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Interviews

Veröffentlicht am: März 4th, 2019 | durch Florian Puschke

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„Am Rande von Berlin“: Razzia im Interview

40 Jahre nach der Gründung sind Razzia mit „Am Rande von Berlin“ zurück. Uns beantworteten Andreas Siegler (AS) und Peter Siegler (PS) Fragen zum Release, zum neuen Album, zum Touren und zur Bandgeschichte.

Moin, zuerst einmal vielen Dank für die Zeit, die ihr euch nehmt. Wobei erwischen wir euch gerade?
AS/PS: Moin, bei RAZZIA beantworten Andreas Siegler (AS) und ich, Peter Siegler (PS), zur Zeit die schriftlichen Interviews.

Razzia sind zurück. 15 Jahre nach dem letzten Album und über 25 Jahre nach dem letzten Album mit Rajas als Sänger. Wie fühlte es sich an, im Studio neue Razzia Stücke einzusingen/einzuspielen?
AS: Rajas hat nichts von seiner Kraft und Energie eingebüßt. Ganz im Gegenteil. PS: Er hatte, wie alle anderen in der Band, enormen Bock neue Stücke im Studio aufzunehmen. Die Produktion hat uns wie erwartet viel Spaß gemacht.

Die Band hat sich wiedergefunden. Wie kam es zur Reunion der Urbesetzung und was bedeutet es euch, dass ihr jetzt auch wieder mit neuem Tonträger am Start seid?
AS: Eigentlich wollten wir keine Reunion. Wir haben uns zuerst nur getroffen, um ein Set für eine einmalige Party zu proben. Die fand nicht statt. Statt dessen, erhielten wir Angebote für mehrere Konzerte. Es machte uns immer noch viel Spaß Musik zu machen, also nahmen wir Angebote an. Bald darauf meldete sich Colt vom Label Colturschock bei uns. Er wollte die alten Alben neu auflegen, was dann auch passierte. Und so lief es immer weiter, bis zur Veröffentlichung des neuen Albums. Wir wollten eine Produktion mit unseren heutigen Möglichkeiten fahren und das ist auch gut gelungen.
PS: Dass uns die neue Scheibe viel bedeutet, ist erkennbar daran, dass da wir sehr viel Energie und Zeit im Übungsraum und im Studio aufgewendet haben, um dieses Projekt zu realisieren. Es sind vom ersten gemeinsamen Proben bis zum Tag als die gemasterten Aufnahmen im Presswerk gelandet sind, ungefähr drei Jahre Produktionszeit ins Land gegangen.

„Am Rande von Berlin“ heißt euer neues Album. Wie sind die Songs entstanden und was unterscheidet das Album von den vorherigen Alben?
PS: Wenn jemand eine Grundidee für einen Song hat, arbeiten wir sie gemeinsam im Übungsraum aus. Sollte uns die Idee nach ein paar Tagen immer noch gefallen, suchen wir einen passenden Text dazu aus. Die sind bei uns glücklicherweise immer zahlreich vorhanden sind, da Andreas, damals wie heute, in der Lage ist, zu jeder Tageszeit Geschichten, Erlebnisse und abstrakte Situationen auf dem Papier festzuhalten. Nach dem Anpassen des Gesanges an das jeweilige Lied erhält der Song mindestens noch einen Feinschliff. Zu den Unterschieden im Bezug auf vorherige Alben lässt sich sagen, dass wir diesmal intensiver als bei vorherigen Aufnahmen an den  Gitarrensounds getüftelt haben, das die Chorgesänge in den Songs einen höheren Stellenwert bekamen und das wir erstmalig ein Cello verwendet haben.

Razzia – Am Rande von Berlin

„Ich liebe diese Nächte am Rande von Berlin“ so singt ihr im Titelstück. Was ist das Besondere an diesen Nächten und wie fühlt ihr euch als Band. Eher am Rande der Branche oder mittendrin?
PS: Ich finde, dass wir nicht einmal am Rande der Musikbranche unseren Platz haben, weil wir wegen unserer Texte nicht im Radio gespielt werden, das Publikum nicht mit einer Bombast-Pyroshow unterhalten oder auf massenkompatible Mitgröhl-Refrains verzichten. Vielleicht ist die Frage, wo wir denn nun in der Branche zu verorten sind, für uns auch nicht so entscheidend.
AS: Das Titelstück ist eine Dystopie, die eine recht düstere Zukunft anreißt. Davon abgesehen haben wir viele Nächte in Berlin verbracht, die wir nicht missen möchten.

In „Ein Hauch von Wandlitz“ teilt ihr klar eure Einstellung mit. „Niemals bei der Stasi“ und „immer beim Widerstand“. Wie schwer ist es für eine Band wie euch, über eine Zeitspanne von 40 Jahren das „Dagegensein“ im Blut zu behalten?
PS: Das Anprangern von Misständen durch Text und Musik haben wir nach den Anfangsjahren komplett geändert .Seit dem Album „Ausflug mit Franziska“ haben wir erkennbar und bewusst  eine andere Form der Kritik gewählt.
AS: „Ein Hauch von Wandlitz“ beschreibt einerseits am Beispiel  der DDR-Regierung, den völligen Realitätsverlust heutiger Politiker, andererseits die spätere Heuchelei der System-Schranzen nach dem Zusammenbruch.

