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Veröffentlicht am: November 16th, 2014 | durch Florian Puschke

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Die Dorks: Sängerin Lizal im großen „Interview“!

Hallo Lizal. Wobei erwischen wir dich gerade?
Lizal: Eigentlich total klischeefrei, ich komme nämlich grad vom arbeiten. Habe mir gerade gemütlich einen Kaffee gekocht und setze mich jetzt an deine Fragen!

Du bist die Frontfrau der Punkband Die Dorks und hast (nach eigenen Angaben) dicke Eier! Muss man die auch haben, um sich durchzusetzen?
Lizal: Definitiv! Aufgrund meiner sehr offenen Art hatte ich zwar nie Probleme gute Kontakte zu knüpfen, aber es erging uns auch nicht anders als anderen jungen Bands. Man muss sich lange durchbeißen um Anerkennung in der Szene zu finden. Ich selbst empfand es die Anfangszeit schon schwer in der Szene Fuß zu fassen, vor allem weil wir eben nicht das Image einer typischen „Female Fronted Band“ ausstrahlen. Ich glaube es gibt schon männliche Kollegen in der Szene die ein Problem mit mir haben oder haben könnten, weil ich eine große Schnauze habe und mich nicht mit dem „Tittenbonus“ profilieren muss und möchte ;-)  Es gibt leider in der Szene einige Frauenbands, die durch sexy Image punkten und erst zweitrangig durch die Musik oder Texte auffallen. Textlich geht`s leider auch bei sehr vielen um Liebe und Shalala. Das ist sehr schade. Klasse Ausnahmen sind da z B. so tolle Sängerinnen wie Meiky von SCHLEPPHODEN, die auch anderes zu sagen haben als nur so`n Gedudel! Also von dem Standard „Female-Fronted Gedöns“ wollte ich mich von vorne herein abheben und mit individueller, ehrlicher Musik glänzen bzw. nicht durch das wie ich ausschau sondern das was ich kann und auch textlich zu sagen habe. Wir haben neben unseren sozialkritischeren Songs auch keine durchweg politisch korrekten Texte, sondern sind ja auch gerade durch unsere ironisch, provokativen Texte beliebt und berüchtigt. Ich kenne auch zu wenige Sängerinnen die z. B. mal ein Trinklied singen oder textlich auch szenekritisch sind ;-) Vielleicht trau`n die sich alle auch nicht bzw. fehlen denen die „mentalen“ dicken Eier, die mir wohl angeboren sind.

Euer neues Album „Duschen auf Staatskosten“ ist vor Kurzem erschienen. Wie liefen die Arbeiten im Studio?
Lizal: Ich war total begeistert, natürlich anfangs auch ein wenig überfordert von so viel Neuem was wir bei Lukas im „Deep Deep Pressure Studio“ Braunau dazugelernt haben. Er hat es aber durchweg geschafft uns zu motivieren und das Beste aus unseren Songs und unserem Potential innerhalb der Band rauszuholen. Lukas stand uns die 6 Tage, in denen wir das Album aufgenommen hatten, immer mit guten Tipps zur Seite. Für uns war es eine völlig neue Erfahrung in seinem Studio aufzunehmen, da wir ja unsere alten Sachen fast durchweg bis auf Gesänge, Solos und ein paar Leads als Livetrack eingespielt hatten. Diesmal gestaltete es sich um einiges aufwändiger, die härtere Arbeit hat sich aber in jedem Fall gelohnt. Es ist wirklich ein geiles Gefühl, das Endergebnis nun anzuhören. Für das finale Mastering zeigt sich übrigens Struki (48 Records, Piratenpapst) verantwortlich, der dem ganzen noch den Feinschliff verpasst hat. Für mich persönlich ist es das erste Album, auf dem ich wirklich jeden Song liebe.

