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Veröffentlicht am: Juli 29th, 2017 | durch Florian Puschke

Nachbericht: Traffic Jam 2017

Dieses Jahr fand zum 18. Mal das Traffic Jam Open Air statt. Wer Lust auf ein unvergessenes Wochenende hatte, konnte am 21.06 und 22.06. in Dieburg vorbeischauen. Geboten wurde ein spektakuläres Line-Up mit Künstlern wie Caliban, Vitja, Royal Republic, Evergreen Terrace, uvw.

Gleich zu Beginn muss ich von meinen persönlichen Erlebnissen berichten. Das Traffic Jam Open Air war mit großem Abstand das best-organisierteste und familiärste Festival auf dem ich je war. Bei der Security angefangen, die einen tollen und vor allem freundlichen Job erledigten, bis hin zu den Helfern an Getränke- und Essensbuden – selten so viel Freundlichkeit erlebt wie an diesem Wochenende! Das Festival selbst war super zentral gelegen. Keine 10min zu Fuß vom Bahnhof in Dieburg, stieg die riesen Party. Wer durch die Anreise einen leichten Hunger verspürte, konnte vor dem Festivalgelände an dem einem oder anderen schnell Restaurant halt machen.

Um 14 Uhr war es dann soweit, das 18. Traffic Jam Open Air startete mit Of Colours. Eine Band mit einer weiblichen Frontsängerin, die keineswegs ruhige Töne und Liebeslieder übermittelte. Eine klasse powervolle Stimme mit hartem Sound. Auch Nautilus, Fatzke und Stolen Mind überzeugten mit ihrer Performance. Leider war bis zum Nachmittag die Menge noch nicht in großen Massen vertreten, was wohl auch an der extremen Hitze lag. Anchors & Hearts waren eine der Bands, die mich vom ersten bis zum letzten Ton überzeugten. Tolle Show der Jungs und eine Empfehlung für jeden, der auf Melodic Hardcore steht!

Scherf & Band erinnerten mich mit ihrem deutschen Sound an 8 Kids oder Casper. Waren aber eine tolle Abwechslung für zwischendurch. Den Auftritt von Our Hollow, Our Home hatte ich aufgrund der Tourbus-Probleme in den letzten Tagen mit zwei gecancelten Shows in Frage gestellt, doch die Jungs waren da. Als die ersten Töne liefen, hörte ich aus der Menge ein „Na endlich gescheite Musik“ und musste ein wenig schmunzeln. Der Auftritt der Jungs aus England war aufgrund der härteren Töne ansprechend genug, um mehrere von ihren Zeltplätzen direkt zur Bühne zu bringen.

Die deutsche Rock- und Punk Band Elfmorgen, sowie die Ska-Punk Musik von Sondaschule hatten nach all dem „Geschrei“ mit für einen kleinen Break gesorgt, der hauptsächlich weibliche Besucher zum feiern brachte. Gute Musik und tolle Stimmung inklusive. Evergreen Terrace überraschten mit ihrem Metalcore/Melodic Hardcore die Menge. Einigen Unterhaltungen nach, wussten die Besucher nicht, dass die Band nach dem Ausstieg von Frontsänger Andrew Carey wieder zusammen auf Tour sind. Ihre Show war unbeschreiblich energiegeladen. Zum Schluss ihrer Show sprang Andrew Carey noch in die Menge und lies sich in Richtung Merchstand bringen – eine lustige und zugleich praktische Aktion, denn die Band wollte mit ihren Fans am Merch noch ein paar Worte wechseln.

Mit Royal Republic ging Tag eins in Dieburg mit einem richtigen Knaller zu Ende. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn zu Beginn der Show zog ein Unwetter heran, dass auch das Traffic Jam Open Air erreichte. Nach ca. einer Stunde strömenden Regens kam neben dem Lichtspektakel von Royal Republic eine weitere Lichtshow an Blitzen aus dem Himmel dazu. Ein richtig heißer und toller Tag neigte sich somit dem Ende – trotz des Wetters war die Laune der Besucher auch nach dem Unwetter noch bestens und es wurde auf den zweiten Tag hin gefiebert.

 

Nach einer recht nassen und kühlen Nacht, ging es in Runde zwei am Traffic Jam Open Air. Den Anfang machten Some Kind of Hope, deren Show nicht gut besucht war, dennoch diejenigen, die gekommen sind zum Mitmachen brachten. Some Kind of Hope überzeugten mit ihrem Auftritt und lieferten trotz dem mauen Publikum eine tolle Leistung ab. Als zweite Band durften wir eine meiner Lieblingsbands auf der Bühne begrüßen. Stonem spielten zu einer sehr frühen Zeit (leider!) aber ihre Show war zum Glück doch gut besucht. Stonem lieferten eine tolle Show ab und machten mich zugleich glücklich. Ich freue mich jedes Mal, wenn Bands die klein angefangen haben, nach und nach die Anerkennung bekommen, die sie verdienen und ich denke bei Stonem wird es nicht mehr lange dauern, bis sie mit den ganz großen der Szene auf Tour gehen.

