröffentlicht am: März 11th, 2019 | durch Florian Puschke

0

„HEYDAY“: Fiddler’s Green im Interview

Mit „HEYDAY“ ist das neue Album von Fiddler’s Green erschienen. Wir haben uns mit Frank (Schlagzeug, Percussion) über die neuen Songs, die Tour und weitere Themen unterhalten!

Hallo ihr lieben. Vielen Dank dass ihr euch Zeit nehmt. Wobei erwischen wir euch gerade?
Frank: Wir stecken gerade in der heißen Phase unserer Promoarbeit zu „HEYDAY“. An so einem Release hängt wahnsinnig viel dran, was man sich als Zuschauer oder Fan möglicherweise gar nicht vorstellen kann. Vom Unterschreiben der Tausend Autogrammkarten für die Fanboxes, über das Produzieren von Videos und Bildchen für die sozialen Plattformen, bis hin zum Aufnehmen von Musikvideos und eben das beantworten der Interviews gehört alles dazu. Und ab jetzt beginnen dann auch die Proben für die anstehende Pub-Tour und Auslandsshows. Uns wird also nicht langweilig.

Bereits seit 1990 zusammen, habt ihr nun mit „Heyday“ euer neues Album am Start. Was ist anders bei dieser Veröffentlichung als bei den Scheiben zuvor?
Frank: Jedes Album hat eine eigene Geschichte, immer ist etwas anders und wenn es nur unser Alter ist, welches wir beim Aufnehmen des neuen Materials hatten. HEYDAY haben wir mit dem Produzenten JÖRG UMBREIT alleine erarbeitet. Zuvor gab es noch beim Album DEVIL’S DOZEN das Team mit VINCENT SORG, dieses mal waren wir nur zu siebt. Und inzwischen kennen wir uns sehr gut, nehmen keine Hand vor den Mund und jeder fühlt sich wohl beim Musizieren. Die Atmosphäre war dadurch intimer und lockerer, ohne an Konstruktivität zu verlieren. Wir hatten uns wiedermal ausgiebig Zeit fürs Experimentieren genommen und wollten möglichst viel Energie auf diesem Album transportieren, haben also gerne mal geschaut, ob der ein oder andere Song nicht noch schneller spielbar ist.

Ihr bezeichnet eure Musik als Speedfolk. In eurer Musik hört man aber auch Einflüsse von Punk, Metall, Reggae und Rock-Musik. Welche Stilrichtungen hört ihr privat und wie kam es dazu, dass ihr zusammen dem Speedfolk huldigt?
Frank: Der Speedfolk war ja unsere Wortschöpfung nachdem wir lange nicht wussten, wie wir unseren Stil bezeichnen sollen. Bei der Bezeichnung des klassischen Folks steckt nicht so die Geschwindigkeit und Energie von Fiddlers drin, so dass es eben diese eigene Bezeichnung gebraucht hat. Privat hören wir alle alles. Da gibt es zwischen den Personen große Unterschiede, aber auch innerhalb der einzelnen Musiker ist die Bandbreite recht groß. Und ich glaube der einzige gemeinsame Nenner aller sechs Fiddlers sind die großartigen POGUES.

Fiddler’s Green – One Fine Day

Direkt zu beginn des Albums haut ihr mit „The Freak Of Enniskillen“ eine echte Granate raus. Wer oder was ist dieser Freak und ist der genauso tanzbereit, wie die Hörer diese Nummer?
Frank: Der Protagonist in diesem Song ist ein wirklicher Freak. Er kommt schon mit einer Flasche Alkohol auf die Welt, klaut dann einen Leichenwagen direkt nach der Geburt vor dem Krankenhaus und rast damit direkt zum Kindergarten. Also total skurrile Geschichte, die den Fiddlers Songs immer sehr gut zu Gesicht stehen, wie ich finde. Irgendwie steckt das auch in uns. Wir sechs Musiker haben selten das Verlangen zum Beispiel ein klassisches Liebeslied oder ähnliches zu schreiben, irgendwie zieht es uns dann immer zur Ironie, Witz oder sonstigem unkonventionellen textlichen Spielarten, die unserer Meinung nach auch super mit dem musikalischen Output harmonieren. Und wie Du schon schreibst, geht der Song voll nach vorne, so dass schnell klar war, dass die Nummer der Opener des Albums werden muss.