Razzia Songs starten oft sehr melancholisch bevor dann meist ein sehr deutlicher und kritischer Text erscheint. „Nicht in meinem Namen“ ist fast schon ein typisches Beispiel. Ein Song der u. a. Korruption anprangert. In der heutigen Zeit von Handy, Smartphone, Facebook und Internet. Was denkt ihr: Wie stark wirken Songs wie dieser im Vergleich zu vor 30 Jahren?
PS: Die Hörgewohnheiten haben sich natürlich mit dem Internet radikal verändert. Das Angebot von Musik und Filmen auf YouTube oder Facebook ist bekanntlich unbegrenzt. Sich mit seiner Musik in diesem Überangebot zu platzieren ist im Hinblick auf die 80er sicherlich nicht einfacher geworden. Trotzdem oder grade deswegen ist die Entwicklung im Netz interessant. Wir hoffen, dass wir den Sprung in das Zeitalter des Internets gut hinbekommen haben. Drücken sie jetzt bitte den „Gefällt mir“-Button….

„Lauf Junge lauf“. Ein Song gegen das Aufgeben. Ein Song für das Weitermachen. Auch ein Song der die Razzia Karriere ein wenig umschreibt?
AS: Nicht ganz: Der Song handelt eigentlich davon, dass die jüngere Konkurrenz auf eine sinnlose Mission gesendet und so aus dem Weg geräumt wird.

Ihr werdet bei einigen Konzerten ein Programm aus 40 Jahren Razzia zum Besten geben. Die CDs 1995 bis 2004 wurden von Stefan Arndt eingesungen. Werden Songs dieser Scheiben neu interpretiert oder werden diese außen vorgelassen?
AS: Titel, die Stefan Arndt eingesungen hat, sind nicht im Programm.
PS: Wir haben mehr als genug Songs bei denen Rajas singt. Es sind soviele das wir nur eine kleine Auswahl von ihnen live präsentieren können. Obwohl echte Schmuckstücke auf den drei Platten mit Schraube am Gesang sind. Vielleicht sollten wir mal eine „Best of B-Besetzung“ machen?

Viele Bands nehmen im Laufe der Jahre ein Cover-Album auf. Welche 3 Songs könntet ihr euch in einer Razzia-Interpretation gut vorstellen und warum?
AS: „Katamaran“ von Hans Harz, weil wir es beim Übersetzen nach Helgoland gehört haben. „Licht am Horizont“ und „Laufrad“ von RAZZIA/ B-Besetzung.

PS: 1. „Tin Can People“ von den Sods. Absolute Rakete. Der Song sollte nicht in Vergessenheit geraten und muss zum Zwecke der Überlieferung an kommende Generationen, gecovert werden…..
2.“Theme from the Persuaders “ von John Berry. Was für eine göttliche Melodie. Jedesmal wenn sie erklingt, sitze ich  im Wohnzimmer meiner Eltern vor dem Schwarz-Weiß-Fernseher und sehe  „Die 2“. Wäre ein schönes Intro für uns.
3.“Silver Age“ oder „Hold on“ von Bob Mould. Die Songs könnte ich mir mit einem Text von uns und dem Gesang von Rajas gut vorstellen.

Das Album erscheint im März. Was denkt ihr. Wie werden die alten Fans das Album annehmen und erwartet ihr auch Anfragen der nachfolgenden Generation?
PS: Ich finde, wir haben es bei dieser Platte gut hinbekommen, den rauhen Charme der 80er musikalisch in ein Gewand der heutigen Zeit zu packen, ohne uns dabei selbst zu kopieren. Deshalb glaube ich, dass Punkrocker, die uns noch aus unseren Anfangstagen kennen, diese Scheibe mögen werden.
AS: Ich denke jedem der sich ansatzweise für RAZZIA interessiert, dürfte das Album gefallen und ich weiß, dass wir auch jüngere Leute ansprechen. Trotzdem ist es nicht auf irgendeine Zielgruppe zugeschnitten, sondern ausschließlich auf den Geschmack der Mitwirkenden.

Was bedeuten euch die folgenden Begriffe?
Ausflug mit Franziska an den Rand von Berlin
AS: ?
PS: Augenblick, ich frag´mal kurz Alexa, wenn ich dafür Zeit habe….

Rotweingürtel
AS: Die wohlhabenderen Viertel in den Außenbezirken einer Stadt…
PS: Handeln nach dem St.Florians Prinzip.

Razzia 2019
AS: …mal sehen was passiert.
PS: …wird super!!

Punk
AS: War anfangs sehr anregend.
PS: …und dient heute der Unterhaltung.

Bitte vervollständige die folgenden Sätze.
Ohne Razzia wäre Rajas…
AS: …kein Sänger mehr.
PS: …und den ganzen Tag traurig.

Eine Tour ist dann perfekt, wenn…
AS: wirklich alle am Ende glücklich sind.

Razzia–Songs sind…
PS: …wie Fahrradwache in der Hauptschule.
AS: …wie ein Restaurantbesuch in Nordkorea.

Interview von Thorsten im März 2019

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Florian Puschke



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