Auch der Ska Punk Sound von Escandalos kam gut beim Publikum an. Die Texte sind recht witzig gemacht und die zarte und klare Stimme des Frontsängers gepaart mit den gut tanzbaren Melodien, so gut, dass man es als Gute-Laune/Party Musik einstufen kann. Nulldb waren für mich einer der Überraschungen des Tages. Im Vorfeld kannte ich außer dem Band Logo leider nichts von ihnen, war nach den ersten Tönen sehr überrascht wieso ich sie bisher noch nicht gehört hatte. Tolle Texte, Toller Sound – Empfehlenswert. Direkt im Anschluss kamen The Oklahoma Kid auf die Bühne. Eine Band, die bereits optisch überzeugte. Ihr Sound hat mir sehr gefallen und dieser kam nicht nur bei mir gut an – auch die Menge feierte die Band.

Drei Meter Feldweg waren wieder von der Fraktion Gute-Laune-Tanz-Musik, bevor es mit härteren Klängen von All for Nothing weiterging – meiner Meinung nach eine gut durchdachte Running Order, denn so gab es erstens für jeden Geschmack etwas und zweitens gab es für jeden eine Pause, wenn der ein oder andere Künstler nicht in ihren Musikgeschmack passten.

Als sich der Auftritt von einer meiner Favoriten andeutete, war ich leicht nervös. Vitja, deren Musik in meiner täglichen Playlist rauf und runter läuft, konnte ich endlich mal bei Tageslicht betrachten. Bei den vorherigen Shows spielten die Jungs in sehr dunklen Clubs und es war teilweise echt schwer außer der Musik etwas zu erkennen. Ich denke auch, ich war während ihrer Show die textsicherste Fotografin, die es jemals gab. Es ist jedes Mal eine große Freunde Vitja live zu sehen! Im Anschluss gab es eine etwas ruhigere aber witzige Akustik-Show von Götz Widmann. Anfangs für meinen Geschmack zu ruhig und eigen, zum Schluss hin aber richtig witzig. Götz Widmanns Texte brachten einige zum mitsingen und mitlachen. Im Nachgang ging es dann wieder mit mehr Stimmung und Party weiter, denn Crazy Town waren ebenfalls im Line-Up, dass den ein oder anderen sehr freute.

Als ich den sympathischen Jungs, die sich irgendwie kaum über die Jahre verändert haben begegnete, war es, als würde ich gute Freunde wiedersehen. Auch wenn es immer heißt Stars wären etwas eigen, kann ich es in Bezug auf ihre Persönlichkeit nicht behaupten. Shifty und Co. freuten sich und haben mich direkt in ein Gespräch verwickelt, deren Themen keineswegs komisch waren. Als sie dann die Bühne betraten, ging in Dieburg die Post ab. Mit ihrem bekanntesten Hit „Butterfly“ beendeten sie einen genialen Auftritt.

Der Vorletzte Act des Abends waren ZSK. ZSK waren eine der Bands, die mich leider nicht mitgerissen hatten. Ihr wie er auch genannt wird – Skateboard Punk, kam in der Menge sehr gut an. Leider waren die Texte nicht von meinem Geschmack. Was aber klar Ansichtssache ist. Wenn ich Musik höre, möchte ich ungerne Themen behandeln mit denen ich tagtäglich in der Presse konfrontiert werde. Eine Geburtstagseinlage eines Fans, der mit einer großen Luftmatratze durch die Menge getragen wurde, sowie eine Fackel zu „Antifascista“ wurden der Menge ebenfalls geboten.

Mit Caliban endete der letzte Abend in Dieburg. Bereits das Intro zu ihrer Show war so spektakulär, dass eigentlich nur noch das Popcorn fehlte. Teilweise war es richtig schwer sich auf den Auftritt zu konzentrieren, da alles so schnell und beeindruckend war. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so eine extreme Lichtshow vor mir hatte. Als Stonem Frontsänger von Caliban angeboten wurde, bei einem Song mitzusingen, ließ er sich diese Chance natürlich nicht entgehen. Man hätte meinen können, er wäre schon immer für Caliban im Einsatz gewesen! Als Caliban Frontsänger Andy die Menge aufforderte den letzten Song gemeinsam auf der Bühne zu schmettern, ließen die Fans sich das natürlich nicht zweimal sagen. Eine richtige Invasion auf der Bühne, bei der es schwer war noch ein Bandmitglied von Caliban zu finden. Tolle Show und eine nette Geste. Selbst die Securitys haben sich nicht quer gestellt und den Fans zu einem tollen Abschluss verholfen – Das es sich bei diesem Festival um ganz besondere Securitys handelte, merke man unteranderem auch daran, dass sie während eines Songs von Caliban mit in die Knie gegangen sind – Hut ab!

Meine abschließenden Worte zu diesem Festival sind ganz klar, wie toll es war. Wirklich jeder festival-liebende Fan sollte dieses familiäre Festival einmal besuchen. Von einer perfekten Organisation bis hin zum veganen Essensangebot, gab es wirklich alles. Das einzige, was etwas störend war, war die eigene Währung auf dem Festival – eventuell wird hier für die Zukunft über eine andere Lösung nachgedacht. Ich hätte mir wahrscheinlich mehr auf dem Festival zu Essen gegönnt, wenn ich mit Bargeld hätte zahlen können – wobei mein Körper sich im Nachhinein aber freute.

Bericht von Nessa

Foto: Nessa Deleto

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Florian Puschke



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