No Anthem“ als erste Single des aktuellen Albums. Wie wurde diese angenommen und wie schafft ihr es, auch nach den vielen Veröffentlichungen immer noch „real rebel Songs“ zu schreiben?
Frank: Leider zwingt uns die Stimmung in unserem Land, in Europa und auf der ganzen Welt, Stellung auch musikalisch zu beziehen. Haben wir dies das letzte Mal wohl vor über zehn Jahren gemacht, hatten wir auf HEYDAY das Verlangen dem Populismus auch musikalisch mal wieder einen Riegel vorzuschieben. In Statements gibt es das von uns regelmäßig, aber eben nicht in Songs. Und da derzeit viele Rattenfänger versuchen Hetze und Angst zu verbreiten, um ihre scheinbaren Werte durchzusetzen, ist es wieder wichtig geworden hier eindeutige Zeichen zu setzen. Und damit diese Haltung nicht untergeht, war es uns wichtig, NO ANTHEM als ersten Aufschlag von HEYDAY zu nehmen. Und im großen und ganzen waren die Reaktionen dazu sehr positiv, was uns natürlich gefreut hat und zeigt, das unsere Fans auf der richtigen Seite stehen.

Auch das Titelstück „Heyday“ rockt ganz gewaltig. Sicher auch live dabei, oder? Was empfindet ihr wenn neue Songs in die Setliste integriert werden. Habt ihr schon ein Gefühl, ob das passt und bei welchen Stücken habt ihr euch bisher gewaltig geirrt?
Frank: Ja, danke, finden wir auch, dass HEYDAY gut nach vorne geht und es ist nicht ausgeschlossen, dass er es auch ins Live-Set schafft. Ich persönlich habe immer größten Respekt vor neuen Songs und neue Setlists bei Live Shows. Ich liebe es, wenn Songs im Konzertalltag breit gelatscht wurden, bei jedem Musiker eine Spielroutine vorhanden ist und man in die Ebene der Interpretation gelangt. Am Anfang gibt es immer eine gewisse Unsicherheit, die bestimmt teilweise auch das Publikum spürt. Und dabei ist auch nie vorhersehbar, wie der ein oder andere Track live funktionieren wird. Manchmal stampft man nur eine Bassdrum in der Strophe, alle Hände der Zuschauer gehen nach oben und es wird gehüpft und getanzt. Manchmal passiert aber auch gar nichts. Es ist leider wenig vorhersehbar, bzw. braucht es manchmal auch ein paar Shows, bist der Song XY funktioniert. Dazu drehen wir dann auch teilweise noch an der ein oder anderen Stellschraube, wie Tonhöhe, Geschwindigkeit oder ähnliches. Unser inzwischen kleine Szene Hit VICTOR AND HIS DEMONS hat zum Beispiel anfangs live nicht wirklich funktioniert. Da stand das Publikum nur da und hat zugehört. Jetzt ist der Song sowohl auf YouTube, als auch bei Konzerten der totale Kracher.

Fiddler’s Green – Cheer Up

Mit dem „Together as one“ Stück schließt ihr die Scheibe. Sehr ihr euch selbst auch als Einheit, oder eher als Individuen, die gerade dann stark werden, wenn sie wieder im Fiddlers Green Kosmos sind?
Frank: Ich finde das schließt sich nicht aus. Mit der aktuellen Besetzung, die nun seit 2006 besteht, haben wir die beständigste Konstellation. Wir sind alle sehr unterschiedlich und doch auch wieder nicht. Es gibt immer eine gemeinsame Ebene und gestritten wird sich eigentlich nur über totale Kleinigkeiten, wie Abfahrtszeiten oder kulinarische Ausrichtungen. Und falls wir dann im Klinsch lagen, einer mal nicht so gut drauf ist, jemand Krank ist oder sonst irgendwelche Stimmungstiefs unterwegs waren, sobald wir gemeinsam die Bühne betreten, entsteht das Fiddlersmonster aus uns sechs Bauteilen und walzt alles um. Das ist schon immer wieder interessant mit zu erleben.

Die Live Tour steht an und auch Festivals sind gebucht. Was ist für Eich die interessantere Angelegenheit. Ein Clubkonzert oder die große Festivalbühne?
Frank: Meiner Meinung nach hat beides seinen Reiz und mir geht es so, dass ich nach einer längeren Clubtour total Lust auf Festivals habe und nach einer ausgiebigen Festivalsaison zurück in die Clubs mit eigenem Headlinerprogramm möchte. Auf Festivals erlebt man natürlich mehr, sieht viele andere tolle Künstler und hat eigentlich weniger Verantwortung, da man ja nicht alleine als Band den Abend meistern muss und auch nicht für Zuschauerzahlen die Verantwortung trägt. Aber die Nähe zum Publikum hat man natürlich mehr in Clubs und man kann mehr ins Detail gehen, da die Spiellänge nochmal eine andere ist und die Nähe zum Publikum mehr gegeben ist.

Die Setlist der neuen Tour. Wie stellt ihr diese zusammen? Macht sich jeder seine eigenen Gedanken oder bespricht ihr das kurz und knapp im Proberaum?
Frank: Im Prinzip ja. Jeder wirft erst mal in den Topf, was er spielen will und dann wird abgestimmt und im Proberaum ausprobiert. Die Videosingles sind natürlich gesetzt und es gibt weitere Songs, bei denen wir uns alle sechs von Anfang an im Klaren waren, dass man diese live performen muss. Und dann wird eben selektiert und abgestimmt. Da wir aber nicht die ganze CD spielen können, um noch Platz für ältere Songs zu haben, wird es gar nicht mehr so viele Kandidaten geben, die einer solcher Abstimmung bedürfen. Aber wir haben jetzt erst mit den Proben begonnen und noch ist sehr viel möglich.