Das betrifft nicht nur das eigene Herzblut, sondern auch die Qualität, die sich sowohl im Songwriting als auch in der Aufnahme um ein Wesentliches zu unseren früheren Veröffentlichungen abhebt. Mehr Gitarrendruck, klarere Gesänge, mehr Frontal in die Fresse. Die Tage im Studio waren sehr anstrengend, da wir pro Tag über 12 Stunden arbeiteten. Trotzdem war es bei Lukas sehr lustig und er hatte immer Bier da, wenn die Nerven mal nicht mitspielten ;-) Aber das hat uns alle auch technisch extrem weiter gebracht, da man mehr auf seine eigene Spielweise achtet, wenn man sich genügend Zeit nimmt! Wir freuen uns jetzt schon, wenn wir die nächste Platte einspielen, an die wir bestimmt noch routinierter und cooler herangehen.

Gleich die ersten beiden Songs des Albums „Dreckige Saat“ und der Titeltrack „Duschen auf Staatskosten“ feuern ordentlich gegen die Gesellschaft dieses Landes. Haut ihr alles raus, was euch ankotzt oder muss man es auch immer mit dem nötigen Augenzwinkern sehen?
Lizal: Ich finde beides ist wichtig. Man sollte kritisch sein, sich aber dabei selbst nicht zu ernst nehmen. Darum schaffen wir es vermutlich auf unseren Alben immer eine bunte Mischung aus Ironie und Gesellschaftskritik zu verewigen. Wir sind textlich nicht einseitig, doch gerade kritischere Ideen für Songs finde ich angesichts aktueller Entwicklungen bezüglich aufkommenden Rechtsruck in Europa, versteckter Kriegspropaganda in den Massenmedien und stetig steigender Polizeigewalt am leichtesten. „Dreckige Saat“ habe ich damals auch in einem sehr nachdenklichen Moment geschrieben und dieser Song hat einfach extrem viel Energie und Wut in sich. Der passt eigentlich immer und ist (leider) ein zeitloses Lied. Übrigens ist beim Song „Dreckige Saat“ auch ein Gastpianist zu hören, was ich richtig klasse finde. Danke an Dietmar von DRITTE WAHL, echt geil geworden! Auch „Im Namen des Individuums“ ist ein sehr systemkritischer Song über den Wert des Menschen in dem ganzen Gefüge. Bei all dem haben wir aber nie unseren unverwechselbaren Humor verloren, der sich sicher auch in „Duschen auf Staatskosten“ wiederspiegelt.

Ich komme manchmal auf schräge Ideen und eine davon ist, wie geil es doch wäre einen Flashmob zu starten, wo alle in Badeklamotten und mit Seife bewaffnet auf die Demo gehen. Was gibt es geileres als den Staat auszubeuten, und wenn man nur den Wasserwerfereinsatz für eine gratis Dusche provoziert. Ansonsten sind wir irgendwie immer brandaktuell am ganzen (wahnsinnigen) Geschehen auf dem Planeten dabei. Der Song „Mit Bier gefüllte Deutsche“ hat gerade in diesem Jahr zur WM absolut den Zeitgeist getroffen, da nationalistische Hohlbirnen das ganze Spektakel leider wieder für ihre stumpfen Parolen genutzt haben. Neben den eher ironischen Songs wie „Alzheimer Armee Fraktion“ oder „1000 japanische Facebookfreunde“ findet man auf dem Album auch Songs die sich um Themen wie Freundschaft und Verrat handeln. Wir sind alle nur Menschen und auch das Leben geht nicht spurlos an uns vorbei. Das hörst du in den Songs „Lebensphilosophie“, „Gib mir dein Wort“ oder „Gegen die Resignation“. „Schmutz unserer Straßen“ ist auch meiner Lieblingssongs, in dem es um das leidige Thema der Luxussanierung geht. Auch die Szeneabteilung mit dem Stock im Arsch bekommt in „FKK im autonomen Zentrum“ ihr Fett weg. Die Freunde des Trinksports kommen auch weiterhin auf ihre Kosten und können zu „Irgendwie, irgendwo Flaschenpfand“ mit uns am Tresen einen heben. Unser Kumpel Punker Donald hat sich mit „Photosynthese für mein Ethanol“ noch in einem sehr coolen Ska-Punk Partysong verewigt. Also 14 Songs, die thematisch als auch musikalisch eine sehr bunte Mischung aus Punkrock mit Ska- HC- Rock`n Roll und Metaleinflüssen sind.