Bei Clubkonzerten gibt es hier und da sicher den ein oder anderen Fankontakt. Wie beschreibt ihr die Beziehung Band zu Fans und was denkt ihr erwarten die Fans live von euch?
Frank: Ich glaube, dass Fiddlers eine sehr geerdete Band ist. Wir zeigen uns ja immer nach den Shows am Stand für Merchandising und unterschreiben alles, was man uns entgegenhält. Also Fannähe ist kein Fremdwort für uns. Und wir wissen es auch zu schätzen, dass immer wieder so viele Fiddlersbegeisterte Leute zu unseren Konzerten kommen und die Konzerte in einen Hexenkessel verwandeln.
Um den zweiten Teil deiner Frage zu beantworten: Wenn wir uns die Rückmeldungen der Fans anhören, so freuen sie sich bei einer Fiddlers Show über einen ekstatischen Abend, bei dem man sich viel bewegt und der einem hilft, zumindest für kurze Zeit, den tristen Alltag zu vergessen und über das ein oder andere Problem hinwegzusehen. Also ich denke, dass unsere Konzerte durchaus ein Spender für positive Energie sind. Diese Erwartung versuchen wir eben stets zu erfüllen, worin ich auch die Stärke der Band sehe.

Fiddler’s Green – No Anthem

Ihr habt 2012 ein Akustik Live Album veröffentlicht. Ist bei den kommenden Konzerten auch ein Akustikteil geplant oder nur Vollgas?
Frank: Derzeit sieht die Präsentation von HEYDAY keinen Akustikteil vor, abgesehen von dem traditionellen Geigen-Trommel-Solo und kleinen Parts während der Vollgas-Tracks. Inzwischen trennen wir das ja auch, so dass nach einer Plugged-Tour meist eine Unplugged-Tour folgt, bei der wir dann ausschließlich mit Akustikinstrumenten und Stehschlagzeug performen. Die Verstärker bleiben dann zuhause, wir sitzen auf Barhockern und haben gefühlt 100 unterschiedliche Instrumente im Gepäck.

Die Top 3 der Fiddlers Green Songs. Was denkt ihr würden Fans wählen und welche Songs sind für euch persönlich die wichtigsten eurer Karriere?
Frank: Oh, gar nicht so einfach das auf drei Stück zu beschränken. Ich versuche es. Als Nummer 1 sehe ich „THE ROCKY ROAD TO DUBLIN“. Nummer 2 wäre meiner Meinung nach „VICTOR AND HIS DEMONS“. Tja und dann wird es sehr schwer: „BLARNEY ROSES“, „YINDY“, „THE NIGHT PAT MURPHY DIED“, usw…

Bitte entscheidet euch mit Begründung.
Erlangen Vs. Hinlangen:
Frank: Erlangen. Hinlangen klingt nach #metoo.

Heyday Vs. Devil’s Dozen:
Frank: HEYDAY. Weil dieses Album jetzt erscheint und wir brauchen das Geld :-)

CD Vs. Streaming:
Frank: Streaming. Das ist unkompliziert, schnell und hat so viele weitere Vorteile. Die Tage der CD sind gezählt.

Fiddlers Green Vs Yellow Submarine Vs. Red Nose Day:
Frank: Fiddler’s Green. Die Farbe grün transportiert so viel positives!

Was bedeuten euch die folgenden Begriffe?
Beständigkeit
Frank: Ist wichtig im Leben, sonst zerlegt es dich irgendwann.

Better You say No
Frank: Lieber mal nicht zu früh binden und wenn, braucht es keine Kirche dafür oder Hochzeit.

Charts
Frank: Irgendwie nichts mehr Wert, aber ganz ausblenden schafft man auch nicht.

Merchandise:
Frank: Mega geile Erfindung. Schaut gut aus, hilft die sinkenden CD Verkäufe zu kompensieren und hält manchmal warm.

Tough Magazine
Frank: Ich finds toll, dass ihr Sea Shepherd supportet!

Lieben Dank – die letzten Worte gehören natürlich euch!
Frank: Ganz ehrlich, das Interview war so lang, ich brauch jetzt erst mal ein Guinness. Also ist mein letztes Wort PROST!

Interview von Thorsten im Februar 2019

Tags: , , , , , , , , ,



Über den Redakteur

Florian Puschke



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Aufwärts ↑
  • Letzte Posts

  • Newsletter

  • Archiv

  • Tough präsentiert:

  • Google Anzeige


  • Werben bei Tough Magazine