Die Dorks – Dreckige Saat

Es fällt mir auf, dass eure Songs fast immer eine Spielzeit von mehr als 4 Minuten haben. Auch ein Zeichen dafür, dass ihr Wert auf das Musikalische legt – denn meistens sind Punksongs ja nach nicht einmal 2 Minuten vorbei!
Lizal: Wie du schon bemerkt haben wirst, haben wir auf dem Album auch einen „Metalklassiker“ von so einer berüchtigten Band von der britischen Insel dorkifiziert. Was also keine Zweifel aufkommen lässt, dass die „4 of the Dorks“ + der 5. Banause musikalisch einen sehr weiten Horizont haben und auch gerne Metal und andere Musik hören als nur klassischen Punk. Du findest auch viele zweistimmig arrangierte Passagen auf dem Album. Ich übe jeden Tag Gitarre und mir ist es wichtig, die Musik stetig weiter zu entwickeln, zu arrangieren und Techniken zu erlernen bzw. Neues auszuprobieren. Es macht einfach unheimlich viel Spaß. Das tolle ist, dass sich auch wirklich jeder da mitreißen lässt und jeder in der Band einen eigenen sehr abwechslungsreichen Musikgeschmack hat. Wir sind keine Schubladenmenschen, weder im Leben, noch in unserer Auffassung von Musik. Ehrlich gesagt finde ich es schrecklich, wenn Menschen sich in der Musik einschränken und sich selbst sagen, wenn ich das und das mache, ist es doch kein Punkrock mehr. Sowas ist doch Blödsinn und ich glaube der gute alte Lemmy von Motörhead sagte mal: „It`s all just Rock`n Roll“. Und er hatte sowas von Recht! Wir haben doch alle dieselben Roots. Musik und Texte sollen stets von Herzen kommen und nicht irgend einem Raster entsprechen, sonst ist es nicht mehr authentisch. Also macht euch alle keinen Kopf und tut was euch Spaß macht!

Wo können wir euch in naher Zukunft live sehen?
Lizal: Dieses Jahr rocken wir im Dezember 2014 nochmal ordentlich. Am Freitag, 12. Dezember rocken wir wieder bei unserem alten Freund Latti im VL Halle mit DIE SCHWARZEN SCHAFE, am Samstag, 13. Dezember mit unseren Freunden von PIRATENPAPST und B.T.M. in der Horte Strausberg bei Berlin. Dann wird vor dem Jahreswechsel noch die Ballonfabrik in Augsburg, am 19.12., sowie das Beteigeuze in Ulm mit SOUR BITCH aus Prag, am 27.12. zerlegt. Was im nächsten Jahr alles passiert, da seid ihr auf www.diedorks.de am aktuellen Stand. Für nächstes Jahr sind schon die ersten Festivals geplant, zwei im September. Beim „Laut gegen Rechts Festival“ in Trier mit Dödelhaie, Radio Havanna, Alarmsignal, Wilde Zeiten, DDP, Auf Bewährung, Deutsche Kinder uvm. und beim Potse Festival in Berlin sind wir bereits bestätigt.

Vielen Dank, die letzten Worte gehören dir!
Lizal: Florian, ich danke dir für deine Fragen. Anfang 2015 gibt es übrigens in Zusammenarbeit mit unserem Label Sn-Punx eine Vinylauskopplung von unserem Album „Duschen auf Staatskosten“. Alle Songs werden nicht drauf passen, aber es soll einen Downloadcode zur LP geben, wo man sich das komplette Album holen kann. Allen anderen kann ich unsere neue CD wärmstens empfehlen. Gibt`s auch bei unserem tollen Label Sn-Punx. An dieser Stelle geht mal ein großer Dank an Dirk, für seine tolle Unterstützung! Punkrock fängt immer mit dem Herzen an! Und danke an unsere geilen Gastsänger Alex und Wulf von TAKE SHIT, die sich ebenfalls auf der Platte wiederfinden! Ihr seid klasse!

Interview von Florian Puschke im November 2014

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